Rassistisch? Nicht zeitgemäß?Heino sorgt in Sat.1-Show für Eklat mit Publikum

Sänger Heino steht vor einem Altbier-Brauhaus auf der Düsseldorfer Oststraße.

Sänger Heino, hier im November 2022, sorgte mit seinem Auftritt im Sat.1-„Frühstücksfernsehen“ (19. September 2023) für Ärger. 

Schlager-Star Heino sorgte am Dienstagmorgen (19. September 2023) mit seinem Auftritt in Sat.1-„Frühstücksfernsehen“ für Mega-Ärger unter den Zuschauerinnen und Zuschauern.

von Christopher Weis (cw)

Schlagersänger Heino sorgte am Dienstagmorgen (19. September 2023) mit einem Interview im Sat.1-„Frühstücksfernsehen“ für Aufsehen. Eigentlich wollte der gebürtige Düsseldorfer sein neues Album „Lieder meiner Heimat“ promoten, in dem er bekannte Ballermann-Hits performt. 

Doch zahlreiche Zuschauerinnen und Zuschauer waren nach dem Auftritt des Sängers kaum noch zu bremsen. Heino erntete heftige Kritik! Vor allem über Instagram.

Sat.1-„Frühstücksfernsehen“: Heino sorgt mit Auftritt für Ärger

Grund für den Mega-Zoff? Heino hatte sich abfällig über Sprachsensibilität geäußert. Vom Gendern halte er grundsätzlich gar nichts, so Heino im Gespräch mit Moderator Matthias Killing.

Alles zum Thema Sat.1

1
/
4

„Also Leute, die so etwas wollen, denen hat man ins Gehirn geschissen. So wie wir im Rheinland sagen würden. Ich stehe da gar nicht dahinter“, polterte Heino.

Bei zahlreichen Userinnen und Usern kam das gar nicht gut an: „Unfassbar schlimm, was er so von sich gibt. Und das in Dauerschleife den ganzen Morgen“ und „Alte weiße Männer finden Gendern scheiße und verweigern sich Rassismus-kritischem Sprachgebrauch. Ist ja mal was ganz Neues“ schrieben Userinnen und User unter anderem unter dem offiziellen Instagram-Posting des Sat.1-„Frühstückfernsehens“.

Hier siehst du das Posting:

Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen relevanten Inhalt der externen Plattform Instagram, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich einfach mit einem Klick anzeigen lassen und auch wieder ausblenden.

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte der externen Plattform Instagram angezeigt werden. Dabei können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Heino wolle nicht nur auf das Gendern verzichten, sondern auch weiterhin an alten Traditionen festhalten, wie er selbst erklärte: „Ich werde weiter ‚Lustig ist das Zigeunerleben‘* singen. Davon lasse ich mich von keinem Menschen abringen. Das ist Kulturgut. Ich habe es in den Sechzigern wieder populär gemacht. Das soll auch so bleiben.“

Allerdings erhielt der 84-Jährige auch Zuspruch für seine Haltung: „Freie Meinungsäußerung wird von den Toleranten gefordert, aber nicht ertragen“, „Bester Mann, endlich noch einer in Deutschland, der öffentlich Haltung zeigt und diesen Wahnsinn kritisiert“ und „Danke Heino, dass du zu deiner Meinung stehst und die auch öffentlich kommunizierst, ohne einzuknicken. Der Großteil der Bevölkerung denkt genauso“, lobten einige Fans.

Das sagt Heinos Manager zu den Vorwürfen – auch Sat.1 nimmt Stellung

Der Sänger ist 84 Jahre alt. Doch muss auch er sich ein Stück weit an die Zeit anpassen? Gerade in Bezug auf unsere Sprache hat sich die Gesellschaft extrem weiterentwickelt. 

Helmut Werner, der Manager des bekannten Volksmusikers, halte die Vorwürfe für unangebracht, wie er auf EXPRESS.de-Anfrage erklärte.

