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„Lifestyle-Teilzeit“ bringt Klamroths CDU-Gast in Not„Hätte das Wort niemals benutzt“

Louis Klamroth (Mitte) diskutierte mit seinen Gästen zum Thema: „Kein Aufschwung, Jobs in Gefahr: Wer muss jetzt mehr leisten?“  (Bild: WDR / Dirk Borm)

Louis Klamroth (Mitte) diskutierte mit seinen Gästen zum Thema: „Kein Aufschwung, Jobs in Gefahr: Wer muss jetzt mehr leisten?“ (Bild: WDR / Dirk Borm)

Nach zweimonatiger Winterpause meldet sich Louis Klamroth ausgerechnet mit der Frage zurück: „Wer muss jetzt mehr leisten?“ Die Union will der „Lifestyle-Teilzeit“ an den Kragen, die SPD den Reichen. Doch: „Wo ist das ausgeklügelte Konzept für die Wirtschaftswende?“

So ganz hat Kevin Kühnert seine alte Rolle als SPD-Generalsekretär nicht abgelegt. „Ich versuche, den Parteipolitiker abzutrainieren“, meinte er am Montagabend in der Sendung „Hart aber fair“ bei Louis Klamroth, der nach einer langen Winterpause zum Thema „Kein Aufschwung, Jobs in Gefahr - wer muss jetzt mehr leisten?“ wieder am Start war. Für Kühnert war es sein zweiter Talkshow-Auftritt innerhalb von wenigen Tagen.

„Pauschal über ein Land mit 82 Millionen Menschen zu reden, führt immer zu einer ergebnislosen Diskussion“, schlitterte er bei der Kritik an der Union in bekannte Gefilde. Er bezog sich auf eine Rede von Bundeskanzler Merz, der der „Work-Life-Balance“ und zu hohen Krankschreibungen Schuld an der wirtschaftlichen Misere gab. „Bei Lifestyle-Teilzeit haben wir viele verloren, bevor die Debatte losgeht“, kritisierte der heutige Abteilungsleiter beim Verein „Bürgerbewegung Finanzwende“ die Wortwahl des CDU-Wirtschaftsflügels.

„Ich hätte das Wort niemals benutzt und es ist falsch“, war eben diese dem neuen CDU-Ministerpräsidenten von Sachsen-Anhalt, Sven Schulze, sichtlich unangenehm. Die Politik habe sich nicht in solche Themen einzumischen, meinte er. Wie viel man arbeite, sei die individuelle Entscheidung jedes Einzelnen. Allerdings gehöre zur Stärkung der Wirtschaft auch mehr zu arbeiten. Entscheidend sei, dabei nicht nur einzelne Punkte zu diskutieren, sondern Konzepte und Ideen zu entwickeln.

Erzieherin: „Ich arbeite gerne Teilzeit, weil ich gesund arbeite“

Die Union habe schon im Wahlkampf vor einem Jahr mit einem „ausgeklügelten Konzept für die Wirtschaftswende“ geworben. „Wo ist dieses Konzept, das würde ich gerne mal sehen“, wollte Helene Bubrowski von „Table Media“ wissen. Von der „Kakophonie der CDU“ hält sie wenig: „Den Wahlkampf mit der allgemeinen Wählerbeschimpfung 'ihr seid alle faul' zu führen, ist taktisch und politisch nicht geschickt“, warnte sie in Bezug auf die bevorstehenden Wahlen.

In Sachsen-Anhalt etwa soll Schulze die AfD von der Macht fernhalten. Dafür brauche es konkrete Maßnahmen, aber auch ein anderes Narrativ - gab ihm Kühnert unaufgefordert „Wahlkampfberatung“ (O-Ton Klamroth): „Wir müssen anfangen die Geschichte zu erzählen von einem Land, in dem es Freude macht, dass wir gemeinsam nach vorne arbeiten.“

Wortmeldungen wie „Lifestyle-Freizeit“ sorgen fürs Gegenteil, wie Kindergartenpädagogin Sophie Brauer zeigte: „Ich arbeite gerne Teilzeit, weil ich gesund arbeite“, wehrte sie sich auf Social Media und in der Talkshow gegen den Begriff: „Man reduziert fünf Stunden, und es geht besser.“ Viele wollen Vollzeit arbeiten, doch dafür müssen sich die Rahmenbedingungen ändern.

