„The Voice of Germany“ Zuschauer frustriert: Neue Regel führt zu Unmut

Sarah Connor (r.), hier bei Proben mit Sophie und Anton, ist ebenso wie die Zuschauer vom neuen Konzept bei „The Voice of Germany“ frustriert.

Sarah Connor (r.), hier bei Proben mit Sophie und Anton, ist ebenso wie die Zuschauer vom neuen Konzept bei „The Voice of Germany“ frustriert.

Unmut macht sich breit: Vielleicht Gewöhnungssache, aber angesichts der neuen Regeln bei „The Voice of Germany“ fehlt das alte K.o.-System. Kurz vor dem Viertelfinale haben bei der Show die Handys die Kontrolle übernommen, und Sarah Connor resigniert: „So ist es halt.“

Die „Sing-Offs“ galten bislang als stressigste Runde bei „The Voice of Germany“ (ProSieben/SAT.1). In der Tat wollte man niemals in der Haut der Coaches stecken, wenn sie die zuvor wochenlang gepflegten Talente im Minutentakt aussortieren und sich dafür auch noch plausible Begründungen ausdenken mussten.

Das lässt sich jetzt getrost selbst übernehmen, ganz bequem vom Sofa aus und lediglich mit Einsatz von ein bis zwei Daumen: Per App kann das Publikum aus jedem Team zwei Viertelfinalisten wählen und den ganzen Abend fröhlich hin und her entscheiden.

The Voice 2021: Abstimmen sorgt für Unmut

Keine Verpflichtung, Hauptsache ständig auf der App, da liegt „The Voice“ (Sat.1 und ProSieben) ganz im Zeitgeist. Der Show gibt das phasenweise etwas hektisch Beliebiges. „Das heißt noch gar nichts“, wird zur oft verwendeten Formel des Abends.

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Und so thront über der mit reichlich Studiogästen besetzten Livemusik-Szenerie ein überdimensionaler Handy-Bildschirm, auf dem nach jedem Auftritt zu sehen ist, wer auf den sogenannten „Hot Seats“ sitzen bleiben oder neu dazukommen darf. Swipes statt Fachbewertungen eloquenter Menschen auf roten Sesseln und ihre Reduktion auf Claqueure („Alle sind gut, alle sollen weiter“) sowie der Eindruck, dass die Auftritte etwas nebenherlaufen: Zauber hat dieses Konzept keinen. Aber dafür sorgen zum Glück die Talente selbst - und das nach Kräften.

Im nervenzerfetzenden Stühlchen-wechsle-dich-Spiel geht es laut Johannes Oerding tatsächlich „ans Eingemachte“. In der „Champions League“ (Oerding) gelten die Stimmen der Coaches allerdings nur noch für eines von drei Talenten, die weiterkommen. „Wieso bin ich eigentlich hier?“ Die selbstreflexive Frage des Einzelhandels-Verkäufers Robin Becker, der sich als Zuschauerfavorit lange auf einem „Hot Seat“ hält, bis er ganz am Schluss von der professionellen Soul-Sängerin Jennifer Williams-Braun verdrängt wird, können sich auch die vier Menschen auf den anderen roten Stühlen stellen.

The Voice 2021: Sarah Connor über die Entscheidungen 

Einzig Sarah Connor spricht es aus: „Ich bin zwar zum ersten Mal dabei und toll, dass mir Entscheidungen abgenommen werden. Aber im Fernsehen kommt das doch ganz anders als in der Halle? Na gut, so ist es. Als Mutter von vier Kindern bin ich es gewohnt, dass meine Ansagen nicht gehört werden.“

Immerhin unterscheiden sich auch vor dem Bildschirm die zarten Songwriter-Töne des Münchner Duos Babsi und Julia (nicht weiter) oder der angehenden Pop-Poetin Linda Elsener (weiter) hörbar von der Rockröhre des Bon Jovi schmetternden Thüringers Sebastian Krenz (weiter), das berührende Storytelling von Martin Bollig aus der Eifel (nicht weiter) vom souveränen Rap von Sang-Ji Lee, der vor Kurzem noch auf Schulbühnen performte.

Und bei den stimmlich erprobten und intensiven Performances der in großer Zahl vertretenen Profis wie Jennifer Williams-Braun, Gugu-Zulu, Ann Sophie Dürmeyer und Zeynep Avci mit einer Bandbreite von Beyoncé über Aretha Franklin und Radiohead bis hin zu türkischem Pop wird ohnehin klar, dass diese Frauen nur in puncto Bekanntheit am Anfang ihrer Karriere stehen: Das Aufeinandertreffen von Newcomern und erfahrenen Künstlerinnen ist vielleicht ein Thema für sich.

The Voice 2021: Viele Zuschauer sind genervt

„Da kann man sehen, wie krass das eigentlich ist“, sagt Thore Schölermann, und auch wenn er in dem Moment die Qualität einer Performance meint, gilt das auch für emotionale Wechselbäder wie bei der Background-Sängerin Lena Belgart, die mit der „Voice“-Teilnahme ihre Selbstzweifel angeht, leider nicht gewählt wird und am Schluss in den Armen der „Comeback Stage“-Chefin Elif landet.

Martin Bollig singt aus vollem Herzen für seinen verstorbenen Großvater, Ann Sophie Dürmeyer gegen das Trauma des Eurovision Song Contest 2015, bei dem sie Letzte wurde. „Am Ende ist alles einfach Musik“, versucht Johannes Oerding alle zu beruhigen.

Zumindest vordergründig lässig nimmt das Ganze nur Rapper Sang-Ji Lee, der das Spiel zu begreifen scheint. „Votet für mich“, sagt er im Einspieler direkt in die Kamera und liefert gleich die Begründung: „Ich bin cool.“

Weniger cool fanden viele Zuschauer das neue Konzept. „Blöde neue Regeln, Dünne Tontechnik, alle 10 Minuten“, schimpfte ein User auf Twitter. Ein anderer ätzte: „Wenn die nach der App gehen, können sie ja fast im Minutentakt die Hot Seats wechseln.“

Und als dann am Ende das „Bäumchen wechsel Dich“-Spiel verblüffend lang zum Erliegen kam, vermutete ein weiterer: „Es ist einfach offensichtlich, dass die App nicht funktioniert.“ (tsch)

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