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Comiczeichner-Legende Brösel „Werner ist nicht moralisch – das finden Kinder geil!“

Brösel neben einem Bild seiner Kultfigur Werner.

Im „Cöln Comic Haus“ stellte Brösel den Comic-Band „Haater Stoff“ vor. 

Comiczeichner-Legende Brösel (mit bürgerlichem Namen Rötger Feldmann) spricht im Interview über Bundeswehrzeiten, Spaß in Köln, teuren Sprit und seine aufgemöbelten „Werner“-Hefte.

Köln. „Hau wech’ die Scheiße“ mit ’ner „Flaschbier“, aber Vorsicht vor der „Güllepumpe“: Die Sprüche von Comic-Held „Werner“ gehören zum allgemeinen Sprachgebrauch.

Erfunden hat sie Brösel alias Rötger Feldmann (71). Vor ein paar Tagen kam er aus dem hohen Norden nach Köln, um im neu eröffneten „Cöln Comic Haus“ den Sonderband „Haater Stoff“ vorzustellen.

Brösel im EXPRESS-Interview

Rötger oder Brösel?

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Rötger Feldmann: Brösel ist okay.

Sie sind der erfolgreichste deutsche Comic-Autor. Mit 20 haben sie von Arbeitslosenhilfe gelebt. Böse Menschen sagen: Sozialschmarotzer. Trifft Sie das?

Rötger Feldmann: Ich hatte eine Lehre als Lithograph beendet, wurde 1970 zur Bundeswehr eingezogen. Nach 14 Tagen Grundausbildung wurde bei mir TBC festgestellt. Ich glaube heute noch, dass ich damals krank geworden bin, weil ich das nicht wollte. Am schlimmsten war, dass mir die langen Haare abgeschnitten wurden.

Und wie ging das dann weiter?

Rötger Feldmann: Ich kam acht Monate zur Behandlung ins Waldsanatorium „Rüsselkäfer“. Toller Name, oder? Ich musste Pillen schlucken, durfte mich nicht an-strengen. Dann bekam ich einen Job in einer Lithografie-Firma in Flensburg, wurde aber entlassen, weil ich nebenher Comics gezeichnet habe.

Sie sind Auto- und Motorradfreak. Fürchten Sie durch die kommende Regierung eine Spritpreiserhöhung?

Rötger Feldmann: Ich glaube schon, dass die Grünen uns die Benzinautos wegnehmen, die Spritpreise erhöhen. Andererseits habe ich mein Benzin-Zeitalter ausgelebt.

Comiczeichner Brösel und EXPRESS-Reporter Christof Ernst sitzen sich gegenüber.

Christof Ernst und Rötger Feldmann beim Interview.

Wenn „Werner“, Ihre Hauptfigur, Party macht, gibt’s Bölkstoff und viel Fleisch auf dem Grill. Bei Ihnen auch?

Rötger Feldmann: Nee, das habe ich erheblich eingeschränkt. Diese Rindfleischfresserei produziert ja einen ungeheuren Wasserverbrauch. Ich bin aber jetzt kein strikter Vegetarier, sondern esse auch schon mal ein Steak vom Galloway-Rind.

Schmeckt Ihnen das Bier wenigstens noch?

Rötger Feldmann: Ja schon, aber selbst in Hopfen und Malz gibt es Glyphosat-Rückstände. 

Unser „Bölkstoff“ allerdings ist sauber. Sie waren gerade auf Köln-Besuch. Fühlen sie sich als Nordfriese wohl im Rheinland?

Rötger Feldmann: Aber klar. Ich habe eine enge Verbindung zu Köln. 1988 habe ich Frank Hocker und Gerd Köster kennengelernt, als die noch „Schröder Roadshow“ machten. In der „Kaschemm“ haben wir so manche Kölsch-Stange weggelötet. Ich gönne es sogar dem FC, dass er wieder so „jot drop es“, obwohl der in der Relegation mein Holstein Kiel geschlagen hat.

Ihre Comics beziehen eindeutig Position gegen alles, was rechts ist. Gab es da nie Ärger?

Rötger Feldmann: Ach wo! Diese rechten Glatzen sind doch alles Feiglinge. Als so einer mal bei einer Signierstunde im Osten ein Autogramm wollte, habe ich dem gesagt: „Du kriegst keins, zieh’ dir erst mal was Anständiges an und lass dir die Haare wachsen.“ Der ist wortlos abgedackelt. Ich muss fairerweise sagen: Hinter mir stand ein Schrank von einem Security-Mitarbeiter. Der musste nur die Arme vor der Brust verschränken – das reichte.

