Nacktfotos im Netz Schockierende Serie über Sex-Cybermobbing – die Realität ist noch schlimmer

Szene aus der neuen ARD-Serie „Nudes – nackt im Netz“. Drei Jugendliche werden heimlich gefilmt.

„Nudes – nackt im Netz“ läuft ab dem 17. August in der ARD. 

Die ARD-Serie „Nudes – nackt im Netz“ (ab 17. August ab 22.50 Uhr im Ersten, ab 18. August in der Mediathek) zeigt, was passiert, wenn intime Videos und freizügige Bilder in die Öffentlichkeit gelangen.

Köln. Sofias „erstes Mal“ wird heimlich gefilmt und ins Netz gestellt. Adas Nacktfotos geraten aus einem privaten Chat an Pädophile, die sie damit erpressen. Zwei Beispiele aus der ARD-Serie „Nudes – nackt im Netz“ (ab 17. August ab 22.50 Uhr im Ersten, ab 18. August in der Mediathek), die zeigen, was passiert, wenn intime Videos und freizügige Bilder von Teenagern in die Öffentlichkeit gelangen. Eindringlich gespielt, schlimm anzusehen. Doch die Realität kann noch viel grausamer sein...

„Früher hat man uns Kindern immer gesagt, dass wir nicht zu fremden Männern ins Auto steigen sollen. Heute lassen wir die bösen Männer direkt ins Kinderzimmer“, sagt Carolin Boldt (21). Die Studentin arbeitet seit drei Jahren ehrenamtlich als Scout für Juuuport, eine Online-Cybermobbing-Hilfe für junge Menschen – und staunt immer wieder, wie jung und naiv die Mädchen sind, die anonym um Hilfe bitten. „Da melden sich schon Zwölfjährige.“

Cybermobbing: Die Zahl der Opfer wird immer größer

Im Rahmen einer JIM-Medien-Studie haben 16 Prozent der Jugendlichen angegeben, dass schon einmal gegen ihren Willen Bilder und Videos gepostet wurde, Juuuport schätzt die Dunkelziffer noch viel höher ein. Gegenüber 2017 hat sich laut einer weiteren bundesweiten Studie die Gesamtzahl der Opfer um 36 Prozent gesteigert.  

Drei Jugendliche trinken Alkohol und filmen sich dabei mit dem Handy.

Party, Alkohol, ausgelassene Stimmung: Die Cybermobbing-Hilfe Juuuport.de rät, sich bei jedem Post die Frage zu stellen: Möchte ich, dass dieses Foto auch in fünf Jahren noch im Netz von mir gefunden werden kann?

Was macht es mit einem Teenager, wenn er von der ersten großen Liebe verraten wird, wenn der Ex die Sex-Selfies aus Rache in den Klassenchat stellt? Wie verkraftet es ein Mädchen, oft „schüchtern und introvertiert“, so Boldt, wenn der Traumtyp im Netz sich als Pädophiler entpuppt, der mit Fakefotos und falschem Alter das Herz erobert hatte – und plötzlich zum fiesen Erpresser wird?

Und genau das passiert immer häufiger, dafür gibt es mittlerweile sogar einen Fachbegriff: „Sextortion“, zusammengesetzt aus den Worten „Sex“ und „Extortion“ (Erpressung). Mit der Androhung „Nudes“ – also Nackfotos – ins Netz zu stellen, werden immer grässlichere Handlungen, Fotos, Videos eingefordert.  

Cybermobbing: Oben-ohne-Bilder im Netz

Scham, Verzweiflung und das Gefühl, „selbst schuld zu sein, weil man die Fotos schließlich zugelassen habe“, sorgen dafür, dass jede/r vierte Betroffene schon mal an Selbstmord denkt. Wie die Siebtklässlerin Amanda Todd. Vor knapp zehn Jahren ging ihr Beispiel als eines der ersten im Bereich Sextortion um die Welt.

