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„John Sugar“ mit Colin FarrellDie absurdeste Qualitäts-Serie der Welt

Private Investigator Sugar (Colin Farrell) ermittelt wieder als Retro-Detektiv im Los Angeles von heute. Die Apple-Serie „John Sugar“ kehrt mit einer zweiten Staffel zurück. Das Entdecken des ungewöhnlichen Genres-Mixes mit hoher filmischer und erzählerischer Qualität lohnt sich. (Bild: Apple TV)

Copyright: Apple TV

Private Investigator Sugar (Colin Farrell) ermittelt wieder als Retro-Detektiv im Los Angeles von heute. Die Apple-Serie „John Sugar“ kehrt mit einer zweiten Staffel zurück. Das Entdecken des ungewöhnlichen Genres-Mixes mit hoher filmischer und erzählerischer Qualität lohnt sich. (Bild: Apple TV)

Diese Klasse-Serie flog bislang unter dem Radar: „John Sugar“ ist eine Alien-Detektiv-Geschichte aus dem heutigen Los Angeles, die vom Zauber und der Geschichte ihres Handlungsortes lebt. Im Mittelpunkt stehen alte Filme, die Einsamkeit des Lebens und der großartige Colin Farrell.

John Sugar (Colin Farrell) und seine mysteriöse Hotel-Bekanntschaft (Laura Donnelly) blicken zu den Sternen. Für John ist der Blick nicht nur ein romantischer Akt, sondern mit Gefühlen rund um Verlust und persönlichen Erinnerungen verknüpft. (Bild: Apple TV)

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John Sugar (Colin Farrell) und seine mysteriöse Hotel-Bekanntschaft (Laura Donnelly) blicken zu den Sternen. Für John ist der Blick nicht nur ein romantischer Akt, sondern mit Gefühlen rund um Verlust und persönlichen Erinnerungen verknüpft. (Bild: Apple TV)

Detektiv John Sugar (Colin Farrell) ist zurück im Maßanzug unter der Sonne von Los Angeles. Klingt gewöhnlich? Nun, die Serie „John Sugar“ bei Apple TV (Staffelstart am Freitag, 19.6.) ist alles andere als das. Staffel eins hinterließ vor ziemlich genau zwei Jahren Kritiker und Publikum mit offenem Mund. Nicht wenige staunten nicht schlecht ob des kühnen Genre-Mixes und der tollen filmischen Qualität der Serie. Andere fanden sie einfach nur albern oder sogar ärgerlich. Wie heißt es so schön: Die Kritik war gespalten. Doch worum geht es? Der Mann, der sich John Sugar nennt, ist ein zurückgelassenes Alien, dessen heimatlose Formwandler-Rasse den melancholischen Cineasten, Humanisten und Detektiv am Ende von Staffel eins auf der Erde zurücklässt - auf eigenen Wunsch. Sugar, der über unbegrenzte finanzielle Mittel zu verfügen scheint und in einem stylischen Hollywood-Retro-Hotel residiert, ist als „Private Eye“ Spezialist für Vermisstenfälle. Nachdem er in Staffel eins auf der Suche nach dem verschwundenen Spross einer Filmmogul-Familie war, wird nun der Bruder eines koreanischen Boxers (Jin Ha) vermisst. Jeden Freitag läuft eine neue Episode „John Sugar“ bis zum Staffelfinale am 7. August.

John Sugar (Colin Farrell, links) ermittelt in Staffel zwei der nach ihm benannten Serie wieder in einem Vermisstenfall: Der Bruder eines aufstrebenden Boxers (Jin Ha) aus der koreanischen Community von Los Angeles ist verschwunden - unter merkwürdigen Umständen.  (Bild: Apple TV)

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John Sugar (Colin Farrell, links) ermittelt in Staffel zwei der nach ihm benannten Serie wieder in einem Vermisstenfall: Der Bruder eines aufstrebenden Boxers (Jin Ha) aus der koreanischen Community von Los Angeles ist verschwunden - unter merkwürdigen Umständen. (Bild: Apple TV)

