Was ist hier los? TV-Richter Ulrich Wetzel bekommt von RTL per Computer neue Worte in den Mund gelegt. Ist das genial oder einfach nur gruselig?
TV-SchockRTL ersetzt Schauspieler heimlich mit KI

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RTL setzte in einer Sendung umfassend KI ein
Eine Fernseh-Aktion, die für Aufsehen sorgt! Der Sender RTL hat die bekannte Gerichtssendung „Ulrich Wetzel – Das Strafgericht“ genommen und etwas Verrücktes gemacht. Fünf ältere Episoden wurden zusammen mit der Firma Constantin Entertainment mittels Künstlicher Intelligenz (KI) komplett umgebaut. Das Kuriose dabei: Es wurden nicht nur Charaktere ersetzt, auch die Geschichten selbst hat man dramaturgisch umgeschrieben. RTL feiert das als einen „KI-Meilenstein für das deutsche Free-TV“.
Doch wie hat man das technisch umgesetzt? Bei der Sendung, die nach Drehbuch abläuft, wurde zum Beispiel die Figur eines Beschuldigten vollständig durch einen anderen Schauspieler ersetzt. Gedreht wurde mit ihm teilweise vor einer grünen Wand und im realen Studio. Anschließend wurde er durch KI-gestützte Bildverfahren und eine Synchronisation der Lippenbewegungen in die ursprünglichen Aufnahmen integriert. Selbst der Richter Wetzel erhielt durch Sprachtechnologie neue Texte – Sätze, die er im Original nie äußerte, die aber rechtlich kontrolliert und von ihm genehmigt waren. Das berichtet „DIGITAL FERNSEHEN“.
Top oder Flop? Das sagen die Zuschauer
Ausgestrahlt wurden die Episoden zwischen dem 7. und 11. September, aber die Umsetzung war nicht perfekt. Zuerst merkt man den Computereinsatz kaum, aber wer genau hinschaut, entdeckt die Fehler. Eine gemischte Bilanz zog der Mediendienst DWDL.de: Manche Begriffe hörten sich wegen der KI undeutlich an, und die Mundbewegungen waren nicht immer synchron zum Ton. RTL wertet die Aktion trotz dieser kleinen Mängel als vollen Erfolg. Die Quoten bei den 14- bis 59-jährigen Zuschauern seien laut dem Sender „über dem Durchschnitt des bisherigen Jahres“ gewesen.
Und die Konkurrenz? So verhalten sich ARD, ZDF & Co.
Sehen wir so bald alle fern? RTL nennt die Aktion ein Experiment und „nicht als Vorgriff auf ein zukünftiges Produktionsmodell“, hat aber schon weitere „Innovationsprojekte dieser Art“ im Kopf. Die anderen Sender sind da aber viel vorsichtiger. Weder das ZDF noch die ARD haben aktuell ähnliche Vorhaben mit KI für ihre fiktionalen Sendungen in der Schublade. Für Sat.1 und ProSieben sagte ein Vertreter, dass man bei eigenen Shows auf menschliche Darsteller baue und KI lediglich für Spezialeffekte und die Postproduktion einsetze.
Künstliche Intelligenz ist in der gesamten Medienwelt ein riesiges Thema. Schon seit fast zwei Jahren beobachtet der Bundesverband Schauspiel (BFFS) den Gebrauch von generativer KI mit großer Sorge und macht auf die Risiken aufmerksam. Aus diesem Grund hat man sich mit der Produktionsallianz und der Gewerkschaft Verdi auf einen Tarifvertrag für 2025 geeinigt. Die Regelung soll garantieren, dass Darstellerinnen und Darsteller gefragt werden müssen, bevor digitale Kopien von ihnen angefertigt werden, und sie dafür auch bezahlt werden.
Auch weltweit wird über das Thema heftig gestritten. Der amerikanische Star-Regisseur Steven Spielberg lehnt den Gebrauch von KI für seine Filme komplett ab und verwendet sie nicht mal zur Informationssuche. Dagegen gibt sich sein deutscher Kollege Roland Emmerich deutlich aufgeschlossener. Man darf gespannt sein, wie stark die Technologie die TV-Landschaft in den kommenden Jahren noch aufmischen wird. (red)
