Gil Ofarim„Ich habe Jon Bon Jovi wüst beschimpft“

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Gil auf der Bühne: Hier wollte er immer hin, das Musikmachen liegt ihm einfach in den Genen.

Köln – Er kennt das Auf und Ab im Showgeschäft. Gil Ofarim (38), Sohn des Musikers Abi Ofarim (1937–2018), war mal Star von Millionen und mal nur wenig beachtet, ließ sich in Limousinen chauffieren und musste sich selbst hinters Steuer des Lasten-LKWs klemmen. Trat mal in Riesenhallen, mal in kleinen Clubs auf.

Und hat jetzt versucht, das, was ihm im Leben begegnet ist, im Album mit dem Titel „Alles auf Hoffnung“ musikalisch zu verarbeiten. Viele Gründe für ein langes Treffen mit uns.

Ihr Album heißt „Alles auf Hoffnung“ – passender kann ein Titel in heutigen Zeiten nicht sein. Steht bei Ihnen auch noch – zu Corona-Zeiten – alles auf Hoffnung?

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Gil Ofarim: Stimmt, der Titel passt gut in diese Zeit, aber das war eher Zufall. Es wäre mir lieber, wir wären nicht in dieser Corona-Situation. Aber was wäre die Alternative zu Hoffnung? Aufgeben? Gibt’s für mich nicht.

Was bedeutet es Ihnen, wieder vorn in den Charts mitzumischen? Es ist ein Wahnsinnsgefühl! Dieses Album bedeutet mir die Welt, obwohl es mich eine Zeit lang an den Rand des Wahnsinns getrieben hat. Ich habe die letzten Jahre so viel erlebt, dass ich nicht wusste, wer oder was ich bin und brauchte unbedingt ein Ventil, um das rauszulassen, und das war die Musik. Natürlich ist die Platte kein Tagebuch oder Seelenstriptease geworden, aber sie enthält vieles, was mich bewegt und berührt hat.

Den Song „Nach dir der Regen“ haben Sie Ihrem verstorbenen Vater Abi gewidmet. Warum trauern Sie öffentlich? Für diesen Song war Papa das Vorbild, denn er hat dasselbe für seine Mama gemacht, er hat ihr das Lied „Mama oh Mama“ geschrieben, und ich weiß, dass ihm das gut tat. Für mich war es auch gut, denn Papa war mein Vorbild, mein Mentor, mein Manager und vor allem: mein bester Freund.

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Er hat dafür gesorgt, dass ich Karriere mache, hat aber auch auf mich aufgepasst und mich geschützt. Natürlich hatten wir Kämpfe und Meinungsverschiedenheiten, trotzdem hat er immer die Hand über mich gehalten.

Sie haben Erfolg als Musiker und als Schauspieler. Was ist Ihre Nummer 1? Ich bin gern Schauspieler, war im Stück „Der Tod auf dem Nil“ im Frühjahr auf Tournee, aber ich fühle mich in erster Linie als Musiker. Liegt wohl an den Genen, bei uns zu Hause war Musik allgegenwärtig. Wären meine Eltern Zahnärzte gewesen, würde ich vielleicht anderen Menschen im Mund rumbohren…

Es gibt auch Kinder, die nicht das werden wollen, was die Eltern sind… Bei mir war das nicht so. Ich stand schon als kleines Kind mit Gitarre vorm Spiegel und habe geträumt, ich stünde im Stadion. Mit fünf war ich an der Seite meines Vaters erstmals auf einer Bühne und habe Blut geleckt.

Ihre große Bühne wurde 1997 zuerst die Zeitschrift „Bravo“, in der Sie in einer Foto-Love-Story einen coolen Musiker spielten. Wie kam es dazu? Ich bin auf der Straße von einem Scout angesprochen worden, und weil das auch einem Freund passiert war, der es super fand – wenig Arbeit, viel Geld – habe ich zugesagt. Die Zeit, die dann folgte, war großartig und wichtig. Die Redaktion erhielt säckeweise Fanpost und war sehr interessiert, weiter was mit mir zu arbeiten. Da ich die Rockmusik für mich entdeckt hatte, war es nur ein Fingerschnips, und schon war ich auf der Bühne. Wir haben meinen ersten Song „Round and Around“ verdealt, ein Video gedreht, die Single rausgebracht – und nichts war wie vorher. Ich wurde der glücklichste Junge auf Erden, ich war der, der ich immer sein wollte.

