Egal ob großes oder kleines Krankenhaus: Der Alltag ist oft stressig und geprägt von Personalmangel. Welche zusätzlichen Schwierigkeiten ländliche Kliniken meistern müssen, zeigt eine neue ZDF-Reportage.
Notarzt warnt in ZDF-Doku, dass Patienten auf dem Land „schlechtere Karten“ haben

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Das Team der Landklinik Wriezen muss auf dem ostdeutschen Land einige Herausforderungen meistern. (Bild: ZDF/Andreas Pein)

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Kai Wilke ist Oberarzt in der Orthopädie und Unfallchirurg. Zusätzlich fährt er Notarzteinsätze. Die langen Anfahrtswege auf dem Land können im Notfall zum Problem werden, weiß er. (Bild: ZDF/Nadja Kölling)
Notarzt Kai Wilke (42) springt im Dunkeln aus dem Rettungswagen. Er wurde zu einem krampfenden Mann gerufen und übernimmt sofort von der bereits eingetroffenen Sanitäterin und ihrem Kollegen. Ganze 20 Minuten hat der Arzt von der Landklinik Wriezen im Osten Brandenburgs bis hierher gebraucht. Lange Wege, die auf dem Land nicht ungewöhnlich sind.
In Situationen wie diesen, wenn jede Sekunde zählt, kann das entscheidender Nachteil sein: „Im Vergleich zu Großstädten sind die Krankheitsbilder die gleichen, nur, dass wir mitunter schlechtere Karten haben, weil wir einfach länger brauchen, bis wir hier sind“, erklärt Wilke in „37°: Die Landklinik - Retter in der Provinz“. Die erste Folge der zweiteiligen ZDF-Reportage zeigt nicht nur die Herausforderungen des ländlichen Krankenhauses, sondern vor allem die Menschen, die sie tagtäglich meistern.
Krankenhausreform setzt ländliche Kliniken unter Druck

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Katja Thielemann muss als Geschäftführerin eines Verbundes von drei Kliniken die Krankenhausreform umsetzen. (Bild: ZDF/Nadja Kölling)
Die Klinik in Wriezen ist mit ihren 133 Betten, drei Fachabteilungen, einer Intensivstation und einer Notaufnahme eines von drei Häusern, die für die Versorgung der etwa 200.000 Menschen im Landkreis Märkisch-Oderland verantwortlich sind. Hier wird vor allem medizinische Grundversorgung geleistet. Bei komplexeren Fällen werden die Patientinnen und Patienten in größere Kliniken mit mehr Personal und mehr Technik verlegt. Trotzdem verlangt die Krankenhausreform auch hier mehr Spezialisierung. Geschäftsführerin Katja Thielemann fragt sich deshalb, ob ihre Standorte „noch zukunftsfähig“ sind.

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Die Landklinik Wriezen ist klein: 133 Betten, drei Fachabteilungen, eine Intensivstation und eine Notaufnahme gibt es hier. (Bild: ZDF/Andreas Pein)
Denn wie in so vielen Häusern hat auch Wriezen mit steigenden Kosten und sinkenden Einnahmen zu kämpfen. Das Problem wird durch die beschlossene Reform besonders für ländliche Krankenhäuser verschärft. Thielemann erklärt den Zwiespalt zwischen medizinischem Anspruch und ökonomischer Realität und spricht von „ethisch-moralischen Verwerfungen“. Deshalb stehen sie und Chefarzt Georg Bauer, die die Umsetzung der Reform verantworten, unter Druck: „Der belastet einen auch“, gibt er zu.
Landklinik Wriezen hat „keine große Reserve“

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Janina Buhe ist Krankenschwester in Wriezen und schätzt die ländliche Umgebung. (Bild: ZDF/Andreas Pein)
Derweil geht der Alltag im Krankenhaus erst einmal normal weiter: Krankenschwester Janina Buhe tritt ihre Schicht in der Notaufnahme an, und Birgit Matthes, die Leiterin des Pflegeteams in der Anästhesie, begleitet einen Patienten in den OP. Sie mag das kleine Krankenhaus, kennt aber auch die Herausforderungen: „Sobald eine Kollegin krank ist, dann ist sofort eben halt so ein Engpass da. Also, es gibt keine große Reserve. Das bedeutet auch manchmal Verzicht auf einen freien Tag.“

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Meghana Kurapati macht in Wriezen ihre Facharztausbildung. Von abfälligen Bemerkungen lasse sie sich nicht beeindrucken, sagt sie in der ZDF-Reportage. (Bild: ZDF/Andreas Pein)
Indes kümmert sich das internationale Ärzte-Team um Patientinnen und Patienten. Anoop Puripati und Meghana Kurapati kamen aus Indien nach Deutschland, um hier ihre Facharztausbildung zu machen. Die beiden fühlen sich auf dem ostdeutschen Land wohl, und auch die Leute seien meist nett, erzählt Kurapati. Bei einigen Aussagen, wie „Warum sind Sie nicht in ihrer Heimat? Die brauchen auch Ärzte. Sie können zurückgehen“, sei sie allerdings „manchmal schon ein bisschen beleidigt“. Sie lasse sich davon aber nicht beeindrucken.
„Hier fährt zum Teil in den Dörfern ein Bus alle drei Tage, einmal am Tag“
Und auch für Wilke, der ein paarmal im Monat zusätzliche Schichten im Krankenwagen fährt, geht es mit der Arbeit als Oberarzt in der Orthopädie und als Unfallchirurg in Wriezen weiter. Das ZDF begleitet ihn bei einer Schicht in der Notaufnahme. Dabei kümmert er sich nicht nur um Notfälle. Denn auf dem Land, wo die Infrastruktur dünn ist und die Bevölkerung immer älter wird, ist die Notaufnahme manchmal die einzige erreichbare ärztliche Anlaufstelle für Patientinnen und Patienten.
„Hier fährt zum Teil in den Dörfern ein Bus alle drei Tage, einmal am Tag“, weiß Wilke um die schlechte Anbindung in der Region. Er hat trotz Mehrarbeit Verständnis: „Diese Patienten kommen ja nicht, um uns zu ärgern.“ Hinzu kommt, dass viele der älteren Menschen niemanden hätten, der sie nach einer Behandlung überwachen könne, „sodass wir natürlich großzügiger sind, sie im Krankenhaus zu überwachen“, erklärt der 42-Jährige - auch, wenn die Krankenkassen da ganz genau hinschauen. „Aber wenn man sich jetzt den Patienten hier im Zimmer anschaut, tut es einem eigentlich in der Seele leid, solche Leute nach Hause schicken zu müssen.“
„37°: Die Landklinik - Retter in der Provinz“ ist am Dienstag, 3. März, um 22.15 Uhr im ZDF und bereits jetzt in der Mediathek zu sehen. (tsch)

