Der Musiker, der als umstrittenster „Star“ aller Zeiten zum Urwald-Ausflug nach Australien antrat, verlässt das RTL-Dschungelcamp als gekrönte Majestät. Immerhin blieb sich Gil Ofarim bis zur allerletzten Sendeminute treu – er lieferte tapfer Leistung ab, verweigerte aber Erklärungen.
Dschungel-FinaleSonja Zietlow spricht von „Anstand“ – nach dieser Krönung bleiben Fragen
Aktualisiert
In Murwillumbah im Nordosten des australischen Bundesstaates New South Wales dürfte schon bald wieder Ruhe einkehren. Die von RTL angekarrten „Stars“ reisen wieder ab, Flora und Fauna können sich erholen - und das Gekreische, Gekeife und Gezanke hat ein Ende.
Ein erster Vorgeschmack der neuen Dschungelstille war schon zu erahnen, als das routinierte Moderatorengespann aus Sonja Zietlow und Jan Köppen die letzten Amtshandlungen herunterspulte.
Dschungelcamp 2026: „Diese Krone gehört uns allen“
Beide setzten mit Gil Ofarim genau dem Kandidaten bei „Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!“ die Krone auf und drückten ihm das Zepter in die Hand, der in der Geschichte des Formats bislang am stärksten polarisierte.
Der 43-jährige Musiker ging „als meist umstrittener Kandidat rein - und als König wieder raus“, sagte Sonja Zietlow. Und es wirkte fast so, als ob sie das Votum des TV-Publikums selbst überrascht und ein wenig wortkarg gemacht hatte. Auch ihr Kollege Köppen wiederholte am roten Teppich im Baumhaus hoch über dem Camp gleich mehrfach die Phrase: „König - wer hätte es gedacht? - Gil, der Erste.“ So kann man Erstaunen, wenn nicht sogar einen Hauch von Fassungslosigkeit zum Ausdruck bringen. Und schon war dann die Sendung zu Ende. Über allen Gipfeln ist Ruh', hätte Goethe in Versform gesagt.
Tatsächlich war es eine besondere Form von Sprach-Zurückhaltung, die Gil Ofarims Weg zum finalen Triumph in der Sendung ebnete. Selbst heftig bedrängt von seinen Mit-Campern wollte er sich oft in genau den Fragen, die vielen Menschen auf den Nägeln zu brennen schienen, gerade nicht oder nur vage äußern. Sein letzter Tag im Dschungelcamp machte da dann auch keinen Unterschied mehr.
„Ich habe keine Worte“, sagte der frisch Gekrönte. Und selbst wenn das eine Floskel der Überwältigung sein könnte, passte sie doch sehr gut zum Mann, der sich in vielen Punkten äußerlich höflich, aber dann doch auch sehr verschlossen gab.

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Devise: Mund geschlossen halten. Gil kämpfte sich mit Bravour durch seine letzte Prüfung.
Auch auf den letzten Metern ließ sich Gil keine vermeintlichen oder tatsächlichen Geheimnisse mehr entlocken. Stattdessen sagte er: „Das ist eine Teamarbeit.“ Und: „Diese Krone gehört uns allen.“ Nicht ganz klar ist, wie das viele seiner Antagonisten aus der Zeit rund ums Lagerfeuer sehen. Zu großen Krisen im Camp wollte er nicht viel sagen. Nur so viel: „Nach dem Unfall wollte ich hinschmeißen“, meinte Gil im Rückblick.
Wie man weiß, kam es dann anders: Obwohl er bei einer unglücklichen Dschungelprüfung hart mit dem Kopf aufgeschlagen war, entschied er sich nach einer Behandlung durch das Notfallteam zum Weitermachen. Sein weiterer Weg führte ihn zum Sieg.
Ein starkes Team: beeindruckende Sterne-Ausbeute im Finale
Jan Köppen traf den Nagel auf den Kopf, als er über Samira Yavuz (die Zweitplatzierte) und den späteren Dschungelkönig kurz vor der letzten Anrufphase gesagte hatte: „Zwei Menschen, die augenscheinlich bei sich geblieben sind.“ Gil Ofarim blieb sich auch in der Finalshow treu. Er setzte auf seine Erfolgsstrategie: tapfer Leistung abrufen, so viele Sterne einsammeln wie möglich, höfliche Umgangsformen beherzigen - und keine unnötig offenherzigen Worte verlieren.
Arbeitsverweigerung konnte man ohnehin am letzten IBES-Sonntag keinem der Finalisten unterstellen: Von 15 möglichen Sternen holten in den drei, jeweils einzeln zu meisternden Dschungelprüfungen sowohl Hubert Fella als auch Samira und Ofarim insgesamt 14 Leistungsnachweise. Eine beeindruckend starke Leistung.