„Grundsätzlich ist es so: Ich wüsste nicht, inwieweit man Heino vorwerfen könnte, dass er sich sexistisch oder rassistisch geäußert haben soll. Wenn ich mir Kommentare durchlese, in denen er als ‚alter, weißer Mann‘ tituliert wird, das ist für mich an Altersdiskriminierung nicht zu überbieten. Es ist ein ganz kleiner, armseliger Haufen, der so denkt. Heino, mit fast 85, lässt sich nicht in seine Sprache hereinreden. Er ist wie er ist. Und da ist nichts Verwerfliches dabei. Er ist ein deutscher Sänger und kein Politiker“, stellte Werner klar. 

Werner weiter: „Dass es rassistisch sein soll, wenn Heino singt ‚Lustig ist das Zigeunerleben‘, da muss man auch mal wissen, dass Heino mit vielen Sintis und Romas befreundet ist. Sie sagen alle, dass sie stolz darauf sind. Heino singt hier von ihrer Kultur. Sie sehen hier kein Schimpfwort. Das Schimpfwort sehen nur die Leute, die die Welt verbessern wollen und die sich über irgendwelche Wörter aufregen möchten.“

Nimm hier an unserer Umfrage teil:

Auch Sat.1-Sprecher Christoph Körfer reagierte auf EXPRESS.de-Anfrage auf die Kritik der Zuschauerinnen und Zuschauer. Jeder dürfe sagen, was er oder sie möchte. Auch im Fernsehen! „In diesem Kontext lassen Sie mich gerne Salman Rushdie zitieren. Der indische Schriftsteller, der ob seines Buches ‚Die satanischen Verse‘ verfolgt wurde und wird, sagt: ‚Redefreiheit ist das Entscheidende, um sie dreht sich alles. Redefreiheit ist das Leben‘.“

Rückblick auf Heinos Karriere

Heino kann auf eine Jahrzehnte lang andauernde Musik-Karriere zurückblicken. „Lieder meiner Heimat“ ist bereits sein 34. Studioalbum. 

Er plante ursprünglich, bereits vor zwei Jahrzehnten seine musikalische Laufbahn zu beenden. Dennoch überraschte er 2013 mit seinem Album „Mit freundlichen Grüßen“, auf dem er Lieder von bekannten Bands wie Die Ärzte und Rammstein neu interpretierte. Heino sang im Laufe seiner Karriere unter anderem Mega-Hits wie „Wir sind des Geyers schwarzer Haufen“ und „Blau blüht der Enzian“.

*Hintergrund: Der Begriff „Zigeuner“ wird von den Sinti und Roma oftmals als diskriminierendes Schimpfwort verstanden. Der Zentralrat deutscher Sinti und Roma schreibt dazu auf seiner Homepage: „Die Bezeichnung ‚Zigeuner‘ hingegen ist untrennbar verbunden mit rassistischen Zuschreibungen, die sich, über Jahrhunderte reproduziert, zu einem geschlossenen und aggressiven Feindbild verdichtet haben, das tief im kollektiven Bewusstsein verwurzelt ist.“

Sinti und Roma sehen in der Bezeichnung „Vorurteilsstrukturen und Ausgrenzungsmechanismen“. Die Erklärung des Zentralrats: „Wer dafür plädiert, den Ausdruck ‚Zigeuner‘ als Sammelbezeichnung ‚wertneutral‘ zu verwenden, blendet nicht nur diesen historischen Kontext aus. Er ignoriert auch völlig den heutigen Gebrauch in der Umgangssprache, in der ‚Zigeuner‘ immer noch als Schimpfwort benutzt wird: In den einschlägigen rechtsextremistischen Internetforen gehört dieser Begriff, samt den dazugehörigen verleumderischen Inhalten, ebenso zum gängigen Vokabular wie in Fußballstadien, wo Fans gegnerische Mannschaften mit ‚Zigeuner‘ oder ‚Zigeunerpack‘ beschimpfen.“ (cw)