„heute-Show“-Star Valerie Niehaus  „Satire ist eine totale Befreiung für mich“

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Valerie Niehaus bei einer Medienboard-Party im Hotel The Ritz-Carlton zur 70. Berlinale. Jetzt in Coronazeiten fehlt ihr der Kontakt zu anderen Menschen sehr.

Köln – In Köln-Bocklemünd fing alles an: Valerie Niehaus (heute 46) drehte dort die ARD-Soap „Verbotene Liebe“, war die Julia, die ihren Bruder liebte – und spielte sich damit in die Herzen der TV-Produzenten und Zuschauer, ohne dass sie sich festlegen ließ. So sehen wir sie kommenden Sonntag in der neuen ZDF-Herzschmerz-Reihe „Nächste Ausfahrt Glück“ – aber auch weiterhin freitags in der ZDF-„heute-Show“.

  • Valerie Niehaus macht auch TV-Romanzen im ZDF
  • So empfindet sie das Leben in der Corona-Pandemie
  • Was sie an ihren Rollen in der „heute-Show“ besonders reizt
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Valerie Niehaus spielt in der neuen ZDF-Reihe „Nächste Ausfahrt Glück“ die Hauptrolle.

Bei „Nächste Ausfahrt Glück“ kommt am Sonntag der Ex nach vielen Jahren zurück, und eine lange Ehe gerät in Gefahr – glauben Sie, dass so etwas oft vorkommt?
Valerie Niehaus:
Es ist tatsächlich längst nicht so außergewöhnlich, wie es sich anhört. Bei der Vorbereitung habe ich in Studien gelesen, wie verbreitet das ist. Ich kann mir gut vorstellen, dass es einen sehr treffen kann, wenn der oder die Verflossene wieder auftaucht. Vielleicht hat man noch eine Prägung aus jener großen emotionalen Erfahrung heraus, sodass man die Gefühle wieder erlebt.

Könnten Sie sich das bei Ihnen selbst vorstellen?
Natürlich kann keiner sagen, dass er davor gefeit ist. Dennoch denke ich, dass mir das nicht passieren kann. Ich habe meine Beziehungen gelebt, bin heute sehr glücklich mit den Veränderungen, die sich in meinem Leben ergeben haben. Es müsste schon sehr sonderbar zugehen, wenn etwas von ganz früher käme, das ich schöner und verlockender fände. Ich habe keinen nostalgischen, traurigen Blick auf die Frau, die ich früher war. Ich bin gern die Person, die ich jetzt bin. Ich bin heute sogar glücklicher als damals.

Der Film ist während der Corona-Pandemie entstanden. Jetzt sind wir im zweiten Jahr – wie beurteilen Sie das alles?
Ich benutze hier ein Wort, das ich sonst meide: Scheiße! Das habe ich nicht in diesen Ausmaßen erwartet, ich habe gedacht, dass wir es schnell wieder unter Kontrolle kriegen, wenn wir es gemeinsam anpacken. Es herrschte da noch eine gewisse Euphorie, die gibt es längst nicht mehr. Die Sorge wächst: Wie lange wird das noch gehen? Was bedeutet das für uns?

Welche Auswirkungen hat Corona auf Ihr Empfinden?
Ich habe festgestellt, dass ich nicht für die Einschränkung der persönlichen Kontakte gemacht bin. Mir fehlen die Spiegelung in den anderen Menschen, das offene Gespräch, das unkomplizierte Bewegen auf meiner Seelenebene. All das kostet mich total viel Kraft. Allerdings kämpfe ich bewusst dagegen an. Ich stehe morgens nicht gern auf, wenn ich nicht irgendwo ein Licht sehen kann. Und wenn keines da ist, sorge ich selbst dafür! Ich bin zu faul für Dunkelheit, sie ist mir zu anstrengend.

Was heißt das?
Ich suche das Positive, gucke z. B. darauf, dass wir innerhalb eines Jahres Impfstoff entwickelt haben. So was dauert sonst viel länger. Und so viel Schlimmes in der Welt auch passiert, ich sehe immer noch Menschen, die das nicht wollen und Vorschläge für eine bessere Welt haben. Darauf konzentriere ich mich.

