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„Ich war aufmüpfig und habe mir meine eigenen Regeln gemacht“TV-Köchin Zora Klipp im Interview

Im Interview spricht Köchin Zora Klipp (35) über ihre schulische Laufbahn. „Ich war rotzefrech, mein Sozialverhalten eine Katastrophe“, verrät die Mutter. (Bild: ZDF/Markus Hertrich)

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Im Interview spricht Köchin Zora Klipp (35) über ihre schulische Laufbahn. „Ich war rotzefrech, mein Sozialverhalten eine Katastrophe“, verrät die Mutter. (Bild: ZDF/Markus Hertrich)

Star-Köchin Zora Klipp spricht über ihre „wilde“ Schulzeit und darüber, warum es sich für sie wie ein „starkes Freiheitsgefühl“ anfühlt, nach sieben Monaten Elternzeit wieder in den Beruf zurückzukehren.

Sie zaubert nicht nur leckere Gerichte, sondern sie steht auch vor der Kamera, schreibt Bücher, betreibt einen Podcast, führt ein Restaurant und ist seit Kurzem Mutter: Zora Klipp spricht im Interview anlässlich der neuen Folgen von „Die Küchenschlacht XXL“ (am Mittwoch, 15. April, und am Mittwoch, 27. Mai, jeweils um 20.15 Uhr, im ZDF) über ihre ungewöhnliche Schullaufbahn und darüber, wie es sich anfühlt, nach sieben Monaten Elternzeit wieder zurück im Job zu sein. Die sympathische 35-Jährige, die im Gespräch immer ein Lächeln auf den Lippen und ihr Herz eindeutig auf der Zunge trägt, arbeitet seit rund zehn Jahren als Köchin. Klipp lebt in Hamburg und betreibt dort gemeinsam mit ihren Geschwistern ein Café und ein Restaurant. Wie sie ihre Leidenschaft fürs Kochen überhaupt entdeckt hat und welche Wege sie dorthin geführt haben, verrät die Star-Köchin ebenfalls.

teleschau: Sie sind dafür bekannt, immer einen kleinen Snack dabei zu haben. Was naschen Sie denn gerade?

Zora Klipp: Jetzt ist es noch zu früh, ich habe erst gefrühstückt. Aber mein Mann macht sich immer darüber lustig. Egal welche Tasche er ausräumt, irgendwo findet er eine Packung Nüsse, einen Riegel oder vielleicht einen Apfel. Ich habe wirklich überall einen Snack stecken. (lacht)

teleschau: Woher rührt Ihre Leidenschaft zum Kochen?

Klipp: Ich komme aus einer Gärtnerfamilie. Mein Papa ist gelernter Gärtner, und meine Mama hat als Quereinsteigerin ebenfalls 20 Jahre in einer Gärtnerei gearbeitet. Bei uns zu Hause stand das Produkt schon immer im Mittelpunkt. Von Anfang an war es für mich etwas Besonderes, mit meinem Vater im Garten zu sein, zu ernten und die frischen Sachen später zu essen. Zu sehen, was daraus entstehen kann, hat mich schon damals fasziniert.

teleschau: Bei Ihnen zu Hause wurde also gerne gekocht?

Klipp: Ja, früher haben wir viel selbst gekocht und zum Beispiel auch Käse gemacht. Wir waren eine richtige Ökofamilie. Wir hatten Schafe und Ziegen, haben Haferflocken selbst gequetscht, und es war für uns ganz selbstverständlich, dass man zu Hause sein Essen zubereitet. Aus diesem Ursprung hat sich alles Weitere ganz natürlich entwickelt.

„Ich war rotzefrech“

teleschau: Gab es einen bestimmten Moment, in dem Sie beschlossen, Köchin zu werden?

Klipp: Ich hatte eine Freundin mit einem Spielzeugherd, aber auch mit sehr strengen Eltern. Also haben wir den Herd immer zu mir mitgenommen, weil es bei uns locker und entspannt war. Dann haben wir fleißig darauf gekocht. Der Herd war winzig klein, doch meine Mama hat alles in Miniatur für uns besorgt. Wir hatten ein kleines Nudelholz, einen kleinen Topf und haben Pfannkuchen gebacken und Grießbrei angerührt. Seitdem habe ich nicht mehr aufgehört. Ich war immer ein richtiger Wirbelwind, und meine Eltern haben irgendwann gemerkt, dass ich ruhig werde, sobald ich in der Küche bin.

teleschau: Wenn man Sie als Kind gefragt hätte, was Sie mal werden möchten, wäre Ihre Antwort damals schon Köchin gewesen?

