Norbert Rier, Sänger und Frontmann der Kastelruther Spatzen hat über seine gesundheitlichen Rückschläge und das Leben in der bäuerlichen Idylle gesprochen.
Schlaganfall, Herz-OPJetzt spricht Volksmusik-Frontmann über seinen Zustand

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Norbert Rier in Tracht bei einem Auftritt in der ARD-Unterhaltungsshow „Immer wieder sonntags“ im August 2025. Jetzt kämpft er sich wieder auf die Bühne zurück.
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Gesundheitlich gesehen war 2025 nicht das beste Jahr für Norbert Rier (65). Der Frontmann der Kult-Band Kastelruther Spatzen erlitt im Sommer einen leichten Schlaganfall, musste sich im Herbst erneut einer Herz-OP unterziehen, sodass er kaum Zeit hatte, das neue „Spatzen“-Album „DolomitenSchatz“ vorzustellen.
Zudem musste er sich auf der Weihnachtstournee durch Sohn Alexander (40) vertreten lassen. Jetzt gehts wieder aufwärts. Er ist in Reha, sammelt Kräfte für die kommende Tournee, die ihn 2027 auch ins Rheinland führt.
Norbert Rier beruhigt Fans der Kastelruther Spatzen
Ihre Familie, Ihre Freunde und Fans waren in großer Sorge um Sie. Wie geht es Ihnen jetzt?
Norbert Rier: Es geht mir den Umständen entsprechend gut, die Familie und die Stimmung in der Weihnachtszeit haben mir da sehr geholfen. Ich denke, ich bin bald wieder auf den Beinen und ganz der Alte. Ich muss und werde dann aber mehr auf mich aufpassen und mich nicht zu sehr stressen oder stressen lassen. Und die Reha wird mir guttun.
Im Herbst waren Sie im Krankenhaus, weil eine Herzklappe ausgetauscht werden musste. Wie kam es dazu?
Norbert Rier: Das war zu erwarten. Ich bin vor acht Jahren am Herzen operiert worden, damals wurde mir erklärt, dass eine Herzklappe nicht ewig hält. Außerdem hatte ich einen leichten Schlaganfall. Das alles lag auch an meinen Lebensumständen: Ich bin ja nicht nur Musiker, sondern habe auch unseren großen Bauernhof und meine Haflinger-Pferde. Da gibt es immer Arbeit, die körperlich mal schwerer und mal leichter ist. Und ich bin ja auch nicht mehr der Jüngste.
Wie wird es mit Ihnen und den Spatzen weitergehen?
Norbert Rier: Wenn alles nach Plan läuft, bin ich beim Start der neuen Tour „DolomitenSchatz“ im Februar dabei. Und am 20. Mai 2027 sehen wir uns dann damit in der Bonner Beethovenhalle.
„DolomitenSchatz“ heißt auch Ihr Album, dessen Veröffentlichung mit Ihrer Krankheit zusammengefallen ist. Worum geht es da?
Norbert Rier: Natürlich wieder um die Schönheit und das Leben in unsere Heimat, die wunderschöne Bergwelt und unsere Traditionen. Damit wollen wir die Leute positiv stimmen, sie vom Alltagsstress und den Alltagssorgen wegholen.
Sie besingen das schöne Tirol, die Schönheiten der Natur, das Karge, die Einsamkeit. Doch man hört oft, dass es das alles gar nicht mehr gibt, inzwischen sei alles vermarktet und in Touristenhand. Kennen Sie selbst noch die Orte, die Sie besingen?
Norbert Rier: Ja, zum Glück gibt es die und kenne ich die noch. Einer davon ist zum Beispiel oben bei mir auf der Alm in über 2000 Metern Höhe. Da ist meine Welt noch in Ordnung – kein Hotel, kein Skilift, kaum Touristen, nur Ruhe und Natur. Aber es stimmt schon: Man muss oft länger suchen, um so etwas noch zu finden. Man darf nicht denken, dass das alles noch selbstverständlich ist.
Noch mal zum Album: Welcher Song davon ist Ihnen besonders ans Herz gewachsen?
Norbert Rier: Einen persönlichen Lieblingssong habe ich noch nicht. Zu meinen Favoriten zählt „Clochard“, ein Lied, das Mireille Mathieu mal gesungen hat. Es geht um einen Mann, der ganz oben war, plötzlich alles verloren hat und jetzt als Obdachloser auf der Straße lebt. Ein Schicksal, das heutzutage leider öfter zu beobachten ist.

