„Markus Lanz“ ZDF-Moderator platzt der Kragen – „keine Märchen“

„Wir sollten uns jetzt nicht gegenseitig Märchen erzählen“, entgegnete Markus Lanz nach wenigen Sendeminuten.

„Wir sollten uns jetzt nicht gegenseitig Märchen erzählen“, entgegnete Markus Lanz nach wenigen Sendeminuten.

Der SPD-Bundesvorsitzende Lars Klingbeil wich den Nachfragen des Moderators immer wieder aus. Markus Lanz wirkte bereits nach wenigen Minuten genervt und polterte los.

Er sei der Mann mit dem „vielleicht härtesten Job in der SPD“: Mit diesen Worten moderierte Markus Lanz den SPD-Bundesvorsitzenden Lars Klingbeil in seiner ZDF-Talkshow am späten Dienstagabend an: Er allein, fuhr er fort, müsse derzeit „die vielen bösen Fragen“ beantworten. In der Sendung, in der auch der Hamburger CDU-Chef Christoph Ploß, die Politologin Margarete Klein und die „Welt“-Politikredakteurin Claudia Kade zu Gast waren, zahlte sich dieses Training nun aus.

Olaf Scholz habe der CNN ein sehr gutes Interview gegeben, lobte Lanz. Allerdings habe er trotz seiner guten Englischkenntnisse das Wort „Nordstream 2“ auf Deutsch ausgesprochen. Doch warum?

Markus Lanz: „Ich habe Joe Biden gehört“

„Ich bin nicht der Pressesprecher von Olaf Scholz“, entgegnete Klingbeil. „Haben Sie keinen Kontakt?“, hakte Lanz nach. „Doch, wir haben sehr viel Kontakt. Wir sprechen uns eng ab. Und das, was er klargemacht hat, ist, dass wir eng an der Seite der Amerikaner stehen.“

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Für den Fall, dass die territoriale Integrität der Ukraine angegriffen werde, sei man vorbereitet und abgestimmt: „Das ist gestern deutlich geworden, und das ist die wichtige Botschaft“. Lanz sah dies anders: „Also den Amerikanern ist offensichtlich vieles nicht so richtig deutlich geworden. Das war zumindest die Kommentierung hinterher.“ An dieser Stelle hakte nun Klingbeil ein: „Haben Sie Joe Biden gehört?“ Lanz antwortete: „Ich habe Joe Biden gehört. Er war sehr klar.“

Markus Lanz poltert: „Wir sollten uns jetzt nicht gegenseitig Märchen erzählen!“

„Er hat klargemacht, dass die Deutschen eng an der Seite der Amerikaner stehen, dass er dankbar ist für die enge Zusammenarbeit und das ist die Botschaft, die in Russland hoffentlich gehört wird“, entgegnete der SPD-Politiker. Doch der Moderator Markus Lanz ließ nicht locker: Er sprach von einem „Rumgeeier um das böse Wort ‚Nordstream 2‘“: „Hatten Sie das abgesprochen? Denn auch bei Ihnen fällt mir auf: ‚Nordstream 2‘ kommt nicht.“ Klingbeil lachte: „Ich kann gerne ‚Nordstream 2‘ sagen. Wenn Sie das jetzt erfreut, dann sage ich das auch drei- oder viermal.“

Der Moderator wollte jedoch auf etwas anderes hinaus: „Würden Sie auch den Satz sagen: Wenn Russland in die Ukraine einmarschiert, dann fließt durch Nordstream 2 kein Gas?“ Klingbeil konterte nüchtern: „Wir können Wladimir Putin auch alles sagen, was wir vorhaben. Wir können ihm alles vorlegen, was wir vorhaben für den Fall, dass er einmarschiert. Wir können es völlig transparent machen und wir können uns ziemlich dumm in der Außenpolitik verhalten, aber ich bin dagegen, dass wir das tun.“

Nun witterte Lanz seine Chance: „Das heißt, Biden ist dumm?“ Auch diese Frage ließ Klingbeil unbeantwortet: „Das, was zählt, ist, dass deutlich geworden ist: Es gibt eine abgestimmte Strategie, alle Optionen liegen auf dem Tisch, Olaf Scholz hat klar gesagt: ‚Nichts ist ausgeschlossen.‘“ Das wesentliche Ziel sei es, einen Krieg in der Mitte Europas zu verhindern. Außerdem habe er eine feste Überzeugung: „Dass es nicht sinnvoll ist, dass wir Putin in unsere Karten gucken lassen. Er lässt uns auch nicht in die Karten gucken!“ Nun begannen Lanz und Klingbeil sich gegenseitig ins Wort zu fallen. Kaum ein Satz konnte zu Ende geführt werden, bis Lanz sichtlich genervt einwarf: „Wir sollten uns jetzt nicht gegenseitig Märchen erzählen.“

Markus Lanz: „Das kriegen wir nicht geklärt. Ich gebe auf“

Klingbeil wiederum beantwortete viele Fragen zunehmend mit Gegenfragen: „Was kann man denn an dem Satz, dass alle Optionen auf dem Tisch liegen, nicht verstehen?“ Sobald die Russen reagieren, werde es abgestimmte Sanktionen vonseiten Europas und den USA geben. Oder auch: „Wo stiftet die SPD ein Wirrwarr? Erklären Sie mir: Wo ist die SPD nicht klar?“

Nun war es Lanz, der zunehmend „herumeierte“: Wieder und wieder stellte er ähnliche Fragen, ohne die erwünschte Antwort zu bekommen. Als schließlich auch noch der Hamburger CDU-Landesvorsitzenden Christoph Ploß Lanz zur Seite sprang und Beispiele für die Zerrissenheit der SPD nannte, riss Klingbeil dann doch der Geduldsfaden: „Das tun wir jetzt mal als krampfhaften Versuch ab, sich in der Opposition irgendwie zurechtzufinden. Das ist mir zu albern.“

Nach 45 Minuten erkannte schließlich selbst Lanz seine Niederlage an: „Wir drehen uns im Kreis“, bemerkte er. Auf seine erneute Nachfrage, was denn nun genau auf dem Tisch läge, stimmte Klingbeil ihm zu: „Das kriegen wir nicht geklärt. Ich gebe auf.“ (tsch)

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