Klipp: Für mich war früh klar, dass ich etwas Kreatives machen möchte, etwas, bei dem ich mit den Händen arbeite. Das Friseurhandwerk fand ich spannend, weil man mit Menschen zusammenarbeitet, kreativ sein kann und handwerklich tätig ist. Auch Floristik hat mich interessiert. Konditorin stand ebenfalls zur Wahl. Doch die Arbeitszeiten waren noch abschreckender als die einer Köchin (lacht).

Anlässlich der neuen Folgen von „Die Küchenschlacht XXL“ spricht Zora Klipp im Interview darüber, wie sie ihre Leidenschaft fürs Kochen überhaupt entdeckt hat. (Bild: NDR/Florian Kruck)

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Anlässlich der neuen Folgen von „Die Küchenschlacht XXL“ spricht Zora Klipp im Interview darüber, wie sie ihre Leidenschaft fürs Kochen überhaupt entdeckt hat. (Bild: NDR/Florian Kruck)

teleschau: Auf Ihrer Website beschreiben Sie Ihre schulische Laufbahn als „wild“. Was genau meinen Sie damit?

Klipp: Ich war auf jeden Fall ein Hansdampf in allen Gassen, wie meine Oma immer gesagt hat. Ich war rotzefrech, mein Sozialverhalten eine Katastrophe. Ich war aufmüpfig und habe mir meine eigenen Regeln gemacht. Ich habe Lehrer und Mitschüler geärgert, keine Hausaufgaben gemacht, und es war mir egal. Ich wollte einfach das tun, worauf ich Lust hatte. Entsprechend waren schon die Zeugnisse in der Grundschule schlecht. Es gab viele Verweise ...

teleschau: Wie ging es weiter?

Klipp: In der siebten Klasse bin ich sitzengeblieben. Das hat mich schon gewurmt, weil ich in der neuen Klasse niemanden kannte und meine Freunde nicht mehr da waren. Also saß ich dort und hatte plötzlich keine Wahl mehr. Aus Trotz habe ich angefangen, zuzuhören. Dann habe ich so ein gutes Zeugnis bekommen, dass ich aufs Gymnasium wechseln konnte.

teleschau: Da sind Sie dann geblieben?

Klipp: Auf dem Gymnasium kam ich irgendwann nicht mehr hinterher. Außerdem hatte ich eine schreckliche Lehrerin, die deutlich spüren ließ, dass sie mich dort nicht haben wollte. Also ging ich zurück auf die Realschule und habe dort meinen Abschluss gemacht. Nach der Realschule begann ich meine Ausbildung. Erst mit 20 habe ich mein Abitur nachgeholt.

„Es hat alles auf den Kopf gestellt“

teleschau: Wie kam es dazu, dass Sie die Sendung „Koch ma!“ moderiert haben?

Klipp: Fynn Kliemann, vielleicht ein Begriff für manche, kommt aus derselben Stadt wie ich. Unsere Eltern gingen zusammen zur Schule, und wir sind gemeinsam aufgewachsen. Wir waren schon lange befreundet. Irgendwann eröffnete er das „Kliemannsland“ und hatte die Idee, eine Kochsendung zu machen. Funk, der Jugendsender von ARD und ZDF, war damals ebenfalls interessiert, und Finn hat mich vorgeschlagen. Er meinte, ich käme aus der Gegend, könne gut labern und sei frech.

teleschau: „Die Küchenschlacht“ läuft schon seit 2008 als Dauerbrenner im ZDF. Was macht die Sendung für Sie so besonders?

Klipp: Ich glaube, es sind die unterschiedlichen Charaktere, die man dort tagtäglich sieht, Menschen die jeden Tag aufs Neue ihr Bestes geben. Man verbündet sich mit ihnen und hat immer seinen Favoriten dabei. Es herrscht eine familiäre Atmosphäre, und das Persönliche, das man von den Kandidatinnen und Kandidaten mitbekommt, sorgt dafür, dass man immer wieder einschaltet. Auch das Konzept der Sendung ist einfach.

teleschau: Wie hat das Fernsehen Ihr Leben verändert?