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Mit den Kastelruther Spatzen wollte Frontmann Norbert Rier eigentlich touren, dann kamen gesundheitliche Tiefschläge 2025 dazwischen. Das Foto zeigt die Kastelruther Spatzen im August 2025 bei einem Auftritt in Stefan Mross' Sendung „Immer wieder sonntags“.
Sie haben in über 40 „Kastelruther Spatzen“-Jahren um die 500 Lieder aufgenommen. Wie entstehen die eigentlich?
Norbert Rier: Wir bekommen viele Lieder zugeschickt. Die hören wir uns gemeinsam an, und dann entscheiden wir, was wir machen. Wichtig ist, dass die Musik nicht zu eintönig klingt und die Themen sich nicht wiederholen. Außerdem ist Albin Gross, unser Akkordeon-Spieler und Manager, bei jeder Produktion mit mindestens ein, zwei Liedern vertreten.
Es geht bei den „Spatzen“ immer um volkstümliche Musik. Gab es auch mal eine Zeit, in der Sie davon träumten, Rockstar zu werden?
Norbert Rier: Das war nie mein Traum. Für mich war unsere Musik immer das Größte.
Wenn man Ihnen als junger Mann gesagt hätte, dass Sie Ihr Leben lang dabei bleiben werden – hätten Sie das geglaubt?
Norbert Rier: Nein, keiner von uns. Wir haben auch nie gesagt, dass wir da was erreichen müssen, sondern alles auf uns zukommen lassen. Aber natürlich haben wir immer versucht, alles professionell und richtig zu machen.
Norbert Rier über das Geheimnis seiner jahrzehntelangen Liebe
Die Zeiten haben sich geändert. Früher waren Volksmusik oder volkstümliche Schlager viel erfolgreicher als heute. Jetzt sind Sie Überlebende der einst so schönen Zeit …
Norbert Rier: Ja, das ganze Leben ist ein Wellengang. Es gibt Höhen und Tiefen. Mal läuft was hervorragend, so wie zu der Zeit, in der wir ständig im Fernsehen waren – es gab damals so viele Sendungen, das war fast schon übertrieben. Das hat sich geändert. Gott sei Dank gibt es noch einige private Radiosender, die uns gern spielen.
Sie sind schon lange dabei, Sie können es beurteilen: Ist das Showgeschäft ein Haifischbecken?
Norbert Rier: Wie der Name schon sagt: Im Showgeschäft ist vieles Show, da wird vieles vorgespielt. Trotzdem: Wenn ich jetzt aufhören müsste, würde mir schon was fehlen. Die Show und das Geschäft sind Teile meines Lebens geworden.
Gibt es Freundschaften in dem Geschäft?
Norbert Rier: Richtige Freundschaften sind nicht nur im Showgeschäft, sondern immer und überall sehr selten. Ein Freund ist was besonders Gutes, und gute Freunde lernt man erst richtig kennen, wenn es einem schlecht geht. Aber auf jeden Fall gibt es gute Kollegen.
Sie sind seit über 40 Jahren mit ihrer Isabella zusammen – ist es gut für eine Beziehung, wenn man sich nicht jeden Tag sieht?
Norbert Rier: Das Private wird durch so ein Leben schon mal auf die Probe gestellt. Natürlich haben wir in jungen Jahren, als die Kinder noch klein waren, auf vieles verzichten müssen. Die Familie hat vieles zurückstecken müssen. Aber Isabella und ich haben immer zusammengehalten. Wichtig waren und sind gegenseitiges Vertrauen und Toleranz.

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Mit Ehefrau Isabella ist Norbert Rier seit 1983 verheiratet, das Paar hat vier erwachsene Kinder.
Die Kinder waren die Leidtragenden?
Norbert Rier: Ja. Ich war als Vater für sie oft nicht zu sprechen, weil ich nicht zu Hause war. Andere Väter haben mit ihren Kindern gemeinsame Ausflüge gemacht oder Schulfeste besucht – das kam bei uns nicht oft vor, weil ich immer mit der Band unterwegs war. Wir würden heute sicher das eine oder andere nicht mehr so machen, wie wir es getan haben. Aber wir haben alles, was wir gemacht haben, zu dem jeweiligen Zeitpunkt für richtig empfunden.
Jetzt, nach so langer Zeit – ist der Job für Sie schwerer geworden?
Norbert Rier: Leichter auf jeden Fall nicht. Natürlich werden die Leute immer verwöhnter. Wir haben von Anfang an Wert draufgelegt, live zu spielen und zu singen, und da muss man schon aufpassen, dass es immer noch klangmäßig passt. Auch auf der Bühne passiert mehr als früher, und da wollen wir zeitgemäß bleiben. Aber wir achten auch drauf, dass es nicht übertrieben, nicht überkandidelt wirkt.
Wie lange möchten Sie das noch machen?
Norbert Rier: Schaun' ma mal! Je älter wir werden, desto öfter sagen wir uns: Genieße den Augenblick und sei dankbar für alles, was du erreicht und erlebt hast. Natürlich hoffen wir, dass die Leute Freude an der Sache haben. Wichtig ist aber auch, dass wir weiter mit unseren Herzen voll hinter der Sache stehen. Solange wir es gesundheitlich schaffen und Spaß an der Sache haben, geht's weiter. Noch brennt das Feuer!
Auf dem Gipfel des Erfolges: die Kastelruther Spatzen
Norbert Rier (geboren am 14. April 1960 in Kastelruth, Südtirol) ist Landwirt, züchtet Haflinger-Pferde. Bekannt wurde er als Frontmann der Südtiroler Kult-Band Kastelruther Spatzen. Seit 1983 ist er mit Isabella verheiratet, die beiden haben die vier Kinder: Marion, Anna, Andreas und Alexander. Er hat mit allen Kindern Lieder aufgenommen.
Die Kastelruther Spatzen wurden 1975 gegründet. Als offizielles Gründungsjahr gilt aber 1983. In dem Jahr erschien nämlich ihre erste Schallplatte „Viel Spaß und Freude“. Erster – und bis heute einer der erfolgreichsten Songs: „Das Mädchen mit den erloschenen Augen“. Die „Spatzen“ haben über 15 Millionen Tonträger verkauft. Aktuelles Album ist „DolomitenSchatz“. Sie treten am 20. Mai 2027 in der Beethovenhalle Bonn auf.