Rötger Feldmann mit seiner Ehefrau Petra.

Rötger Feldmann mit Ehefrau Petra, die auch seinen Verlag leitet.

Finden Comics in Deutschland ausreichend Anerkennung?

Rötger Feldmann: Nö! Das ist ganz anders als in Belgien oder Frankreich. Dort werden Comic-Künstler regelrecht hofiert, sind dort wahre Götter. Bei uns werden Comics eher belächelt.

Woran liegt das?

Rötger Feldmann: Das hat seine Wurzeln in der Nazizeit. Die Nazis haben Comics als entartete Kunst angesehen. Bilder mit Sprechblasen galten als Schund. Da gab es z. B. E. O. Plauen, der den Comic „Vater und Sohn“ zeichnete. Dem sollte wegen Wehrkraftzersetzung 1944 der Prozess gemacht werden. Einen Tag vor dem Prozess hat er sich erhängt.

Wurde es nach dem Zweiten Weltkrieg besser?

Rötger Feldmann: Nein, im Wirtschaftswunderland war das auch nicht gern gesehen. Die meisten Kinder mussten ihre „Batman“- und „Sigurd“-Heftchen quasi unter der Ladentheke kaufen. Zum Glück hatten meine Eltern nix gegen Comics.

Können jüngere Menschen heute mehr damit anfangen?

Rötger Feldmann: Ich weiß nicht. Die schauen doch nur auf ihre Smartphones. Die meisten kennen z. B. „Werner“ gar nicht. Anders ist es, wenn mal ein „Werner“-Film im Fernsehen läuft. Dann haben die auch ihren Spaß, weil das ein anderer Humor ist als dieser Ami-Schmalz, den sie sonst vorgesetzt bekommen. Werner ist nicht moralisch – das finden Kinder geil!

Pädagogen sind da vermutlich eher anderer Meinung, oder?

Rötger Feldmann: Genau, die finden Werners Gossensprache und den Fäkalhumor schon mal gar nicht gut. Und eins meiner Themen – Motorräder bauen oder Au-tos auseinandernehmen – das interessiert die nicht. Die könnten nicht einmal bei einem VW den Motor wechseln.

Comiczeichner Rötger Feldmann alias Brösel auf dem Motorrad.

Motorräder sind Brösels große Leidenschaft.

Gendergerecht ist „Werner“ auch nicht gerade...

Rötger Feldmann: Stimmt! Das werde ich auch noch mal ordentlich auf die Schippe nehmen. Da habe ich in meinem Notitzbüchlein schon einige Ideen: Der Hermann-Löns-Weg wird wohl demnächst in Herfrau-Löns-Weg umbenannte, Schuhgeschäfte heißen „Salafrauder“. Es gibt als Werbegag schon Student*Innenfutter. Da frage ich mich: Darf man das auch draußen essen?

Sie haben Ihre alten Comic-Bände „schön gemacht“. Nur die Nummern 7 und 12 fehlen noch. Warum?

Rötger Feldmann: Weil sie mir am wenigsten gefallen. Ich wurde vom alten Verlag bedrängt: Wir brauchen neues Material, ein neuer Band muss her. Und da leiert man sich auch schon mal Geschichten aus dem Kreuz, die nicht ganz so gut sind. Sie bezeichnen sich selbst übrigens als schlechten Zeichner. Ist das nicht ein bisschen Koketterie? Nein. Wenn ich sehe, wie die Kollegen in den angesagten Graphic Novel echte Menschen zeichnen, da quäle ich mich mit. Das kann ich nicht. Ich kann nur meine Nasenmenschen.

Rötger Feldmann: Drei legendäre Rennen

Drei Rennen, die zu Legenden wurden: 1988 trat Brösel mit seiner Horex (Markenzeichen: vier hintereinander liegende Motoren, zusammen 2200 ccm Hubraum) gegen den roten Porsche seines Kumpels Holgi Henze an. Über 250000 (!) Menschen kamen nach Hartenholm. Brösel verlor, weil er sich verschaltet hatte!

Auch bei der Neuauflage 2004 ging er als Verlierer vom Feld. Erst 2018 gelang ihm der Sieg. Über alle Events gibt es das aktualisierte Heft „Werner – Das Rennen“. Darin erinnert sich auch Wolfgang Niedecken daran, wie er 1988 mit BAP einen chaotischen, aber umjubelten Auftritt hatte.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Artikels wurde versehentlich Holger Henze als Erfinder des Wacken Open Air Festivals bezeichnet. Das Festival geht jedoch auf Holger Hübner zurück. Wir haben diesen Fehler inzwischen korrigiert. 

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