Schauspielerin Anja Kruse hat über ihr aktuelles Theaterstück, ihre Liebe zu Köln und Liebesgerüchte aus „Schwarzwaldklinik“-Zeiten gesprochen.
„Schwarzwaldklinik“-StarAnja Kruse räumt mit 40 Jahre altem Liebesgerücht auf

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In Köln ist Anja Kruse am liebsten mit dem Fahrrad unterwegs. Mit dem Drahtesel kam sie auch zu unserem Interview in Köln Anfang März 2026.

Anja Kruse (69) war eine der Prinzessinnen des Serien-TV. War „Die schöne Wilhelmine“, liebte in der „Schwarzwaldklinik“, lebte im „Forsthaus Falkenau“. Dann wurde es kurz ruhiger um sie. Doch längst ist sie zurück – als eine der Königinnen des Boulevard-Theaters. So erleben wir sie noch bis zum 26. April im Kölner Theater am Dom in der hintergründigen Komödie „Toc Toc“.
Was sie in Köln macht, wie sie ihren 70. feiert, was sie von Influencerinnen hält – darüber hat sie sich lange mit dem EXPRESS im Garten des Kölner Restaurants Riphahn unterhalten.
Anja Kruse: „Ich liebe das Kölner Publikum!“
Sie spielen eine Frau mit einem besonderen Tic. Sie leidet unter einem Kontrollzwang und nervt damit ihre Umwelt. Was hat Sie an der Rolle gereizt?
Anja Kruse: Da ich einen Psychotherapeuten in der Familie habe, hat mich in erster Linie das Thema gereizt, vor allem, wie man komödiantisch damit umgeht, ohne die Figuren zu beschädigen und sich lächerlich über sie zu machen. Und das ist in der Rolle der Marie sehr gut gelungen.
Wonach suchen Sie Ihre Rollen aus?
Anja Kruse: Mir müssen das Stück und die Figur von Anfang an gefallen. Die Rolle muss mir vermitteln, dass ich sie gestalten kann. Wenn ich schon beim Lesen nicht mehr als ein „Na ja, geht so!“ empfinde, weiß ich, dass sie mich nach zwei Wochen langweilt und unglücklich macht.
Alle paar Jahre sind Sie gefeierter Star im Kölner Theater am Dom. Spielen Sie da gern – oder ist es Ihnen eigentlich egal, wo Sie auf der Bühne stehen?
Anja Kruse: Egal ist es mir bestimmt nicht. Ich liebe das Theater am Dom, diese wunderschöne Atmosphäre und diese gewachsene Theaterfamilie hinter der Bühne. Und ich liebe das Kölner Publikum, das mich immer wärmstens aufnimmt.

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Anja Kruse im Kölner „Riphahn“ im Gespräch mit EXPRESS-Reporter Horst Stellmacher.
Was machen Sie an den spielfreien Tagen, wenn Sie länger in Köln sind – geht es zur Wohnung und Familie nach Salzburg?
Anja Kruse: Nein. Bei der Entfernung wäre ich höchstens 24 Stunden zu Hause, dann müsste ich wieder zurück – das wäre Schwachsinn, auch der hohen Spritpreise wegen. Im Übrigen langweile ich mich in Köln nicht. Ich habe eine Handvoll Freunde in NRW, die besuche ich gern. Außerdem fahre ich viel Fahrrad. Das ist hier sowieso mein bevorzugtes Verkehrsmittel, denn Autofahren in Köln nervt nur. Ich hole den Wagen nur aus der Garage, wenn ich einen Großeinkauf vorhabe oder Futter für meine beiden Katzen brauche.
Ihre Katzen haben Sie mitgenommen?
Anja Kruse: Ja, ich möchte sie über die lange Zeit nicht allein lassen. Bei zwei, drei Tagen geht das, dann werden sie von einer Nachbarin versorgt, aber für zwei, drei Monate will ich das nicht. Das bricht mir das Herz, das ist Tierquälerei.
Sie sind in Essen geboren und aufgewachsen. Sind Sie im Herzen noch Essenerin?
Anja Kruse: In Essen ist im Laufe der Zeit vieles verloren gegangen. Es sind keine Menschen mehr da, die ich mal kannte. Aber ich habe auch Wurzeln im Rheinland, die Familie meines Vaters kommt aus Köln. Meine Großmutter hatte sprachlich einen leichten rheinischen Einschlag, war karnevalsverrückt und hat uns damit angesteckt.
Was heißt das?
Anja Kruse: Wir haben uns als Kinder immer auf den Rosenmontag gefreut, aufs Kostümieren, aufs Schminken, jedes Mal die Sachen aus dem großen Überseekoffer rauszuholen und zu überlegen, was wir anziehen. Und dann gingen wir zur Oma und haben kostümiert im mit Luftschlangen dekorierten Wohnzimmer den Zug vorm Fernseher verfolgt. Das sind schöne Erinnerungen.

