„Hubert ohne Staller“ geht mit Karacho weiter: Nach längerer Pause zeigt das Erste den Rest der 13. und danach direkt die 14. Staffel der Wohlfühlkrimiserie. Mit dabei ist natürlich auch Hannes Ringlstetter. Warum seine Figur Yazid vor allem bei den Kindern gut ankommt, verrät der Schauspieler im Interview.
Hannes Ringlstetter„Ich bin so pessimistisch, dass ich schon wieder optimistisch bin“

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Seit 2011 spielt Hannes Ringlstetter die Figur Yazid in „Hubert ohne Staller“ (Alternativtitel: „Hubert und Staller). Anlässlich der 200. Folge der Serie spricht er nun über deren Besonderheiten. (Bild: Susi Knoll)
Das Team von „Hubert ohne Staller“ hat 2026 gleich doppelten Grund zu feiern: Nicht nur begeistert die Wohlfühlkrimiserie seit mittlerweile 15 Jahren (bis 2018 noch unter dem Titel „Hubert und Staller“), am Mittwoch, 25. November, wird zudem die 200. Folge ausgestrahlt. Zunächst, ab Mittwoch, 14. Oktober (wöchentlich, 18.50 Uhr, im Ersten und in der Mediathek) laufen aber erst einmal die noch unausgestrahlten Folgen der 13. Staffel, gefolgt von der neuen 14. Staffel. Mit dabei ist auch wieder Hannes Ringlstetter: Seit der ersten Folge verkörpert er Yazid, ein echtes Unikum, das anfangs noch Betreiber eines Imbisswagens war und inzwischen das Café Rattlinger führt. Im Interview spricht der 56-Jährige über das Erfolgsrezept von „Hubert ohne Staller“ und den kurzzeitig tiefen Einschnitt durch den Ausstieg von Helmfried von Lüttichau als Staller im Jahr 2018. Außerdem berichtet der gebürtige Münchner, der unter anderem auch als Kabarettist und Musiker erfolgreich ist, von seinem neuen Album: „Bellavista“ erscheint am 23. Oktober. Darauf zu hören ist auch die ehemalige „Tagesschau“-Sprecherin Linda Zervakis. Wie es wohl zu dieser Zusammenarbeit kam?
teleschau: „Hubert und Staller“ startete vor 15 Jahren. Hätten Sie damals gedacht, dass daraus so eine langlebige Serie mit 200 Folgen entstehen würde?
Hannes Ringlstetter: Nein, das hätte niemand aus dem Team je gedacht. Nach der ersten Staffel hatte man noch nicht das richtige Gefühl. Ab der zweiten Staffel wurde es dann besser. Aber dass wir das jetzt schon 15 Jahre lang machen, ist echt Wahnsinn. Es freut uns natürlich! Es ist ein Geschenk, so lange mit einer Art von Familie, die das Team inzwischen für mich ist, zusammen produzieren zu dürfen.
teleschau: Wie erklären Sie sich den Erfolg der Serie?
Ringlstetter: Ich glaube, zum einen ist es so, dass die Figuren, wenn man genauer hinschaut, alle ein bisschen gescheitert sind. (lacht) Zum Beispiel hat niemand einen Partner. Die sind alle allein und stolpern auf ihre Art durchs Leben. Und ich glaube, damit können sich wahnsinnig viele Menschen identifizieren. Und zum anderen ist es so, dass die erzählten Geschichten vergleichsweise harmlos sind. Es gibt so viele Krimiserien, in denen es nur um Mord und Totschlag geht. Bei uns geht in erster Linie immer mehr um den Spaß und um harmlose Sachen. Der Humor der Serie ist auch einfach speziell. Alle Mitwirkenden kommen im weitesten Sinne aus dem Humorfach und können deshalb immer etwas davon in die Entwicklung der Rollen hineingeben.