Sie sind eine viel beschäftigte Schauspielerin, spielen mal Ehefrau, mal Geliebte, mal Mörderin, mal Opfer. Und sie gehören zum Stamm der „heute-Show“. Klingt manchmal so, als seien Sie mehrere Frauen...
Könnte man fast denken – glücklicherweise habe ich daraus einen Beruf machen können. Und außer als Mörderin fühle ich mich in der Arbeit bei keinem dieser Themen fremd. Ich liebe alle Bereiche – Liebe, großes Drama, schweres Schicksal, auch den satirisch-bissigen Blick auf diese Welt.

In der „heute-Show“ sind Sie fast jeden Freitag in neuen Rollen zu sehen. Was reizt Sie da?
Ich liebe diese Schnelligkeit, die da herrscht. Man hat keine 24 Stunden Zeit, sich vorzubereiten, man geht hin, spielt – und schon ist man wieder draußen. Und das dann abends im Fernsehen zu sehen und zu spüren, dass das einen validen Punkt trifft, ist immer noch ein Riesenkompliment für mich und erfüllt mich mit Stolz. „heute-Show“ ist für mich die totale Befreiung.

Vor rund 25 Jahren bildeten Sie mit Andreas Brucker das erste Paar der Soap „Verbotene Liebe“. Soap-Darsteller wurden damals noch belächelt. Wurde das der Antrieb zu Ihrer Karriere?
Es ist nicht das Schlechteste, wenn man es zu Beginn etwas schwerer gemacht bekommt, dann strengt man sich mehr an. Aber das ist jetzt viele Jahre her – und ich bin immer noch ehrgeizig und hungrig, ich wollte und will vorwärts kommen.

„Verbotene Liebe“ läuft mit neuen Folgen, aber alter Besetzung, jetzt auf dem Streamingdienst TVNOW. Sind sie dafür auch angefragt worden?
Ich habe Julia damals komplett losgelassen und bin darüber sehr glücklich. Manche Figuren hingegen gebe ich nur ungern her. Ich würde z. B. meine Rolle in der ZDF-Serie »Die Spezialisten« sofort wieder aufnehmen, weil sie noch viele Möglichkeiten für mich hätte. Das Format müsste nur weg von dem Vorabendsendeplatz, wo man so gruselige Sachen wie Leichen nicht zeigen darf, aber es wäre ein tolles Format für den späteren Freitagabend!

Gab es auch Sachen, auf die Sie nicht stolz sind?
Es war nicht immer nur erfüllende Kunst, die ich abgeliefert habe, und manche Projekte haben mir geholfen, meine Miete zu bezahlen. Allerdings musste ich mich und meinen Anspruch nie verraten und habe bestimmte Sachen auch nicht gemacht.

Sie sind Großnichte der Schauspielerin Ruth Niehaus, die in den 50ern als „Rita Hayworth des deutschen Films“ und „Fräuleinwunder“ galt und in Meerbusch-Büderich begraben wurde. Ein Vorbild für Sie?
Obwohl ich sie nie getroffen habe, weiß ich, dass sie eine besonders freie und sehr starke Frau war. Sie begleitet mich schon lange, weil ein Leben als Schauspielerin damals wie heute immer noch ein sehr spezieller Weg ist. So ein Frauenleben wurde damals gesellschaftlich noch nicht akzeptiert. Ich kenne das sogar noch von mir. Als zur Debatte stand, dass ich Schauspielerin werden möchte, gab’s in meiner Familie Menschen, die nicht verstanden, was mir mein Vater da gestattet hatte...

Valerie Niehaus: Wechsel zwischen lustig & traurig

Valerie Niehaus (geboren am 11. Oktober 1974 in Emsdetten) ist Tochter des Architekten und Ex-Siemens-Topmanagers Peter Niehaus (79) und Großnichte der Schauspielerin Ruth Niehaus (1925–1994). Sie wurde mit 13 für die TV-Serie „Rote Erde“ entdeckt.

Von 1995 bis 1997 spielte sie in der Soap „Verbotene Liebe“, von 2016 bis 2019 war sie Rechtsmedizinerin Dr. Katrin Stoll bei „Die Spezialisten“ (ZDF). Ab 2015 wirkte sie in der Comedy-Serie „Sketch-History“ mit, seit Juni 2018 gehört sie zum Ensemble der „heute-Show“. Sie ist geschieden, hat einen Sohn (18) und lebt in Berlin. 

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