Klipp: Es hat alles auf den Kopf gestellt. Ich wusste schon immer, dass ich selbstständig sein möchte. Wie gesagt, ich habe einen eigenen Kopf und mache gerne meine eigenen Regeln. Aber dass daraus dann Fernsehen geworden ist, ist etwas Besonderes. Plötzlich bin ich bekannt, werde von Leuten erkannt, gebe Autogramme, führe Interviews und moderiere nun sogar eine 20.15-Uhr-Sendung. Das ist wirklich „one in a million“.

Zora Klipp (Mitte) moderiert seit 2023 die beliebte ZDF-Kochsendung „Die Küchenschlacht“. (Bild: ZDF/Gunnar Nicolaus)

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Zora Klipp (Mitte) moderiert seit 2023 die beliebte ZDF-Kochsendung „Die Küchenschlacht“. (Bild: ZDF/Gunnar Nicolaus)

teleschau: In Ihrem Podcast „Doppelrahmstufe“ scherzen Sie ja darüber, die „Kinder-Küchenschlacht“ zurückzuholen. Könnten Sie sich das wirklich vorstellen?

Klipp: Ich habe jetzt selbst ein sieben Monate altes Baby und arbeite auch sehr gerne mit Kindern. Für „Koch ma!“ haben wir damals schon eine Folge mit Kindern gedreht, und ich hätte richtig Lust darauf. Why not?

„Mutter zu sein, ist ein sehr einnehmender Job“

teleschau: Sie waren sieben Monate in Elternzeit. Wie ist es jetzt, wieder zurück zu sein?

Klipp: Es ist ein richtig starkes Freiheitsgefühl. Mutter zu sein, ist ein sehr einnehmender Job. Sieben Monate lang habe ich mich nur um meinen kleinen Sohn gekümmert. Es ist befreiend, mal das Haus verlassen zu können und den Kopf anderswo zu haben. Gleichzeitig ist es schade, wenn man morgens um halb neun das Haus verlässt und erst um sechs zurückkommt - den ganzen Tag über sieht man das Kind nicht. Es hat eben zwei Seiten.

teleschau: Wie gelingt es Ihnen, Job und Baby gleichzeitig zu managen.

Klipp: Indem man gut delegieren kann. Ich glaube, man muss lernen, Aufgaben abzugeben und nicht alles selbst machen zu wollen. Ich habe ein großartiges Team um mich herum und einen Mann zu Hause, der mich in allem unterstützt. Nur so funktioniert es. Planung und Struktur sind dabei auch ganz wichtige Stichworte (lacht).

teleschau: Haben Sie durch Ihr Mutter-Dasein auch neue Seiten an sich entdeckt?

Klipp: Ich habe mich eigentlich nie als besonders geduldig wahrgenommen. Geduld ist aber etwas, das man mit einem kleinen Kind lernen muss. Inzwischen bin ich auch deutlich geduldiger als mein Mann. In den vergangenen acht Monaten habe ich dadurch entdeckt, dass ich doch eine geduldige Seite an mir habe.

teleschau: Würden Sie sagen, dass die Küche immer noch überwiegend von Männern dominiert wird?

Klipp: Gott sei Dank gibt es immer mehr Frauen in der Gastronomie, aber nach wie vor sind es mehr Männer. Die Bedingungen bleiben schwierig. Der Job ist körperlich extrem anstrengend und lässt sich nur schwer mit Familie vereinbaren. Deshalb fällt es vielen Frauen schwer, in der Gastronomie Karriere zu machen.

teleschau: Was würden Sie Frauen mit auf den Weg geben, die ebenfalls in die Gastro-Welt einsteigen möchten?

Klipp: Traut euch!

„Inzwischen genieße ich es, einfach die Füße hochzulegen“

In der ARD-Kochsendung „Familien-Kochduell“, moderiert von Steffen Henssler (Mitte), bewertet Zora Klipp (links) gemeinsam mit dem TV-Koch Ali Güngörmüş (rechts) die Gerichte, die von den teilnehmenden Familien zubereitet wurden. (Bild:  NDR / Fernsehmacher GmbH / Markus Hertrich)

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In der ARD-Kochsendung „Familien-Kochduell“, moderiert von Steffen Henssler (Mitte), bewertet Zora Klipp (links) gemeinsam mit dem TV-Koch Ali Güngörmüş (rechts) die Gerichte, die von den teilnehmenden Familien zubereitet wurden. (Bild: NDR / Fernsehmacher GmbH / Markus Hertrich)

teleschau: Bei allem, womit sie beruflich zu tun haben, geht es ums Essen. Vergeht einem da nicht auch mal der Appetit?