„Yazid ist kein Verbrecher, er ist halt einfach ein Hallodri“

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Seit der neunten Staffel von „Hubert ohne Staller“ betreibt Yazid eine Bäckerei mit Café. (Bild: ARD/Thomas Neumeier)
teleschau: „Hubert ohne Staller“ hat nicht nur Fans in Bayern, sondern in ganz Deutschland. Warum sind es so oft die bayerischen Serien und Filme, die sich bundesweit so großer Beliebtheit erfreuen?
Ringlstetter: Oh, das kann ich wahrscheinlich nicht abschließend beantworten. Zuallererst, glaube ich, klingt die Serie für viele Menschen einfach nach Urlaub. Allein die Landschaft, in der „Hubert ohne Staller“ spielt, verbinden viele mit Urlaub. Außerdem strahlt das Bayerische an sich einfach etwas Unaufgeregtes aus. Das ist, glaube ich, etwas, das die Menschen bei all dem Irrsinn aktuell sehr anzieht. Aber im Grunde ist „Hubert ohne Staller“ gar nicht klischeehaft bayerisch. Die Figuren sind alle so gestrickt, dass die Serie eigentlich überall spielen könnte.
teleschau: Ihre Figur Yazid ist ein spezieller Typ. Wie viel von ihm steckt in dem privaten Hannes Ringlstetter und wie viel Hannes Ringlstetter steckt in Yazid?
Ringlstetter: Wenig! Ich bin technisch völlig unbegabt. Ich kann gar nichts reparieren. Was ich an der Figur natürlich total mag ist, dass sie sich immer an der Grenze zwischen Legalität und Illegalität bewegt. Wobei das Ganze am Ende dann doch auch wieder harmlos ist. Yazid ist kein Verbrecher, er ist halt einfach ein Hallodri. Ich finde auch, dass er so was Pumuckl-haftes hat. Deswegen lieben ihn auch die Kinder so. Wie viele Kinder mich auf den Yazid ansprechen, das ist der Wahnsinn! Vermutlich gefällt denen, dass der sich einfach alles erlauben kann.
teleschau: Wirklich?
Ringlstetter: Total! Ich glaube, das liegt daran, dass die Serie irgendwann nicht mehr nur in der ARD lief, sondern auch online abrufbar war. Seitdem kommen die Kinder plötzlich angerannt und wollen Fotos mit mir machen. Das ist echt witzig!
teleschau: Was zeichnet Yazid als Figur denn sonst noch aus?

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Hannes Ringlstetter ist nicht nur Schauspieler, sondern auch Kabarettist, Musiker, Buchautor und TV-Moderator. (Bild: Celina Pratter)
Ringlstetter: Das Besondere an der Figur ist, dass sie sich seit 15 Jahren nie weiterentwickelt hat. Eigentlich entwickelt sich keine der Figuren. Es gibt keinerlei Lernkurve. Das ist für mich als Schauspieler gar nicht so einfach zu spielen: Während ich selbst mich natürlich schon weiterentwickle, bleibt meine Figur immer gleich und wird einfach nur älter. Das führt dann dazu, dass sich die Figur immer weiter von mir als Privatmenschen wegbewegt. Auf der anderen Seite ist dadurch aber einfach vollkommen klar, wer Yazid ist. Das ist dann wiederum super zu spielen.
teleschau: Würden Sie sich denn manchmal wünschen, dass Yazid sich weiterentwickelt?
Ringlstetter: Nee, gar nicht! Das ist ja auch eine Frage der Verlässlichkeit. (lacht) Außerdem sind die Figuren durch die Tatsache, dass sie sich nicht weiterentwickeln, automatisch schon komisch.
„Ich habe ursprünglich mal gedacht, ich werde vielleicht Lehrer“
teleschau: Yazid hat bei „Hubert ohne Staller“ bereits einige Berufe ausgeübt. Welche Karriere hätten Sie am ehesten verfolgt, wenn es mit der Kunst nicht geklappt hätte?