Dem konnte die Erdinger Unternehmerin Johanna Kamm nur zustimmen. Die Teilzeitfrage könne man ruhig Unternehmen und Arbeitnehmenden überlassen, in Sachen Bürokratie und exorbitante Energiepreise drängte sie hingegen auf Entscheidungen: „Wir brauchen die Politik als Sparringpartner“, brachte sie es auf den Punkt, „wir brauchen keinen Endgegner in der Politik.“

Kai Viehof verzichtete Millionen-Erbe: „Weil ich schon genug hatte.“

„Pauschal über ein Land mit 82 Millionen Menschen zu reden, führt immer zu einer ergebnislosen Diskussion“, sagte Kevin Kühnert bei „Hart aber fair“. (Bild: WDR / Dirk Borm)

„Pauschal über ein Land mit 82 Millionen Menschen zu reden, führt immer zu einer ergebnislosen Diskussion“, sagte Kevin Kühnert bei „Hart aber fair“. (Bild: WDR / Dirk Borm)

Das gelte auch für die von der SPD ins Spiel gebrachte Erbschafts- und Vermögenssteuer. Mittelständische Unternehmen wie sie würde eine Änderung der aktuellen Regelung hart treffen, kritisierte Johanna Kamm, die gemeinsam mit ihrer Schwester Veronika den 100-jährigen Familienbetrieb Huber Technik GmbH & Co. KG übernommen hatte

Die vorgeschlagenen Ausnahmen für Betriebe im Wert von 5 Millionen Euro oder weniger seien „ausgewürfelt“ und „deutlich zu niedrig angesetzt“, kritisierte Johanna Kamm und forderte von der SPD einen höheren Betrag anzusetzen. Dass Reformbedarf herrsche, wollte aber auch sie nicht leugnen.

Tatsächlich wurden im Jahr 2024 deutschlandweit insgesamt rund 400 Milliarden Euro vererbt oder verschenkt, so die Schätzung. Nur 13 Milliarden Euro davon gingen als Schenkungssteuer an den Staat. „Sollten Erben gezwungen mehr abzugeben?“, wollte Louis Klamroth wissen.

„Definitiv“, kam Kai Viehof's Antwort wie aus der Pistole geschossen. Mit Mitte 30 schlug er Erbe im zwei- bis dreistelligen Millionenbereich aus und übertrug es in eine gemeinnützige Stiftung, „weil ich schon genug hatte, und weil ich aus der Logik rauswollte, aus viel Vermögen noch mehr werden zu lassen“.

„Wenn Sie mir Polemik vorwerfen, dann werfe ich Spitzzüngigkeit zurück“

Wofür er in der Sendung Applaus erntete, stieß bei Elektronik-Unternehmer David Zülow auf Unverständnis. Er sah Viehofs Agieren als „bestes Beispiel“ dafür, dass Menschen diese Entscheidung selbst treffen könnten und deshalb eine Erbschaftssteuer sinnlos sei. Auch weil sich zeige, dass „der Staat immer wieder das schlechtere Unternehmen“ sei.

Das wiederum konnte Viehof - selbst Steuerberater - nicht so stehen lassen: „Es wird so getan, dass Geld an den Staat in einem schwarzen Loch verschwinden“, lehnte er das ab: „Haben Sie sich die Schulen in Nordrhein-Westfalen angesehen, wie die vor sich hinrotten?“

„Danke“, kam dieser Einwurf Zülow nur gelegen. Genau bei Schulen, im Straßenbau oder bei den Krankenhäusern werde sehr viel Geld reingeworfen, ohne die Situation zu verbessern. „Köln ist das Paradebeispiel“, sagte er. „Mit über 20.000 Beschäftigten ist die Stadt Köln der größte Arbeitgeber, es ist aber nicht der Eindruck, dass sie die effizienteste Stadtverwaltung ist.“ Das Geld komme nicht dort an, wo es gebraucht werde - zu viele Menschen würden die Hand aufhalten.

„Zülow hat das Recht das so zu sehen“, meinte Kühnert in gekonnter Nonchalance. Man könne solche Aussagen aber auch als Polemik begreifen, kritisierte er dessen Aussagen. Dass Erben mehr begünstigt werden als Arbeitende, sei „zutiefst ungerecht“, führte er aus. Das konzentriere Vermögen und produziere Superreiche. Welche Auswirkungen das auf die Demokratie habe, könne man hierzulande und im Ausland sehen.

„Wenn Sie mir Polemik vorwerfen, dann werfe ich Spitzzüngigkeit zurück“, verteidigte sich Zülow, was Kühnert nur mit einem „fair Deal“ kommentierte. Statt einer Diskussion über „Reichtumsbekämpfung“ forderte der Familienunternehmer in zweiter Generation eine über Armutsbekämpfung.

„Das ist Teil der Armutsbekämpfung“, fiel ihm Viehof ins Wort und konnte Zülows Einsatz gegen die Erbschaftssteuer nicht nachvollziehen: „Ihr Unternehmen ist vergleichsweise klein. Sie verteidigen ein System, von dem Sie nicht einmal profitieren.“ (tsch)

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