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„Der Traum ist das schnelle Geld“Als Precht hart über die junge Generation urteilt, wird es Lanz zu bunt

In ihrer neuen Podcast-Folge widmeten sich Richard David Precht (links) und Markus Lanz unter anderem womöglich bald auftretenden sozialen Problemen. (Bild: ZDF / Christian Bruch)

In ihrer neuen Podcast-Folge widmeten sich Richard David Precht (links) und Markus Lanz unter anderem womöglich bald auftretenden sozialen Problemen. (Bild: ZDF / Christian Bruch)

Zwischen Bürgerkriegsangst, „Dummensteuer“ und dem Liebesleben von Mambas: In der neuen Podcast-Folge von Markus Lanz und Richard David Precht ging es inhaltlich mitunter wild zu. Ganz und gar nicht einig waren sich die Gastgeber, als es um die junge Generation ging.

Eine Diskussion über die Chancen von Pfauen-Männchen „bei den Mädels“, das Liebesleben von Mambas und die sozialen Signale von Hirschkühen würde man wahrlich nicht bei „Lanz & Precht“ verorten. Warum sich die Podcast-Hosts in ihrer jüngsten Folge ziemlich lange in der Evolutionsgeschichte verhedderten, wussten sie am Ende wohl selbst nicht genau. Denn bevor Markus Lanz seinen Gesprächspartner augenzwinkernd als „den Biologen meines Herzens“ umschmeichelte, hatte sich das Duo weit weniger romantisierend der Wahrscheinlichkeit eines Bürgerkriegs gewidmet.

Lanz bekannte in diesem Zusammenhang, ihm würde es beim Blick in die USA „kalt den Rücken runtergehen“: „Wenn du diesen übergriffigen Staat siehst, wenn du siehst, wie immer mehr vermummte und bis an die Zähne bewaffnete Menschen auf den Straßen unterwegs sind, [...] dann kann man sich das vorstellen.“ Eine unmittelbare Gefahr einer gewaltvollen Revolution hierzulande wollte der ZDF-Moderator zwar nicht herbeireden. Sehr wohl stellte Lanz aber fest, aufgrund des nicht länger geltendes „Wohlstandversprechens“ würde man innerhalb der Gesellschaft plötzlich wieder über soziale Klassen sprechen.

Precht sorgt sich wegen gesellschaftlichem Trend mit „riesigem revolutionären Potenzial“

Bei der Deutung des Selbstverständnisses der jungen Generation waren sich Richard David Precht (links) und Markus Lanz nicht einig. (Bild: ZDF / Christian Bruch)

Bei der Deutung des Selbstverständnisses der jungen Generation waren sich Richard David Precht (links) und Markus Lanz nicht einig. (Bild: ZDF / Christian Bruch)

Auch Richard David Precht sah die nivellierte Mittelstandsgesellschaft, die über Jahrzehnte hinweg bestanden hatte, auf dem absteigenden Ast. „Dieses Wohlstandversprechen ist weg und die Zwiebel wird langsam aber sicher zusammengedrückt und am Ende könnte auch hier wieder eine Sanduhr stehen“, blickte der 61-Jährige mit Sorge auf ein womöglich baldiges Gesellschaftsmodell - samt „riesigem revolutionären Potenzial“. Der in Prechts Augen „Träger der Gesellschaft“, die Mittelschicht, werde dagegen immer kleiner, befürchtete er.

Grund dafür sei auch, dass „die Leute heute nicht mehr Leistung, sondern Erfolg“ bewundern, machte der Buchautor die Ursache für den Missstand auch bei der jungen Generation aus. „Der Traum ist das schnelle Geld, der Traum ist nicht dieser Aufbau einer Mittelschichtkarriere, dieses langsame und zähe, ja geduldige sich hocharbeiten“, deutete Precht die Motivation junger Menschen - befeuert durch „diese ganze Instagramerei von unfassbarem Reichtum und Luxus und Exklusivität“.

Das ging Markus Lanz zu weit. „Viele von denen verabschieden sich mittlerweile von dieser künstlichen, verlogenen Social-Media-Welt“, sprang er für die junge Generation in die Bresche. Viele Angehörige dieser Kohorte würden das „durchschauen“, was Precht zuvor als „kapitalistische Verkaufsplattform“ beschrieben hatte. Außerdem gingen viele junge Leute „mit großer Ernsthaftigkeit ihrem Beruf nach“ und würden sich „Gedanken über die Gesellschaft“ machen, intervenierte Lanz entschieden.

Lanz bedauert: „Es lastet auf den Schultern dieser jungen Leute ein unfassbares Gewicht“

Daraufhin ruderte Richard David Precht ein Stück weit zurück: „Ich habe überhaupt keinen Stab über die junge Generation gebrochen, sondern ich habe gesagt, ihre Hintergrundfolie ist eine andere.“ Es sei schließlich „menschlich, glücklich sein zu wollen“. Nur treffe dieser Wunsch bei der jungen Generation auf ebenjene, neue Hintergrundfolie: „Der Kapitalismus ist in allen Nischen unseres Lebens und Zusammenlebens eingewandert. Überall fragen wir uns, wie erwirtschafte ich ein Optimum?“ Daran habe die junge Generation jedoch „keine Schuld“, ordnete Precht ein.

Dennoch kam Markus Lanz gegen Ende des Podcasts nicht umhin zu fragen: „Warum ist Deutschland so ungleich? Warum ist Deutschland so unfair?“ Sein Gesprächspartner sah eine Ursache davon in der „Dummensteuer“ für Erben: „Wenn man sich geschickt anstellt, muss man die nicht zahlen.“ Weil Einkommen dagegen vergleichsweise hoch besteuert würde, erzeuge das „immer weiter auseinanderdriftende Vermögen“.

Lanz warf derweil ein, im Gespräch mit jungen Leuten herausgehört zu haben, dass diese viel mehr belaste als nur die Diskussion um die Erbschaftssteuer: „Es lastet auf den Schultern dieser jungen Leute ein unfassbares Gewicht, eine unglaubliche Verantwortung, der man eigentlich kaum noch gerecht werden kann.“ Trotz dieser nachdenklichen Bilanz und einer recht ergebnislosen Podcast-Folge zog Markus Lanz am Ende zufrieden Bilanz: „Viel gelernt heute, insbesondere was Pfauen angeht.“ Immerhin. (tsch)

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