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Veteran berichtet bei Markus Lanz vom Krieg„Das war, was mich am meisten zerstört hat“

Veteran Andreas Rückewoldt machte kein Geheimnis daraus, dass seine Kriegseinsätze auch sein Familienleben beeinflusst haben. (Bild: Cornelia Lehmann / ZDF)

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Veteran Andreas Rückewoldt machte kein Geheimnis daraus, dass seine Kriegseinsätze auch sein Familienleben beeinflusst haben. (Bild: Cornelia Lehmann / ZDF)

Bei „Markus Lanz“ sprach Ex-Hauptfeldwebel Andreas Rückewoldt schonungslos offen über die Schattenseiten seiner Einsätze in Bosnien und im Kosovo. Dabei machte er deutlich, wie sehr ihn die „moralische Verantwortung“ nachhaltig mitgenommen habe.

Nach mehr als vier Jahren Krieg in der Ukraine wird auch in Deutschland wieder breiter über Aufrüstung, eine größere Bundeswehr und sogar die Rückkehr der Wehrpflicht diskutiert. Doch was heißt das konkret für diejenigen, die im Ernstfall gehen müssen?

Bei „Markus Lanz“ debattierten am Dienstagabend Veteraninnen und Veteranen über ihre Einsätze in Ländern wie Litauen, Bosnien oder Afghanistan. Im Mittelpunkt standen dabei nicht nur Fragen nach Pflichtgefühl und Motivation, sondern auch die teils emotionalen Folgen, die Auslandseinsätze mit sich bringen. Lanz brachte die Debatte zunächst auf eine Grundsatzfrage: „Was bedeutet es tatsächlich, seinem Land zu dienen?“ Und er wollte es noch konkreter wissen: „Was bedeutet Wehrpflicht eigentlich wirklich, wenn es darauf ankommt?“

Reservistin Dunja Neukam reagierte zurückhaltend und distanzierte sich zunächst vom Begriff „Wehrpflicht“: „Vielleicht sollte man der jungen Generation einfach sagen: 'Macht doch bitte ein Jahr Dienst für die Gemeinschaft'. (...) Dieses Thema mit der Pflicht - da haben halt so viele Probleme.“ Gleichzeitig stellte sie klar: „Ich möchte für Deutschland einstehen, für diese Gesellschaft einstehen. Für mich ist es selbstverständlich, etwas zu geben.“ Offizier Marcel Bohnert fügte prompt hinzu: „Am Ende geht es hier um unseren Wohlstand, unsere Freiheit, unsere Art zu leben - und da muss es eben Menschen geben, die dafür irgendwie auch gewillt sind, mehr zu geben.“ Lanz stimmte zu und ordnete ein: „Es geht auch um einen Mentalitätswandel im Zweifel.“

Ex-Feldjäger über seinen Afghanistan-Einsatz: „Ich kam mir vor wie in einer ganz anderen Welt da“

Reservistin Dunja Neukam verriet bei „Markus Lanz“, was sie vom Begriff „Wehrpflicht“ hält. (Bild: Cornelia Lehmann / ZDF)

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Reservistin Dunja Neukam verriet bei „Markus Lanz“, was sie vom Begriff „Wehrpflicht“ hält. (Bild: Cornelia Lehmann / ZDF)

Dabei blieb es nicht bei Appellen an die Gesellschaft. Lanz forderte auch von der Politik Klarheit und sprach davon, man müsse „der Bevölkerung reinen Wein einzuschenken“. Besonders empörte ihn der Umgang mit heimkehrenden Soldaten aus Afghanistan: Er kritisierte, dass sich „kein Minister“ die Zeit genommen habe, die Rückkehrenden in Empfang zu nehmen. Neukam bestätigte die Härte dieser Erfahrung: „Das war mehr als schäbig.“

Wie unvorbereitet selbst Soldaten in Extremsituationen geraten können, schilderte derweil Marc Hinzmann. Er war im August 2021 als junger Oberstleutnant in Kabul im Einsatz und sagte rückblickend: „Ich wusste nicht, was da auf mich zukommen wird. (...) Vom Auftrag her war mir nicht klar, was ich dort vor Ort machen würde.“

Der ehemalige Feldjäger erinnerte sich an die chaotischen Tage: „Das war total surreal. (...) Ich kam mir vor wie in einer ganz anderen Welt da.“ Lanz fragte nach, wie lange es brauche, um solche Bilder und Erlebnisse zu verarbeiten. Hinzmann antwortete schonungslos: „Manchmal nie. Also am Ende des Tages wird mich dieser Einsatz wahrscheinlich mein Leben lang in einer gewissen Art verfolgen.“

Damit rückte der Blick auf die psychischen Kosten von Einsätzen in den Fokus. Veteran und Ex-Hauptfeldwebel Andreas Rückewoldt berichtete in dem Zusammenhang über die Schattenseiten seiner Einsätze in Bosnien und im Kosovo. Die Belastung sei so groß gewesen, dass sie bis ins Private durchschlug: „Mein Sohn hat mich (...) teilweise in einem sehr desolaten Zustand gefunden.“

Offizier Marcel Bohnert: „Wir sind noch nicht im Krieg juristisch, aber eben auch nicht mehr im Frieden“

Rückewoldt betonte, wie sehr ihn „die moralische Verantwortung“ an seine Grenzen gebracht habe: „Das war, was mich am meisten zerstört hat - nicht helfen zu können, zum falschen Moment da zu sein.“ Auf genau diese „moralischen und psychischen Verletzungen“ könne man, so Rückewoldt, letztlich nicht vorbereitet werden.

Dunja Neukam nickte und merkte an, Krieg sei „immer schmutzig“. Zum Schluss lenkte Marcel Bohnert den Blick wieder auf die sicherheitspolitische Lage und den Bedarf an Konsequenz beim Ausbau der Bundeswehr. Seine Begründung fiel deutlich aus: „Man muss noch (...) sehr viel deutlicher machen, dass wir hier alle bereits angegriffen werden. (...) Wir sind noch nicht im Krieg juristisch, aber eben auch nicht mehr im Frieden. (...) Wir sind dazwischen.“ (tsch)

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