Schauspielerin Marion Kracht „Man wird so schnell in eine Schublade gesteckt!“

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Schauspielerin Marion Kracht wurde letztes Jahr für den deutschen Schauspielpreis nominiert. Das Foto zeigt sie bei der Preisverleihung im September, die damals noch unter Coronavorkehrungen stattfinden konnte.

Köln – Die „Drombuschs“ waren ihr Schicksal. Seitdem sie im Serien-Spektakel an vorderster Familien-Front mitmischte, ist Marion Kracht (58) ein Markenzeichen im deutschen TV.

  • Marion Kracht über skurrile, neue Rolle
  • Was es ihr bedeutet, neben Willy Millowitsch gespielt zu haben
  • Warum sich Marion Kracht für eine Sache besonders engagiert

Rund 150 Mal stand sie danach vor der Kamera, mal als Herzchen, mal als Biest, mit allen möglichen Facetten dazwischen. Jetzt ist sie gleich zwei Mal am Start – in der neuen Staffel der ARD-Serie „WaPo Berlin“ (ab 26. Januar, 18.50 Uhr) und im Film „Schlaf“ als Horror-Lady.

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In den neuen Folgen „WaPo Berlin“ ist Marion Kracht wieder als Polizeipräsidentin an Bord.

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Die neuen „WaPo Berlin“-Folgen sind unter Corona-Bedingungen entstanden. Merken wir das?
Marion Kracht:
Ich denke nicht. Natürlich gab es im Umgang mit Requisiten viele, viele Vorschriften, wir mussten beim Spielen Abstände wahren. Viel schlimmer waren die Leute vom Team dran, die den ganzen Tag mit Maske arbeiten mussten.

Sie sind eine Polizeipräsidentin, die ab und zu nach dem Rechten schaut – eher eine kleine Rolle. Warum haben Sie die angenommen?
Weil ich sie sehr skurril finde. So eine Chefin in solch einem Amt ist sehr ungewöhnlich. Es macht Spaß, sie zu spielen. Und eine Gastrolle kann genauso interessant sein wie eine Hauptrolle. Wichtig ist mir, dass es eine interessante Figur ist, also keine, die lediglich plakativ den Mund aufmacht.

Gibt es so was heute noch?
Leider ist es noch oft so, dass Frauenrollen eindimensional erzählt werden, sie haben dann nur die Funktion der Ehefrau oder Geliebten, sind nicht mehr als Stichwortgeberinnen für die Männer.

Der Gegenentwurf dazu ist ihre Rolle im Kinofilm „Schlaf“…
„Schlaf“ ist was ganz besonderes. Er startete am 1. November – am 4. November waren die Kinos wieder dicht. Glücklicherweise kann man ihn über „Salzgeber-Edition“ streamen, da geht dann die Hälfte des Geldes an die Kinos, die ihn gezeigt hätten.

Warum schwärmen Sie so?
Es ist Kinohorror aus Deutschland! Er spielt in einem einsamen Hotel mit langen, leeren Fluren, es geht um Albträume, die plötzlich wahr werden, Geheimnisvolles aus der Vergangenheit. „Schlaf“ ist erfolgreich auf der Berlinale gestartet, war auf internationalen Festivals erfolgreich.

Klingt nicht nach einem normalen Marion-Kracht-Film…
Stimmt. Endlich durfte ich mal wieder was anderes spielen, als das, was ich meistens angeboten bekomme. Die Rolle hat mir die Nominierung zum Deutschen Schauspielpreis eingebracht und meine Karriere beeinflusst. Jetzt bekomme ich auch wieder andere Rollen angeboten. Ich habe z. B. gerade einen Usedom-Krimi abgedreht, in dem ich wieder eine sehr eigenwillige Frau spiele.

Sie wurden lange bei „leichter Unterhaltung“ eingeordnet...
… und das, obwohl ich bei den „Drombuschs“ nie nur süß, schnuckelig und hübsch sein musste, und danach oft kämpferische Rollen spielte. Das geht schnell, dass man in eine Schublade gesteckt wird.