Ringlstetter: Puh, ich habe ursprünglich mal gedacht, ich werde vielleicht Lehrer. Inzwischen bin ich aber froh, dass ich das nicht geworden bin. Ich habe ehrlich gesagt nicht wirklich eine Alternative dazu. Meine Talente sind relativ klar definiert. Ich kann nicht viele Sachen. Wenn ich jetzt grundsätzlich einen anderen Beruf bräuchte, könnte ich wahrscheinlich in einer Marketingabteilung arbeiten und gescheit daherreden. Aber ich glaube nicht, dass ich so leidenschaftlich was anderes machen könnte, als wie jetzt meinen Beruf als Schauspieler oder Musiker.
teleschau: Hatten Sie schon einmal darüber nachgedacht, „Hubert ohne Staller“ zu verlassen?

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Yazids (Hannes Ringlstetter) besonderen Talente werden gleich in der ersten neuen Folge von „Hubert ohne Staller“ (Episodentitel: „Zimmer ohne Aussicht“) gebraucht. (Bild: ARD/Thomas Neumeier)
Ringlstetter: Ich glaube, als Helmfried von Lüttichau damals aus „Hubert und Staller“ ausgestiegen ist, haben wir uns alle gefragt, ob das nun das Ende der Serie sei. Aber nachdem dann die erste Staffel „Hubert ohne Staller“ so viel Spaß gemacht hat, habe ich darüber überhaupt nicht mehr nachgedacht. Damals war einfach nicht klar, ob sich die Serie ohne den Staller weitererzählen wird. Aber inzwischen finde ich es für uns Nebenfiguren sogar schöner, weil wir einfach mehr Platz zum Spielen haben.
„Wenn Kultur plötzlich keinen Wert mehr hat, dann wird die Gesellschaft hohl“
teleschau: Neben Ihrem Engagement bei „Hubert ohne Staller“ sind Sie derzeit als Musiker sehr aktiv. Ihr neues Album „Bellavista“ und die dazugehörige Tour bewerben Sie unter anderem mit dem Versprechen: „Alles live, alles handgemacht, ganz ohne KI“. Wie groß ist Ihre Sorge angesichts der aktuellen Entwicklungen in diesem Bereich?
Ringlstetter: Die Sorge ist in unserem Metier schon lange da. Die Streamingportale werden von KI überspült, während die Künstlerinnen und Künstler sowieso schon immer schlecht bezahlt wurden. Das macht den Markt natürlich immer komplizierter oder zumindest wirtschaftlich schwieriger. Das ist eine Sache. Aber was ich viel schwieriger finde, ist, dass wir dadurch Gefahr laufen, die Wertschätzung für Musik oder Kunst im Allgemeinen zu verlieren. Zum Beispiel verstehe ich nicht, warum plötzlich jede und jeder seine Geburtstagseinladungen von der KI gestalten lässt. Man sieht doch, dass das Ergebnis hässlich ist! Meine Sorge ist, dass uns durch diese Verhässlichung durch die Technik letztlich auch unser Stil und unser Geschmack abhandenkommt. Authentische Musik wird von Menschen geschaffen, die dafür wahnsinnig viel Zeit, Leidenschaft und Geld hineininvestieren. Wenn uns der Wert dessen verloren geht, macht das am Ende auch etwas mit uns als Gesellschaft.
teleschau: Inwiefern?
Ringlstetter: Der Wert von Kultur ist, dass sie erschaffen wird. Und wenn Kultur plötzlich keinen Wert mehr hat, dann wird die Gesellschaft hohl. Unsere Gesellschaft verroht doch ohnehin schon! Heute sagen Menschen Dinge, von denen es vor zehn Jahren noch undenkbar gewesen wäre, dass sie jemand sagt. Aber solange die Menschen noch auf Konzerte gehen, mache ich mir noch keine Sorgen, dass wir die Kultur verlieren. Aber wenn sich die Menschen durch die wirtschaftliche Lage irgendwann keine Konzertbesuche mehr leisten können, wird es schwierig. Davor habe ich schon Sorge!