Was man hier kaum mitbekommen hat – Sie waren einer der erfolgreichsten deutschen Künstler in Asien. Wie kam’s? Meine Plattenfirma hatte den Song international angeboten, erst wollte ihn keiner haben – bis eine Firma in Thailand zugriff. Es kam auch für mich überraschend, obwohl ich nie in dem Land war, gab es eine Goldene Schallplatte, und das Ding ging durch die Decke. Fand ich toll, weil jetzt die Musik und nicht mehr der gut aussehende Cover-Boy im Vordergrund stand.

Dann sind Sie aus dem Pop-Star-Rummel in Deutschland ausgestiegen. Warum? Ich brauchte eine Pause. Ich hatte von 1997 bis 2001 Vollgas gegeben, vor meiner Haustür campierten tagelang die Mädels, in Asien herrschte eine Euphorie wie einst bei den Beatles oder Michael Jackson. Doch es ging immer weniger ums Musikmachen, immer mehr ums Musikbusiness. Ich wollte nicht reich und berühmt werden, sondern Musik machen. Ich hatte viel, aber ich fühlte mich einsam, nahm mir vor, nur noch das zu machen, was ich wirklich wollte und konnte – auch auf die Gefahr hin, mit Pauken und Trompeten baden zu gehen.

Der Weg führte zum gemeinsamen Auftritt mit Weltstar Jon Bon Jovi. Wie kam es dazu? Ich hatte den Song „On My Own“ veröffentlicht, der zwar nicht im Radio gespielt wurde, mir aber Glück brachte. Eines Tages kam ein Anruf, ein mir Unbekannter sagte, er sei Jon Bon Jovi, er fände die Platte total geil und wolle was gemeinsam mit mir machen. Ich habe an „Verstehen Sie Spaß!“ gedacht, ihn wüst beschimpft und aufgelegt. Aber es klärte sich zum Glück auf – und ich war in seinem Vorprogramm.

Gibt es in Ihrem Leben auch Träume, die sich nie erfüllten? Klar. Vor meiner Teenager-Zeit wollte ich Tennisprofi werden. Ich habe beim damaligen Bundestrainer Niki Pilic in der Jugendauswahl gespielt, dafür sechs Tage die Woche täglich fünf Stunden trainiert. Hat nichts geholfen. Dann kamen die Pubertät, der „Bravo“-Ruhm, die Karriere, die Rockmusik – und die Eltern trennten sich. Und alles wurde anders.

Was kaum einer weiß: Ihr Nachname Ofarim war mal ein Künstlername. Was steckt dahinter? Mein Vater hieß Abraham Reichsstadt, spielte in jungen Jahren in einem Trio, das sich Ofarim nannte. Das ist hebräisch, heißt Rehkitz. Als das Trio zum Duo wurde – das war dann das international erfolgreiche Paar Esther und Abi – blieb der Name. Weil das in Deutschland immer Probleme machte, hat Papa eines Tages Ofarim als Familiennamen eintragen lassen. So heiße ich jetzt auch.

Das ist Gil Ofarim

Gil Ofarim (geboren am 13. August 1982 in München) ist Sohn des israelischen Sängers Abi Ofarim und dessen dritter Ehefrau Sandra. 1997 entdeckt für eine „Bravo“-Foto-Love-Story, danach Beginn der Musiker-Karriere als Gil. 2006 dann die Gründung der Rockband Zoo Army, 2008 gefolgt von der Rockband Acht. 2012 machte er bei „The Voice of Germany“ (Viertelfinale) mit. 2019 belegte er den zweiten Platz bei „The Masked Singer“ (Vox) als Grashüpfer verkleidet.

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Mai 2020 dann Teilnahme an Stefan Raabs „Free European Song Contest“ (Pro7) für Israel. Er ist auch als Schauspieler aktiv – u.a. bei „GZSZ“ – und hat eine eigene Sendung beim Radiosender „Rock Antenne“.

Er ist verheiratet, lebt von seiner Frau aber getrennt. Die beiden haben einen Sohn (5) und eine Tochter (3). Ab Oktober will Gil auf Tour gehen – wenn es denn das Coronavirus erlaubt. Geplante Termine sind am 15. Oktober in Siegburg und am 16. Oktober in Aachen.