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„Toc Toc“ mit Anja Kruse (Mitte), Martin Armknecht, Aline Hochscheid, Thomas Peters, Thea Seibert von Fock und Cheryl Angelika Baulig ist bis zum 26. April 2026 im Theater am Dom zu sehen.
Haben Sie diese Liebe zum Karneval erhalten?
Anja Kruse: Spätestens dann, wenn ein Kostüm ein Bühnenkostüm wird, findet man es nicht mehr so lustig, sich in seiner Freizeit zu verkleiden. So war es auch bei mir. Zudem ist es mir viel zu laut und viel zu voll geworden. Ich habe das in diesem Jahr wieder bei den Endproben zu „Toc Toc“ mitbekommen – wenn ich auf die Straße musste, bin ich nur im Dauerlauf von A nach B gelaufen. Bloß weg vom Trubel!
Am 5. August dieses Jahres werden Sie 70. Werden Sie groß feiern?
Anja Kruse: Werde ich nicht. Ich bin keine Geburtstagsfeierin, war ich noch nie.
Angst vorm Alter?
Anja Kruse: Nein. Alter ist das, was im Pass steht. Und das, was man draus macht, und wie man sich fühlt.
Man sagt, in Ihrem Beruf gibt es im Alter weniger Rollen, vor allem im TV …
Anja Kruse: Ja, das stimmt. Das ist der Jugendwahn, den wir hier schon immer haben. Zum Glück ist Theater immer noch eine Insel der Glückseligen, wo noch Frieden herrscht und das nicht stattfindet.
Würden Sie gern noch mal 20 sein?
Anja Kruse: Ganz bestimmt nicht, auf keinen Fall heute. Es sind derzeit schwierige Zeiten, eine unbeschwerte Jugend ist kaum mehr möglich. Wir hatten das Ende der 70er! Aber gegen eine Reise zurück hätte ich nichts. Die Zeit auf der Folkwangschule, als ich 20 war, war mit die schönste in meinem Leben.
Sie haben sich nach Ihrem Abitur vor 50 Jahren für die Schauspielerei entschieden. Wenn Sie noch mal in diesem Alter wären – würden Sie mit dem Wissen von heute denselben Beruf ergreifen?
Anja Kruse: Es ist ein wunderbarer Beruf, und doch ist es schwer zu sagen. Denn heute 20 zu sein ist was ganz anderes als es in den Siebzigern war. Ich würde heute drauf schauen, dass ich an einem Theater bleibe, weil ich als junge Frau nicht gern in irgendwelchen Reality-Formaten, in denen ein hübsches Mädchen gebraucht wird, verheizt werden möchte. Ich habe damals in Wien Gesang studiert, musste mich entscheiden, ob ich mit der Musik weitermache oder Schauspielerin bleibe. Ich könnte mir vorstellen, dass ich heute Musik wählen würde, um später stärker international arbeiten zu können.
Damals bekamen Sie schnell große Rollen in großen TV-Serien, sind immer sehr gehypt worden …
Anja Kruse: Na und? Ein Hype hat immer zwei Seiten. Ich bin nicht unfroh darüber, dass man mir heute nicht mehr so sehr wie damals hinterherläuft. Schließlich bin ich in erster Linie Schauspielerin, weil ich meine Arbeit liebe und nicht, weil ich berühmt oder ein Star sein wollte. Star ist kein Beruf. Da war ich anders als heutzutage die gebotoxten Damen und Herren Influencer oder Z-Promis aus der Reality-Abteilung, die das für sich wünschen.
Die „Damen und Herren Influencer“ mögen Sie nicht so gern?
Anja Kruse: Ach, eigentlich sind sie mir egal. Die sollen machen, was sie wollen, und sich dafür von ihren Firmen bezahlen lassen. Das Problem ist, dass sie manchmal meinen, sie müssten sich auf eine Bühne oder vor eine Kamera stellen, denn damit nehmen sie Leuten, die das gelernt haben und davon leben müssen, den Beruf und das Einkommen weg. Das finde ich nicht in Ordnung. Ohne Ausbildung haben sie da nichts verloren.