Dass Sugar ein die menschliche Rasse liebendes Alien ist, wurde erst am Ende von Staffel eins enthüllt und gilt als einer der spektakulärsten Plot-Twists der jüngeren Serien-Geschichte. Der Sci-Fi-Aspekt der in traumhaft schönen Bildern eingefangenen Melancho-Detektivserie hält sich jedoch stark in Grenzen. Eigentlich ist dieser „Mann“ nur ein empathischer Einzelgänger mit viel zärtlicher Liebe für geknechtete Menschen. Von denen gibt es in L.A., wo in etlichen Bezirken Gangs regieren und 40.000 Menschen wohnungslos sind, reichlich.

Als sich Sugar - neuerdings mit Assistentin (Sasha Calle) - auf die Suche nach dem verschwundenen Bruder (Raymond Lee) des Boxers macht, sticht er in ein Wespennest aus Lügen, Intrigen und Verschwörungen in der City of Angels. Dass es in der Film-Noir Hommage zwischen Whiskey-Glas und verbal verknappter Lebensphilosophie in der Hotelbar auch ein „love interest“ geben muss, versteht sich von selbst: Laura Donnelly spielt einen mysteriösen Hotel-Gast, und sie scheint kaum weniger außerirdisch als der Detektiv.

Tolles Porträt einer Sehsuchtsstadt

Zwischen John Sugar (Colin Farrell) und einem geheimnisvollen Hotelgast (Laura Donnelly) seiner Luxus-Herberge in Beverly Hills scheint es magische Anziehungskräfte zu geben.  (Bild: Apple TV)

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Zwischen John Sugar (Colin Farrell) und einem geheimnisvollen Hotelgast (Laura Donnelly) seiner Luxus-Herberge in Beverly Hills scheint es magische Anziehungskräfte zu geben. (Bild: Apple TV)

John Sugar (Colin Farrell, links) hat einen Vertrauten bei der Polizei (Shea Whigham), der ihm Informationen zu seinem aktuellen Fall liefert. (Bild: Apple TV)

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John Sugar (Colin Farrell, links) hat einen Vertrauten bei der Polizei (Shea Whigham), der ihm Informationen zu seinem aktuellen Fall liefert. (Bild: Apple TV)

John Sugar ist auf der Erde geblieben, weil er die Menschen liebt. Dazu das Zwitschern der Vögel an einem sonnigen Morgen in Los Angeles. Und natürlich wegen der Filmkunst, die nirgends so präsent ist wie hier. In Staffel zwei wird ein neuer Fall erzählt, der mit Corea Town, Gangs und einem verschwundenen Bruder zu tun hat. Ansonsten bekommt man den gleichen stylischen Wahnsinn wie in Staffel eins. Dazu sieht die Apple-Serie auch noch unverschämt gut aus. Natürlich wieder mit wunderbarem Retro-Jazz-Score und thematisch korrespondierenden, dazwischen geschnittenen Filmszenen aus alten Filmen, die John Sugar lieben würde.

„John Sugar“, Staffel zwei, überrascht wiederum mit tollen Figuren, überraschenden Wendungen und einem Fall, der sogar ohne die besondere Inszenierung und Serienidee funktionieren würde. Dazu ist das neue, achtteilige Werk ein tolles L.A.-Porträt, das wie kaum eine andere Serie alle Facetten - und vor allem viele ungewöhnlich Schauplätze - der Sehnsuchtsstadt mit Untiefen zeigt. Auch Staffel zwei der Serie ist tatsächlich vom Feinsten: Schauspiel, Figuren, Kamera und Licht, das humorvolle Spiel mit der Vergangenheit von Orten und Menschen - und sogar der Plot.

Obwohl die Serie bislang erstaunlich wenig Aufmerksamkeit erhielt: Hier spürt man so viel Liebe zum Gegenstand der Betrachtung, als hätte ein ebenso engagiertes wie begabtes „Private Eye“ einen Ermittlungs-Bericht allererster Güte geliefert - und selbstredend den Fall brillant gelöst. (tsch)

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