Bei Schauspielerinnen ist Alter manchmal ein Problem...
Alter ist das Damoklesschwert, das über einer Frau hängt, sie muss jung, schön, knackig sein. Männer können skurril, dick, verrückt, hässlich, glatzköpfig sein, dafür gibt es immer Rollen. Bei Frauen heißt es zuerst: Sie muss attraktiv sein. Gott sei Dank verabschiedet sich das jetzt ein bisschen. Es gibt interessantere Rollen, es erscheinen immer mehr Frauen ab 50. Man darf jetzt auch älter und attraktiv sein, aber eben auch skurril, verrückt, ungewöhnlich.

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Marion Kracht bei einer Mahnwache der Initiative #AlarmstufeDunkelrot in Berlin.

Mit fünf haben Sie mit der Schauspielerei angefangen – wie kommt man so früh dazu?
Mein Vater war Chefdramaturg am Münchener Gärtnerplatztheater. Eines Tages wurden Kinder gebraucht, man fragte meine Brüder und mich, wir hatten Lust. Meine Brüder haben bald wieder aufgehört, mir ist die Lust Gott sei Dank geblieben. Es war ein wunderbarer Ausgleich zur Schule. Ich war froh, wenn ich zum Drehen woanders hindurfte.

Es folgten viele Filme mit den Stars der Nachkriegszeit. War damals anderes wichtig als heute?
Klar. Als ich mit 22 mit Gert Fröbe „Alte Sünden rosten nicht“ drehte, war für ihn wichtig, dass ich eine Ausbildung und Theater gespielt hatte. Das wurde erwartet, man wurde an seinen Leistungen gemessen. Heute ist das manchmal anders. Weil „Schauspieler“ ein ungeschützter Beruf ist, kann sich jeder, der mal durch eine Daily gerutscht ist, so nennen. Wenn man die richtigen Posts liefert und viele Follower hat, wird man schnell als Star gehandelt.

Gab es Schauspieler, die wichtig für Ihre Karriere waren?
Besonders wichtig war für mich Willy Millowitsch. Ich war 16, musste zwischen zwei Angeboten wählen. Das mit Willy – „Das kleine Hotel“ – reizte mich nicht sehr, das andere erschien mir viel spannender. Mein Vater gab mir den Rat: „Wenn du neben Millowitsch bestehst, dann hast du es geschafft!“

Hat Papa Recht behalten?
Ja. Obwohl ich ungeheuren Respekt vor Willy hatte, habe ich wohl neben ihm bestanden, er hat dafür gesorgt, dass seine Künstleragentur mich genommen hat. Extrem ungewöhnlich damals, es gab nur eine Handvoll privater Agenturen, in die kam man als Nachwuchskünstlerin kaum rein.

Sie sind auf vielen Gebieten stark engagiert, setzen sich für Nachhaltigkeit und Tierwohl einsetzt. Was ist Ihr Motiv?
Mir geht es immer und überall um die Frage, wie wir diese Welt mal unseren Kindern hinterlassen, eine Welt, die wir schon fast ruiniert haben. Ich will nicht kreidebleich werden, wenn mich eines Tages meine Enkel fragen, was ich gewusst und dagegen getan habe.

Marion Kracht: Buddenbrooks und Drombuschs

Marion Kracht (geboren am 5. Dezember 1962 in München) spielte schon als Schülerin viele Rollen. 1979 war sie im TV-Film „Die Buddenbrooks“ zu sehen, 1982 in der TV-Serie „Christian und Christiane“, von 1985 bis 1994 mimte sie die Tina in „Diese Drombuschs“ und von 1985 bis 1989 war sie in „Ein Heim für Tiere“ dabei.

Sie ist Kuratoriumsmitglied beim Kinderhilfswerk Plan international (hat da einen eigenen Podcast) und ist stellvertretende Vorsitzende der Fair Play Stiftung. Sie lebt mit ihrem Ehemann, dem Architekten Berthold Manns (52), und zwei Söhnen in Berlin.

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