„Man kann nur selber in seinem kleinen Bereich versuchen, grundsätzlich liebevoller zu sein“

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Hannes Ringlstetter äußert im Interview seine Sorge zur KI-Entwicklung: „Meine Sorge ist, dass uns durch diese Verhässlichung durch die Technik letztlich auch unser Geschmack abhandenkommt.“ (Bild: 2017 Getty Images/Lennart Preiss)
teleschau: Ihr neuer Song „Peace I“ entstand in Zusammenarbeit mit Linda Zervakis. Wie ist es dazu denn gekommen?
Ringlstetter: Die Linda kenne ich schon ganz lang. Ich habe zusammen mit Jan Plewka eine Friedensutopie entwickelt. Im Zuge dessen habe ich mir gewünscht, dass eine Nachrichtensprecherin die Meldung verliest, dass auf der Welt Frieden herrscht. Und dann habe ich mir gedacht: Jetzt ruf ich mal die Linda an, vielleicht hat die Lust, das einzusprechen. Das hat sie dann gemacht.
teleschau: Was müsste geschehen, damit das Szenario aus dem Song Wirklichkeit wird?
Ringlstetter: Ich weiß es nicht. Ich glaube, man kann nur selber in seinem kleinen Bereich versuchen, grundsätzlich liebevoller zu sein und darauf zu achten, wie wir alle miteinander umgehen. Das Problem ist, dass sich viele Menschen im Moment so gelähmt fühlen, weil sie wissen: Ich kann an den großen Rädern der Welt sowieso nicht groß mitdrehen. Aber ich glaube eben, dass man im Kleinen viel verändern kann. Ich habe für mich beschlossen, dass ich den Bühnenberuf dafür nutze, den Menschen eine gute Zeit zu schenken, was dann vielleicht auch in ihr Privatleben hineinwirkt und dazu führt, dass diese Menschen, die auf meine Konzerte kommen, in ihrer Welt dann auch wieder Positives bewirken. Denn genauso wie es eine Negativspirale gibt, gibt es vielleicht auch eine Positivspirale, und an die glaube ich immer noch.
teleschau: Das heißt, Sie sind eher ein Optimist als ein Pessimist?
Ringlstetter: Es hilft ja nichts! Ich bin so pessimistisch, dass ich schon wieder optimistisch bin. (lacht)
teleschau: Das passt auch zu Ihrem Abschiedssatz bei „Ringlstetter“: „Bayern wird nicht untergehen - und wenn doch, erfahren Sie es hier zuerst.“ Vermissen Sie die Sendung eigentlich manchmal?
Ringlstetter: Nein. Das habe ich so lange und so gern gemacht. Und es war wunderschön. Aber wir waren uns so klar, dass wir damit aufhören. Der Abschied war, so wie wir ihn gemacht haben, genau richtig für uns. Deshalb vermisse ich jetzt auch gar nichts daran.
Warum die 200. Folge „Hubert ohne Staller“ „einfach wahnsinnig lustig“ ist
teleschau: Was wünschen Sie der Kulturbranche für die Zukunft?
Ringlstetter: Dass die Leute in unserem Publikum es zu schätzen wissen, was wir da betreiben. Und ich wünsche mir, dass der politische Wille, die vielfältige Kultur zu fördern, weiterbesteht. Ich glaube, dass das ganz wichtig ist für die Gesellschaft, dass sich Kultur nicht nur in einem Meinungskorridor aufhält, sondern dass sie vielfältig und frei ist.
teleschau: Zum Abschluss: Werden Sie sich die Jubiläumsfolge von „Hubert ohne Staller“ im November anschauen?
Ringlstetter: Da bin ich mir fast sicher, dass ich mir die anschaue. Gerade wenn ich auf Tour bin, wie Anfang 2027, schaue ich gern hin und wieder eine Folge. Hinzu kommt, dass die Jubiläumsfolge einfach super ist. Ich durfte sie bereits letztes Jahr auf einem Festival sehen. Es ist eine Mafia-Folge und einfach wahnsinnig lustig! (tsch)