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Zur Belohnung durften die Finalisten endlich ein echtes Festmahl genießen – es wurde ein Genussabend mit höflichen Gesprächen. „Der Vierte, der am Tisch saß, war der Anstand“, meinte Sonja Zietlow.
Einzig der „Hot oder Schrott“-Experte leistete sich einen Patzer in seiner Ekel-Essensprüfung: Beim unerschrockenen Zerkauen eines zweiten Kamelhodens lief Allesesser Hubert einfach die Zeit davon. Ansonsten: höchster Respekt!
Ähnlich souverän schlug sich Samira bei ihrer Prüfung, die sie zusammen mit allerlei Dschungelgetier in eine dunkle Tunnelanlage führte. Nur bei den von ihr verhassten Spinnen schimpfte die 32-Jährige ein wenig. Mit allen anderen Zumutungen kam sie vorbildlich zurecht. Und sogar für bedrohlich wirkende Reptilien hatte die zweifache Mutter ein freundliches Wort: „Entschuldigung, Schlange!“
Gil Ofarim schluchzt, zittert – und siegt
Mit voller Punktzahl kam auch Gil Ofarim von seiner letzten Prüfung zurück. Er musste dafür nicht nur mit einer Hand Sterne in Kästen freischrauben, in denen tierische Überraschungen auf ihn warteten. Um den Druck zu erhöhen, trug der Musiker dabei auch noch einen Plexiglashelm, der jeweils mit Maden, Würmern, Skorpionen oder Riesenkakerlaken gefüllt wurde. Gil jammerte nicht.
Er beherzigte die Devise, die ihm ganz offensichtlich nicht nur Doktor Bob mit auf den Weg gegeben hatte: Besser den Mund geschlossen halten!

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Da wirkten dann sogar Sonja Zietlow und Jan Köppen unerwartet wortkarg. Gil Ofarim selbst sagte in einer ersten Reaktion: „Ich habe keine Worte.“ Gut möglich, dass er damit den ziemlich zwiespältigen Charakter der Staffel ganz gut zusammenfasste. (Bild: RTL)
Und so kam es, dass keinerlei Zwischenfall den Endspurt trübte. Beim traditionellen Festmahl zur Belohnung für die Sterne-Ausbeute überbot sich das Trio mit Komplimenten an die Küche. Und Gil ließ von seinen Leckereien sogar Mistreiterin Samira probieren - und sie fütterte ihn freundlich mit ihrem Tiramisu. Sonja Zietlow bilanzierte: „Der Vierte, der mit am Tisch saß, war der Anstand.“
Und doch bleibt ein merkwürdig schales Gefühl. Gil Ofarim, den seine Gegner im Camp so oft der Unaufrichtigkeit bezichtigten, hat gewonnen. Offenbar hatte er die Anrufer, die ihn auf seinem Weg bestärkten, von Beginn der diesjährigen Show an auf seiner Seite.
Am Schluss schluchzte er bitterlich, zitterte, hielt sich lange die Hände vors Gesicht. Dann machte er sich auf, holte sich die Krone, sagte ein paar höfliche Worte, die allerdings freundliche Nichtigkeiten bleiben. Und viele Fragen bleiben offen. Merkwürdige Ruhe in Murwillumbah. (tsch)