Klipp: Nein (lacht), ganz selten. Einmal haben wir für „Schmeckt. Immer.“ eine Folge gedreht, in der wir Bubble-Waffles gemacht haben, und alles war voll mit Süßigkeiten. Da bin ich richtig in einen Zuckerrausch geraten. Wir haben so viel gegessen und konnten einfach nicht aufhören. An einem Set steht ja überall Essen herum. Ich bin außerdem eine absolute Nascherin, und irgendwann dachte ich nur noch: Ich brauche jetzt nur ein Salat, sonst nichts mehr.

teleschau: Lassen Sie sich auch mal bekochen?

Klipp: Ich lasse mich sehr gerne bekochen und bin mittlerweile auch gern Gast. Das war erst etwas, das ich lernen musste. Inzwischen genieße ich es, einfach die Füße hochzulegen.

teleschau: Können Sie auch im Restaurant so richtig abschalten?

Klipp: Es kommt immer darauf an, mit wem ich essen gehe. Bei meinen Schwiegereltern versuche ich, den kritischen Blick so gut wie möglich auszuschalten. Gehe ich mit meiner Podcastpartnerin Hanna Reder essen, wird natürlich alles genau unter die Lupe genommen.

teleschau: In Ihrem Kochbuch „Hej!“ präsentieren Sie Rezepte aus Schweden. Was hat Sie ausgerechnet zu Schweden inspiriert?

Klipp: Damals habe ich einen Roadtrip mit meinem Vater gemacht, von Dänemark nach Schweden. Kaum angekommen, habe ich mich sofort in das Land, die Leute, die Sprache, das Essen und die Mentalität verliebt. Die Schweden sind einfach locker, offen und unglaublich freundlich. Nach meinem Realschulabschluss habe ich dann als Au-pair in Schweden gearbeitet. Mein Gastvater hat viel mit mir gekocht, und ich konnte mir dabei unheimlich viele Rezepte und Inspirationen mitnehmen.

teleschau: Hat die schwedische Küche Ihrer Meinung nach der deutschen etwas voraus?

Klipp: Die Schweden sind den Deutschen ohnehin in vielen Dingen immer etwas voraus (lacht). Aber was kulinarische Trends angeht, sind wir ihnen mittlerweile schon ebenbürtig.

„Die Kaufkraft ist in der gesamten Wirtschaft gesunken“

teleschau: Sie leiten gemeinsam mit Ihren Geschwistern mehrere Restaurants. Kracht es da auch mal?

Klipp: Ja, vor allem zwischen meinem Bruder und mir. Wir sind beide sehr starke Charaktere, da kann es schon ordentlich krachen. Meine Schwester ist eher wie die Schweiz - sie hält sich aus allem raus. Trotzdem verstehen wir uns danach immer schnell wieder sehr gut.

teleschau: Man hört aus der Restaurantbranche, dass immer weniger Menschen essen gehen. Spüren Sie das auch?

Klipp: Auf jeden Fall merkt man das. Die Kaufkraft ist in der gesamten Wirtschaft gesunken, und wir in der Gastronomie spüren das natürlich auch. Dass Gäste sich unter der Woche für ein Vier-Gänge-Menü entscheiden, kommt nicht mehr so oft vor. Auch die Trinkgelder werden weniger. Man merkt einfach, dass die Menschen nicht mehr so freudig ihr Geld ausgeben.

teleschau: Was tun Sie, um dem entgegenzuwirken?

Klipp: Wir haben dieses Jahr ja auch die Mehrwertsteuersenkung bekommen, zum Glück. Jetzt müssen wir erst einmal beobachten, wie sich das entwickelt und ob es sich positiv auf uns auswirkt. Wenn das wirklich der Fall ist, kann man natürlich überlegen, die Preise wieder zu senken. Andererseits muss man auch sagen, dass wir Gastronomen durch die Mehrwertsteuererhöhung und die gesamte gesellschaftliche und politische Lage stark gelitten haben und nicht in Geld schwimmen. (tsch)

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