Nach acht Jahren ohne Kontakt sehen sich die Schwestern Kat und Anna wieder. Anna ist unheilbar krank. Ihr letzter Wunsch ist ein gemeinsamer Roadtrip von Belgien nach Spanien. Unterwegs brechen alte Wunden auf. Eine Dramedyserie zwischen Streit, Nähe, Humor und Schmerz.
Unterwegs in ein emotionales Abenteuer„How to Kill Your Sister“ lässt keinen kalt

Copyright: ZDF und Michel Vertongen
Anna (Emma Rotsaert) ist unheilbar an Krebs erkrankt. (Bild: ZDF und Michel Vertongen)
Viele Menschen beginnen das Leben erst dann wirklich zu würdigen, wenn sie mit seiner Endlichkeit konfrontiert werden. Joni Mitchell bringt diese bittere Erkenntnis in ihrem Song „Big Yellow Taxi“ auf den Punkt, wenn sie davon singt, dass man oft erst begreift, was man besaß, nachdem es bereits verloren ist. Auf genau dieser melancholischen Wahrheit fußt auch die belgisch-deutsche Dramedy Serie „How to Kill Your Sister“, die mit subtilem schwarzem Humor von Abschied, Nähe und verpasster Zeit erzählt. Die Serie ist ab Freitag, 27. Februar, in der ZDF-Mediathek verfügbar und ab Sonntag, 8. März, 20.15 Uhr, in Doppelfolge auf ZDFneo zu sehen.

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Kat (Marjan De Schutter) begibt sich etwas widerwillig auf die Reise von Belgien nach Spanien. (Bild: ZDF und Michel Vertongen)
Der provokante Titel lässt zunächst vermuten, es gehe um den Wunsch, eine Schwester auf grausame Weise aus dem Leben zu reißen. Doch der Eindruck täuscht. Im Zentrum der sechsteiligen Serie stehen Kat (Marjan De Schutter) und Anna (Emma Rotsaert), zwei Schwestern, die nach acht Jahren des Schweigens wieder aufeinandertreffen. Der Anlass dafür ist ebenso plötzlich wie erschütternd, denn Anna ist unheilbar krank. Ohne Vorwarnung steht sie vor der Haustür ihrer älteren Schwester, im alten Auto der Eltern, auf dessen Dach ein Sarg befestigt ist. Dieses absurde und zugleich verstörende Bild setzt den Ton für die folgende Reise.
Eine letzte Reise

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Früher sind die Schwestern Anna (Emma Rotsaert, hinten links) und Kat (Marjan De Schutter, hinten rechts) gemeinsam mit ihren Eltern (Sofie Decleir und Nico Sturm) nach Spanien gefahren. (Bild: ZDF und Michel Vertongen)

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Anna (Emma Rotsaert) nimmt auch einen Sarg mit auf die Reise. (Bild: ZDF und Michel Vertongen)
Was als unfreiwillige Begegnung beginnt, entwickelt sich zu einer gemeinsamen Fahrt, auf die sich Kat zunächst nur widerwillig einlässt. Anna hat nun mal diesen einen letzten Wunsch: eine letzte Reise mit ihrer Schwester. Der Weg ist geprägt von Traurigkeit und unausgesprochenem Schmerz, aber auch von Momenten der Leichtigkeit, in denen der trockene Humor der Serie immer wieder aufblitzt. Besonders bewegend ist die Erkenntnis, dass das Ziel Spanien ist, dorthin ist auch die Familie früher gemeinsam gereist. In Rückblenden tauchen die Eltern (Sofie Decleir und Nico Sturm) immer wieder auf und zeichnen nach und nach das Bild einer Vergangenheit, die das Verhältnis der Schwestern nachhaltig geprägt hat. In der Gegenwart sind die Eltern nicht mehr (oder, besser gesagt, nur noch in Form von Asche in einem Einwegglas auf dem Rücksitz des Autos) anwesend. Kat und Anna sitzen nun allein im Wagen und sehen sich gleichzeitig mit den Erinnerungen an das Vergangene und der Unausweichlichkeit dessen konfrontiert, was noch bevorsteht.

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Kat (Marjan De Schutter, links) und Anna (Emma Rotsaert) erlebten unbeschwerte Momente auf der Spanienreise mit ihren Eltern. (Bild: ZDF und Michel Vertongen)
Im Verlauf der Reise entfaltet sich auch die eigentliche Bedeutung des Serientitels. Kat soll Anna am Ende der Fahrt im Schlaf mit einem bestimmten Medikament töten. Auf dem langen Weg von Belgien bis nach Spanien brechen alte Konflikte auf, Verletzungen werden sichtbar, und langsam wird verständlich, warum Kat ihre Schwester Anna so viele Jahre aus ihrem Leben verbannt hatten.

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Frank (Nico Sturm) war ein lustiger und alberner Vater. (Bild: ZDF und Michel Vertongen)
Wie es für einen solchen Roadtrip typisch ist, begegnen Kat und Anna den unterschiedlichsten und mitunter skurrilen Menschen. Diese Begegnungen dienen nicht nur als erzählerische Auflockerung, sondern spiegeln auch den inneren Wandel der beiden wider. Sie lernen unterwegs viel über sich selbst, über ihre Familie und vor allem über den Wert des Lebens. Wer bereit ist, über die komischen Situationen hinauszublicken und sich auf die symbolische Kraft eines Sarges auf dem Autodach einzulassen, findet in der Serie zahlreiche Denkanstöße über Vergänglichkeit, Erinnerung und Bedeutung.
„Weder eine einfache Komödie noch ein düsteres Drama“

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Anna (Emma Rotsaert) muss sich in Frankreich vor der Polizei rechtfertigen. (Bild: ZDF und Michel Vertongen)

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Mutter Judith (Sofie Decleir) und Vater (Nico Sturm) waren stets für einen Spaß zu haben. (Bild: ZDF und Michel Vertongen)
Regisseur Jonas Geirnaert erklärt laut ZDF: „Als ich zum ersten Mal den Pitch von 'How to Kill Your Sister' las, wusste ich sofort, dass dies etwas Besonderes ist. Die Geschichte zweier Schwestern auf einer Reise von Belgien nach Südspanien ist weder eine einfache Komödie noch ein düsteres Drama, denn sie taucht in eine Familiendynamik ein, die zufällig urkomisch und düster ist.“
Pedro Elias und Evelien Broekaert, die für das Drehbuch verantwortlich sind, beschreiben das Abenteuer der Schwestern so: „Die Unvorhersehbarkeit des Reisens trägt nur noch mehr zum Chaos bei und macht 'How to Kill Your Sister' zu einer Hommage an die chaotische, ungefilterte Seite der Realität. Jeder Plan, den die Schwestern schmieden, wird schnell durch Zufälle und Chaos zunichte gemacht.“
Am Ende ist „How to Kill Your Sister“ eine Serie, die sich dem Publikum nicht aufdrängt, sondern Raum zur eigenen Deutung lässt. Sie erzählt davon, dass die Vergangenheit selbst dann gegenwärtig bleibt, wenn man scheinbar nur nach vorne fährt. Vielleicht ist diese Erkenntnis bereits philosophisch, auf jeden Fall ist sie zutiefst menschlich. (tsch)