Ein fremder Chatpartner hatte sie zu einem Oben-Ohne-Videochat überredet und das Video heimlich gespeichert. Damit erpresste er die Zwölfjährige und stellte den Film ins Netz. Amanda wurde von Mitschülern dermaßen gemobbt,  dass ihre Familie mehrfach umziehen musste. Doch immer wieder tauchten die Fotos auf, und Amanda wurde von den neuen Mitschülern gehänselt. Schwerst depressiv nahm sie sich das Leben.

Cybermobbing treibt Teenager in den Suizid 

Auch Rehtaeh Parsons (15) aus Kanada sah als einzigen Ausweg nur noch den Tod. Sie hatte sich auf einer Party betrunken, wurde von mehreren Jungen vergewaltigt und dabei gefilmt. Innerhalb von drei Tagen hatte jeder an Rehtaehs Schule und in ihrer Heimatstadt die Bilder gesehen. Das Mädchen wurde als „Schlampe“ beschimpft und bekam regelmäßig Nachrichten, in denen wildfremde Menschen mit ihr Sex haben wollten.

„Wir bestärken die jungen Menschen darin, sich ans persönliche Umfeld, an Familie, Freunde aber auch an die Polizei zu wenden“, erklärt Boldt. „Denn hier handelt es sich um das Recht am eigenen Bild. Wer dagegen verstößt, macht sich strafbar.“

Aber auch die andere Seite, die des Täters, wird im Film thematisiert. Viktor (18) hat eine Minderjährige ohne ihr Wissen beim Sex gefilmt und muss sich nun der Strafverfolgung stellen, nachdem er den Film online gestellt hatte.

Miniserie über Cybermobbing soll Augen öffnen

Die zehnteilige Miniserie soll Jugendliche und Eltern wachrütteln. Was muss sich ändern, um die Taten einzudämmen? Die Experten von Juuuport.de sagen: „Wir brauchen mehr Sicherheit im Netz. Betreiber der Online-Angebote müssen dafür sorgen, dass Kinder und Jugendliche besser geschützt sind.“ Bisher sei es nämlich so, dass die Profile bei bestimmten Media-Plattformen öffentlich und damit ungeschützt seien. Man müsse von sich aus die Privatspähre-Einstellungen durchgehen. Doch da denkt leider längst nicht jeder Jugendliche dran.

Ein Junge und ein Mädchen liegen mit nackten Oberkörpern im Bett und kuscheln.

Lena Reinhardtsen spielt in der Serie „Nudes“ die 16-jährige Sofia, die auf einer Party das erste Mal Sex hat – und dabei heimlich gefilmt wird.

Die Cybermobbing-Hilfe rät zu zwei Fragen, die junge Menschen sich immer stellen sollten, bevor sie was posten oder an dritte weiterleiten: „Was würde ich einem Fremden auf der Straße erzählen?“ Und: „Möchte ich, dass dieses Foto auch in fünf Jahren noch im Netz gefunden werden kann?“

„Sextortion“: Schmutzige Masche kann jeden treffen

Über eine halbe Million Sextortion-Angriffsversuche, also Fälle von digitaler sexueller Erpressung, verzeichnet Avast, ein weltweit führender Anbieter von Lösungen für digitale Sicherheit und Privatsphäre, allein im Januar. Die meisten dieser Angriffe zielten auf englischsprachige Nutzer in Großbritannien und den Vereinigten Staaten ab. Aber auch 12400 Angriffe wurden in Deutschland blockiert, 8700 in der Schweiz und 2100 in Österreich.

Sextortion verläuft nach dem folgenden Schema: Eine E-Mail wird verschickt, in der die Betrüger behaupten, den Nutzer während intimer, sexueller Momente aufgenommen zu haben. Gleichzeitig drohen sie damit, diese Aufnahmen zu veröffentlichen, wenn der Betroffene kein Lösegeld zahlt.

Durch die Covid-19-Pandemie rechnen die Cyberkriminellen mit höheren Erfolgschancen, da die Menschen insgesamt mehr Zeit auf Zoom und vor ihrem Computer verbringen“, sagt Marek Beno, Malware-Analyst bei Avast. „So beängstigend solche E-Mails auch sein mögen, wir raten Nutzern dringend dazu, ruhig zu bleiben, wenn sie eine solche Nachricht in ihrem Posteingang finden – und sie zu ignorieren.“

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