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Premiere nach über 80 JahrenAuthentischer Kriegsfilm schrieb Oscar-Geschichte und läuft heute im Free-TV

Bereitet sich auf die Bombenentschärfung vor: Sergeant Matt Thompson (Guy Pearce). (Bild: ZDF/Jonathan Olley)

Bereitet sich auf die Bombenentschärfung vor: Sergeant Matt Thompson (Guy Pearce). (Bild: ZDF/Jonathan Olley)

Ein Bombentrupp riskiert im Irak Kopf und Kragen. Kathryn Bigelows „Tödliches Kommando“ ist ein handwerklich großartiger Film mit einer etwas platten Botschaft. Und ein Film, der Oscar-Geschichte schrieb.

Kathryn Bigelow (“K-19“, „Gefährliche Brandung“) galt in der von Männern dominierten Szene der Actionregisseure schon zuvor als anerkannte Hochspannungsmeisterin. Mit „Tödliches Kommando“ (2008) lieferte sie aber ihren persönlichen Meisterstreich ab: In ihrem nervenaufreibend spannenden Film porträtiert sie die gefährliche Arbeit eines Bomben-Entschärfungsteams und zeichnet ein schonungslos realistisches Bild der Lage.

Dass sie sich von ärgerlichem Kriegspathos nicht ganz frei machen konnte, stößt Nicht-Amerikanern sicher auf. Die Oscar-Academy hatte diesbezüglich keine Einwände: Bigelow erhielt für „Tödliches Kommando“ den Oscar für die beste Regie. Damals eine echte Premiere nach über 80 Jahren: Noch nie zuvor in der Geschichte der Oscar-Verleihung war eine Filmemacherin in dieser Kategorie ausgezeichnet worden.

Darum geht es in „Tödliches Kommando“

Hitzkopf: Sergeant James (Jeremy Renner) ist bei seinen Kameraden umstritten.  (Bild: ZDF/Jonathan Olley)

Hitzkopf: Sergeant James (Jeremy Renner) ist bei seinen Kameraden umstritten. (Bild: ZDF/Jonathan Olley)

Der Tod lauert unter Plastikplanen, verborgen unter rostigen Motorhauben oder eingegraben in den Wüstensand der Straßenpisten: Das Team rund um Sergeant Sanborn (Anthony Mackie) und Specialist Eldridge (Brian Geraghty) riskiert bei einem der härtesten Kommando-Unternehmen im Zweistromland in jeder Sekunde ihr Leben. Sobald die Männer an einen verdächtigen Schauplatz gerufen werden, müssen sie im Wettkampf gegen die Uhr versteckte Bomben entschärfen und Sprengfallen enttarnen - lediglich geschützt durch ein schwach gepanzertes Militärfahrzeug und gelegentlich dick eingepackt in einen monströsen Splitterschutzanzug.

Als wäre der Job nicht nervenaufreibend genug, muss sich die kleine Truppe auch noch auf einen deutlich ruppigeren Arbeitsstil einstellen. Ihr neuer Vorgesetzter, Staff Sergeant William James (Jeremy Renner), ist ein undurchsichtiger Hitzkopf. Bereits in Afghanistan hat er sich einen Namen als eiskalter Profi gemacht. Nur sein Führungsstil lässt viel zu wünschen übrig. Ohne Rücksicht auf Verluste stachelt er seine Männer zu Himmelfahrtskommandos an und nimmt selbst auf seine eigenen Überlebenschancen keine Rücksicht.

Nächtlicher Alarm: Das Sprengstoffteam muss einen verdächtigen Tatort untersuchen. (Bild: ZDF/Jonathan Olley)

Nächtlicher Alarm: Das Sprengstoffteam muss einen verdächtigen Tatort untersuchen. (Bild: ZDF/Jonathan Olley)

Schon bei ihrem ersten gemeinsamen Einsatz merken die Jungs, aus welcher Richtung der Wind jetzt weht: Frustriert über die mörderische Hitze unter seinem Schutzhelm, lässt James auf einer hochbrisanten Mission das lebensrettende Utensil kurz entschlossen zurück und marschiert schnurstracks auf die Sprengfalle zu. 38 Tage müssen die Männer noch überleben, dann geht es zurück in die Heimat. Unter ihrem neuen Boss wächst die Gefahr, in einem Leichensack heimzureisen, mit jeder neuen Mission.

Bigelows Film begeistert durch seine Authentizität

Der Realismus des Films begeistert: Für ihren schnörkellos inszenierten Irakkriegsfilm konnte Bigelow auf gerade erst von den Militärbehörden freigegebenes Material des Irak-Berichterstatters Mark Boals zurückgreifen, der auch am Drehbuch mitwirkte. Der nahezu ungefilterte Blick auf den trostlosen, völlig verfahrenen Besatzungsalltag tut dem Film gut und hebt ihn von deutlich platteren Heldenfilmen ab.

Dies wird auch durch die exzellente Kameraarbeit von Barry Ackroyd unterstrichen, der seine HD-Handkamera meist auf Augenhöhe der Soldaten in dunkle Hauseingänge, auf unübersichtliche Dachlandschaften oder den in den Straßen wirbelnden Plastikmüll zoomen lässt. Dadurch verstärkt sich der hohe Grat an Nervosität, der die Anspannung der GIs realistisch einfängt. Überall könnten Attentäter lauern.

Trotzdem lässt auch Bigelows Film viele Fragen offen. Allzu männerbündlerisch-kraftstrotzend dürfen sich die Elite-Soldaten nach gelungener Mission in ihren jämmerlichen Baracken besaufen und prügeln. Und als Sergeant James endlich nach Hause fliegt, wird mit wenigen Strichen skizziert, wie unwohl er sich in seiner für ihn deutlich bedrohlicheren Rolle als junger Familienvater fühlt. Also drängt es ihn - und den Film - schnurstracks zurück an die Front. In einer pathetischen Schlussaufnahme steckt er schon wieder im Schutzanzug und stapft heroisch der nächsten Sprengfalle entgegen. Ein Bild, das einen schalen Nachgeschmack hinterlässt. (tsch)

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