Willkommen auf der Wohlfühl-Welle: Comedian Till Reiners, bekannt unter anderem aus der ZDF-“heute-show“, verwandelt am Sonntagabend zur „Traumschiff“-Zeit die ProSieben-Sendung „Wer stiehlt mir die Show?“ in eine spektakuläre Kreuzfahrt.
Fieser Gag in ProSieben-ShowMöwen erleichtern sich über Joko Winterscheidt

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Fieser Gag: In der „Wer stiehlt mir die Show?“-Ausgabe von Till Reiners wird Joko Winterscheidt von Möwen attackiert. (Bild: Joyn/Screenshot)
Es ist ein Abend, an dem durchs TV-Studio Berlin-Adlershof ein sattes Nebelhorn dröhnt. Immer wieder weht eine frische Brise über die Bühne. Die Band, die üblicherweise als „The Mighty Winterscheidts“ vorgestellt wird, hat sich nun in das „Zweite Deutsche Tanzorchester“ verwandelt. Das Publikum begrüßt den grinsenden Blondschopf in der Kapitänsuniform mit großem Applaus. Der Neu-Moderator hat „Wer stiehlt mir die Show?“ prompt zu seiner eigenen Version vom „Traumschiff“ umgekrempelt.

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Willkommen an Bord der „MS Spaß“: Till Reimers versammelt Niko Santos, Andrea Petkovic, Joko Winterscheidt und Wildcard-Kandidat Johnny, einen Radiomoderator, zum „Captain's Dinner“. Serviert wird: herrlicher Spott. (Bild: Joyn/Florida TV / Julian Mathieu)
Till Reiners, der Stand-up-Comedian, den Fans unter anderem aus der ZDF-“heute-show“ kennen, hatte in der Vorwoche Gastgeber Joko Winterscheidt seine Show abgeluchst. Und nun kostet er den Spaß, die Kommandobrücke zu übernehmen, voll aus. Reiners treibt seine Späße - und verneigt sich mit einem Lächeln vor seinem Heimatsender, dem oft ein Senioren-Image nachgesagt wird. Beim ZDF wird dagegen ProSieben eher für einen Sender gehalten, der Jugendwahn zelebriert. Dazu passend hat sich der neue Moderator das ein oder andere überlegt ...
Herrlicher Klamauk an Bord der „MS Spaß“
So begrüßt der neue „Käptn“ das Publikum jovial im „Zweiten Deutschen ProSieben“ - an Bord der „MS Spaß“. In eine „Traumschiff“-Welt hat Reiners die Szenerie umbauen lassen - mit Liebe zum Detail. „Heute fällt die Mauer ein zweites Mal“, sagt Reiners: „Die Mauer zwischen öffentlich-rechtlichem und Privatfernsehen.“ Motto: „ZDF und ProSieben - vereint in meiner Traumschiff-Show.“

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Till Reiners steckt in einer blütenweißen „Traumschiff“-Uniform. Er feiert die Vereinigung von ProSieben und ZDF - in einem maritimen Ambiente mit viel Liebe zum Detail. (Bild: Joyn/Florida TV / Julian Mathieu)
Um sich (und dem ZDF) treu zu bleiben, hat sich Reiners viel vorgenommen. Es soll ein vergnüglicher Ratespaß werden - „ohne Hektik“ und „für die Leute leicht verständlich“. Soweit die Theorie. Denn schnell wird klar: Der Schalk sitzt dem Spötter im Nacken. Und man sollte ihm nicht allzu leichtgläubig auf den Leim gehen. So heißen die berühmt-berüchtigten Eingangsfragen bei Reiners zwar diesmal: „Die traumhaft leichten Fünf“. Aber natürlich sind sie so knifflig wie eh und je. Und auf die exakte Einhaltung der Spielregeln achtet der Moderator akribisch.
„Ich werde gleich zu John McEnroe“
Vor allem Joko Winterscheidt möchte Reiners das Spiel so schwer wie möglich machen. Und deswegen wird der ProSieben-Berufsjugendliche, der allerdings schon 47 Jahre alt ist, so ausstaffiert, wie sich ZDF-Redakteure einen jungen Mann vorstellen. Reimers hat für Joko sogar ein Skateboard bereitstellen lassen: „Das solltest du eigentlich immer unter dem Arm haben.“ Damit nicht genug ist immer wieder Möwen-Kreischen im Studio zu hören - und dann erleichtern sich die Vögel beim Überflug direkt über Joko. Besonders fies: Den Attacken ausweichen kann er nicht, denn Reiners hat seinen Stuhl am Boden fixieren lassen.