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Anja Kruse und Sascha Hehn / Die Schwarzwaldklinik / Set, Drehort / 1986 AUFNAHMEDATUM GESCHÄTZT
Vor fast genau 40 Jahren haben Sie in der legendären „Schwarzwaldklinik“ TV-Geschichte geschrieben. Sie waren Kindermädchen Claudia, die große Liebe von Dr. Udo Brinkmann (von Sascha Hehn gespielt). Damals hieß es – und das hört man heute noch – dass Sie auch privat ein Paar waren…
Anja Kruse: Da muss ich alle, die das heute noch glauben, enttäuschen. Zwischen uns herrschte privat überhaupt keine innige Freundschaft. Im Gegenteil, wir sind uns nach dem Dreh so oft wie es ging aus dem Weg gegangen. Zwischen uns war privat weniger als nichts. Ich gebe zu, dass mich dieses Gerücht sehr genervt hatte, vor allem auch, weil es mich privat sogar eine richtige Beziehung gekostet hatte. Andererseits war es schon unglaublich, wie sehr die Chemie vor der Kamera zwischen uns gestimmt hat. Jeder Moment vor der Kamera war wirklich echt – so etwas gibt es. Magic!
Im Kino hatten Sie zuletzt großen Erfolg mit dem internationalen Film „A Rose in Winter“, in dem es um die Ordensschwester und Philosophin Edith Stein geht, die in Auschwitz ermordet wurde. Gibt's bald einen neuen Film mit Ihnen?
Anja Kruse: Zurzeit leider nicht. Ich habe in den letzten Jahren zu viel Theater gespielt, da hatte ich keine Zeit für einen Film.
Anja Kruse kämpft gegen Altersarmut bei Schauspielerinnen und Schauspielern
Anja Kruse (geboren am 5. August 1956 in Essen) studierte von 1976 bis 1979 an der Folkwang-Schule Essen. Sie wirkte seitdem in über 100 Film- und TV-Produktionen mit. 1979 sah man sie in ihrem ersten Film im TV in „Der Maulkorb“ (mit Willy Millowitsch). 1981 dann der erste Kinofilm „Die weiße Rose“. 1984 spielte sie im Vierteiler „Die schöne Wilhelmine“ mit.
Serien-Hauptrollen u. a. in der „Schwarzwaldklinik“ und „Forsthaus Falkenau“. Von 1980 bis 1989 war sie in einer Beziehung mit Operettenstar Heinz Hellberg (80). Von 1995 bis 2008 war sie mit Regisseur Jean-Louis Daniel verheiratet, 2004 bis 2010 war sie mit dem österreichischen TV-Produzenten Norbert Blecha liiert. Kruse ist Schirmherrin der „IVQS Stiftung – gegen Altersarmut bei Schauspielern“. Sie ist Buddhistin und Anhängerin der religiösen Bewegung Soka Gakkai. Sie lebt in Salzburg.

