„Es geht um alles“: Bei „Markus Lanz“ hielt Reiner Haseloff ein leidenschaftliches Plädoyer für die Demokratie in Deutschland. Gleichzeitig positionierte sich der Ex-Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt klar gegen die in Umfragen starke AfD.
Bei Markus LanzCDU-Politiker wird plötzlich laut: „Das kann doch nicht sein“

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Der im Januar zurückgetretene Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt, Reiner Haseloff, bezog bei „Markus Lanz“ Stellung zu den starken Umfrageergebnissen der AfD in seinem Bundesland.
Aktualisiert
Am 6. September wird in Sachsen-Anhalt gewählt. Aktuellen Umfragen zufolge könnte die AfD erstmals stärkste Kraft im Landtag werden. Nicht mehr zur Wahl stellt sich dagegen Reiner Haseloff (CDU), der seine Amtsgeschäfte als Ministerpräsident schon Ende Januar an Ex-Wirtschaftsminister Sven Schulze weitergegeben hatte. Gut 40 Tage nach seinem Abschied als Ministerpräsident wurde Haseloff am Donnerstagabend (12. März 2026) bei „Markus Lanz“ zunächst persönlich.
Lanz bemerkte, Haseloff habe nun „keine Sicherheit mehr dabei“: „Für die Sicherheit sorgt jetzt Ihre Frau, die heute das erste Mal hinter den Kulissen dabei ist.“ Haseloff erklärte, die Umstellung sei „nicht so schwer“ gewesen: „Meine Frau freut sich und ich habe mich damit auch sehr, sehr schnell arrangieren können.“ Besonders schätze er nun etwas, das im Politikbetrieb selten sei: „Am meisten genieße ich, dass ich jetzt auf sieben bis acht Stunden Schlaf komme. Das ist das, was den Politikern insgesamt fehlt.“
Bei Markus Lanz spricht Haseloff über kommende Wahl
Als es um die jüngsten Umfragen in Sachsen-Anhalt ging, wurde der CDU-Politiker deutlich ernster. Mit Blick auf einen möglichen Wahlerfolg für die AfD sagte er: „Es geht um alles. Es geht um dieses Land, unser Land, unsere Demokratie.“ Zugleich zeigte er sich überzeugt: „Ich bin mir ziemlich sicher, dass in diesem Lande keine absolute Mehrheit (...) für die AfD hinzubekommen ist.“ Die Gründe für die aktuellen Umfrageergebnisse verortete er vor allem in zwei Feldern: „Die entscheidenden Punkte, die derzeit diese Umfrageergebnisse bedingen, sind die wirtschaftliche Entwicklung im Zusammenhang mit der Migrationsfrage.“
Lanz wollte daraufhin von Haseloff wissen, wie er den Umgang mit der Linken und der AfD sehe. Der Politiker wich jedoch aus und setzte auf die eigene Zielsetzung: „Wir arbeiten darauf hin, dass wir diese Wahl gewinnen und dass wir überhaupt nicht in solche Diskussionen kommen.“ Dabei formulierte er eine klare Priorität: „Das erste Ziel (...) ist, dass die AfD nicht in Regierungsverantwortung kommt, keine absolute Mehrheit bekommt.“
Reiner Haseloff über starken Einfluss der AfD: „Wo sind wir denn hingekommen?“
Dann wurde Haseloff grundsätzlich – und laut. Er empörte sich: „Die AfD bestimmt – bis auf Schleswig-Holstein – in allen Parlamenten, wer regieren kann! Das kann doch nicht sein, dass diese Partei alle Konstellationen in dieser Bundesrepublik Deutschland auf Länder- und auf der Bundesebene bestimmt! Wo sind wir denn hingekommen?“ Lanz reagierte trocken: „Herr Haseloff, man nennt das Demokratie.“ Haseloff konterte: „Deswegen müssen wir denen die Themen wegnehmen und die Themen lösen!“

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Bei „Markus Lanz“ debattierte die Runde am Donnerstagabend über die Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt im September.
Lanz wollte dies nicht unkommentiert lassen und merkte an: „Sie provozieren gerade die Bemerkung: Sie waren selbst in führender Position 15 Jahre lang.“ Haseloff stimmte zu, verwies aber zugleich auf den Bund: „Ich bin mit dem Ergebnis und (...) auch der Schnelligkeit der Arbeit der Bundesregierung sozusagen unzufrieden, weil es muss schneller gehen – auch mit Blick auf unser Wahlergebnis.“
Im weiteren Verlauf wurde Lanz konkreter und fragte: „War diese Übergabe von Reiner Haseloff an seinen Nachfolger Sven Schulze zu spät?“ Journalistin Anne Hähnig bejahte dies deutlich: „Der Übergang war sehr spät.“ Haseloff widersprach derweil und verteidigte das Tempo der Übergabe an Schulze: „Wir haben es hinbekommen, (...) durch eine wirklich hervorragende Leistung, diesen Wechsel schnell und effektiv so hinzubekommen, dass er die Chance hat, hier sich entsprechend auch zu positionieren. Und er macht das sehr, sehr gut!“ Für den Wahlkampf kündigte Haseloff an: „Wir werden dieses Land für uns versuchen, in der Mitte zu halten – und damit (...) die Demokratie zu stabilisieren.“
„Ich bin überhaupt nicht angefressen“: Lanz bringt Reiner Haseloff in Bedrängnis
Lanz blieb jedoch skeptisch: „Es hätte doch eine sehr viel elegantere Möglichkeit des Übergangs gegeben.“ Dann legte er nach und fragte: „Was ist dran an dem Gerücht, dass Sie eigentlich als Wirtschaftsminister im Kabinett Merz vorgesehen waren?“ Haseloff antwortete ausweichend: „Es gab damals sicherlich eine Überlegung auch in den ostdeutschen CDU-Kreisen, in welcher Form man die neuen Bundesländer in einem Kabinett wiederfinden wollte und sollte.“ Der ZDF-Moderator konterte energisch: „Das ist doch Ihr Lebensthema! Sichtbarkeit, Hörbarkeit Ostdeutscher!“
Haseloff blockte auch dies ab und stellte klar: „Ich werde mich dazu nicht weiter äußern. Überlegungen gab es dazu und die Entscheidung hat der Bundeskanzler getroffen und demzufolge ist das jetzt auch die Faktenlage und dieses Kabinett muss jetzt erfolgreich arbeiten.“ Als Lanz wissen wollte, ob er „es gemacht“ hätte, sagte Haseloff schließlich: „Ich war zumindest grundsätzlich bereit, darüber nachzudenken – wenn ich diesen Vorschlag bekommen hätte.“
Für ihn sei das inzwischen „kalter Kaffee“. Lanz widersprach: „So ganz kalt ist der Kaffee nicht. Das wäre doch ein wahnsinnig eleganter Übergang gewesen! (...) Ich kenne ja ein bisschen Ihr Temperament. Sie sind angefressen, Herr Haseloff.“ Doch der CDU-Mann blieb dabei: „Ich bin überhaupt nicht angefressen!“ (tsch)