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Andrea Petkovic wurde so ausstaffiert, dass man ihre Tennis-Vergangenheit auf einen Blick erkennt. Schade nur, dass sie wieder recht früh die Sendung verlassen muss. (Bild: Joyn/Florida TV / Julian Mathieu)
Nico Santos wiederum muss mit Perücke und Federhut aussehen wie ein Mix aus Italo-Sänger Zucchero und Geiger David Garrett - damit auf einen Blick klar wird: „Meine Damen und Herren, ein Rockstar!“ Andrea Petkovic trägt eine Sporttasche mit sich, aus der ein Tennisschläger herausragt.
Bedauerlich nur: Die frühere Weltklasse-Sportlerin kommt auch diesmal nicht so recht ins Spiel. Stolz ist sie zwar, dass sie es schafft, in der Disziplin „Song Song Song“ gleich zweimal als erste zu buzzern, weil sie Melodie und Text, die in dem Spiel nicht zusammenpassen, richtig erkennt. Allerdings besteht Till Reiners auf eine korrekte Schreibweise der Titel. „Ich werde gleich zu John McEnroe“, droht Andrea Petkovic enttäuscht. „Das Outfit habe ich schon an.“ Wenig später muss sie erneut als Erste die Sendung verlassen.
Joko und Niko im „Lauchduell“
Allerdings bleibt ihr ein Abstecher ins Nachbarstudio nicht erspart. Dort hat Reiners eine Strand-Spielszene im „Traumschiff“-Stil arrangiert - auf „Bora Bora Adlershof“. Der Spielleiter meint zu Andrea Petkovic: „Wir brauchen dich noch“, worauf die Tennisspielerin keck kontert: „Als Deko - dafür sind Frauen gut.“ Reiners rettet den Moment mit einer Seitenbemerkung, für die er sich eine Kameraeinstellung für sentimental-betuliche Grundsatzbemerkungen reserviert hatte. „Frauen sind wunderbar“, säuselt er im vermeintlichen ZDF-Herz-Schmerz-Stil in die Kamera. Dann sagt Reiners allerdings auch: „Wir wollen hier die Menschen verzaubern - und das geht manchmal nur mit einer Lüge.“
Nichts zu rütteln gibt es an den guten Quiz-Leistungen von Joko Winterscheidt und von Nico Santos. Beide stehen sich später im Halbfinale gegenüber, das Reiners als eine irre witzige Musiksendung im VOX-Stil inszeniert: Bei „Sing meinen Song - Das Lauchduell“ müssen beide Lückentexte füllen und in Anwesenheit der Popstars Joris und Johannes Oerding eine abgewandelte Version des „Herz über Kopf“-Hits singen: „Wir haben nix im Kopf“, trällern Joko und Nico.
Ins Finale schafft es dann - ausgestattet mit allen drei Bootsankern, die diesmal die Spielmünzen ablösen - Joko Winterscheidt. Und diese setzt er gekonnt ein, sodass er sich die Sendung im Eins-gegen-Eins-Quizduell gegen Till Reiners zurückholen kann. Gefeiert wird Reiners dann natürlich dennoch vom ganzen Studio für eine gelungene Show. Ahoi! (tsch)

