Im Interview anlässlich der neuen Folgen von „Sing meinen Song“ spricht Rockmusikerin Ina Bredehorn darüber, was sie an ihrem früheren Job manchmal vermisst und wie sie gelernt hat, sich in einem männerdominierten Arbeitsumfeld zu behaupten.
„Eine verdammt gute Phase in meinem Leben“Deine Cousine im Interview

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„Ich habe schon in der Grundschule gemerkt, dass ich etwas kann, das andere Kinder nicht können“, erinnert sich Sängerin Ina Bredehorn im Interview. (Bild: RTL / Boris Breuer)
Eigentlich ist Rockmusikerin Ina Bredehorn, die viele unter ihrem Künstlernamen Deine Cousine kennen, gelernte Industriemechanikerin. Und doch hat die Musik sie schon früh in den Bann gezogen und nicht mehr losgelassen. Die 40-Jährige, aufgewachsen in einem kleinen Dorf in Niedersachsen, erzählt im Interview zur neuen Staffel von „Sing meinen Song - Das Tauschkonzert“ (Folge mit „Deine Cousine-Story“ im Anschluss, Dienstag, 2. Juni, 20.15 Uhr, auf VOX), wie sie in jungen Jahren zwischenzeitlich den Zugang zur Musik verlor und warum sie sich manchmal nach ihrem alten Beruf zurücksehnt. Außerdem spricht sie darüber, warum sie heute „die beste Version“ ihrer selbst ist.
teleschau: Wann haben Sie gemerkt, dass Sie dafür bestimmt sind, auf der Bühne zu stehen?
Ina Bredehorn: Ich habe schon in der Grundschule gemerkt, dass ich etwas kann, das andere Kinder nicht können (lacht): Mein großer Durchbruch begann mit einem Song von Rolf Zuckowski. Für eine Schulaufführung übten wir „Wann kommst du, Weihnachtsmann“. Ich sang das Solo, und einer unserer Klassenlehrer, der sehr musikalisch und engagiert war, ging raus, holte die Lehrerin aus der Parallelklasse dazu und sagte: „Das musst du dir anhören! Ina, noch mal!“ In diesem Moment dachte ich: Hier ist der heilige Gral versteckt, hier finde ich die Aufmerksamkeit, nach der ich schon so lange suche.
teleschau: Sie wollten schon immer Musik machen?
Bredehorn: Am Ende des Tages hat in meinem Umfeld immer jemand erkannt, dass ich eine besondere Verbindung zur Musik habe und es mich auf die Bühne zieht. Schon früh habe ich die Arme ausgebreitet und gesagt: „Hier bin ich.“ Trotzdem gab es Momente, in denen die Musik beinahe aus meinem Leben verschwunden wäre. Doch jedes Mal war da jemand, der mich daran erinnert hat: „Du hast etwas, das nicht alle haben. Mach weiter.“
„Die Musik fand keinen Platz mehr in meinem Leben“
teleschau: Was waren das für Momente, in denen die Musik fast Ihr Leben verlassen hätte?
Bredehorn: Irgendwann wechselte ich von der Grundschule, in der Musik ständig präsent war, auf die weiterführende Schule. Dort wurde sie nicht gefördert. Ich hatte keine Band, und die Musik fand keinen Platz mehr in meinem Leben. Bis schließlich wieder jemand kam und sagte, es könne nicht sein, dass Ina keine Musik macht. Und dann hatte im Alter von 18 Jahren Stimmprobleme und konnte fast ein ganzes Jahr lang nicht singen.
teleschau: Was war los?
Bredehorn: Ärzte sagten mir damals, dass es mit dem Singen wohl nichts mehr wird. Sie meinten auch, ich sei ohnehin keine Sängerin, da ich zu der Zeit als Industriemechanikerin gearbeitet habe. „Lassen Sie es doch einfach“, hieß es. Gleichzeitig gab es immer wieder Menschen in meinem Umfeld, die das nicht akzeptieren wollten. Sie sind mit mir zu Ärzten gegangen und haben versucht, eine Lösung zu finden. Dafür bin ich unglaublich dankbar. Immer wenn ich kurz davor war aufzugeben und dachte: „Ach, Musik ist doch nur ein seltsamer Traum“, waren da Menschen, die etwas in mir gesehen haben.
teleschau: Schon im Alter von 14 Jahren haben Sie ihre erste eigene Band gegründet ...
Bredehorn: (lacht) Wie das eben so ist, wenn man mit 14 in einem Dorf mit 3.000 Einwohnern eine Band gründet. Ich habe mich damals gefragt, wer aus meinem Jahrgang eigentlich auch Musik macht. Am Ende war es eine Silvesterparty im Dorf, auf der ich ein paar hübsche Jungs kennengelernt habe, die ich einfach interessant fand. Zum Glück haben sie auch Musik gemacht. Und ich habe mich daran erinnert, dass ich ja singe. Plötzlich gab es eine Band. Und auf einmal wurden wir beste Freunde, haben jahrelang alles miteinander geteilt und gemeinsam unsere ersten musikalischen Schritte im Proberaum gemacht.
teleschau: Wie hieß die Band?

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Im Interview spricht Ina Bredehorn, die viele unter ihrem Künstlernamen Deine Cosuine kennen, darüber, wie sie gelernt hat, sich in einem männerdominierten Umfeld zu behaupten. (Bild: RTL / Boris Breuer)
Bredehorn: Den Namen dürfen wir aus Sicherheitsgründen lieber nicht verraten - nicht, dass noch alte Videos auftauchen. (lacht)
teleschau: Besteht noch Kontakt zu den Bandmitgliedern?
Bredehorn: Ja, ganz verliert man sich natürlich nicht. Es hat sich ein bisschen auseinandergelebt. Die einen gehen studieren, die anderen machen dies und das. Aber wir wissen immer noch, an welchem Tag im Jahr wir uns wo treffen würden.
„Kunst ist nie fertig. Musik ist nie fertig“
teleschau: Warum trägt Ihre Band den Namen Deine Cousine?
Bredehorn: Deine Cousine, das ist keine Band, ich nenne es liebevoll ein Matriarchat. Es ist einfach mein Künstlername. Auch wenn ich seit Jahren mit denselben Leuten unterwegs bin und sie mir alle sehr am Herzen liegen, war mir durch meine Vorgeschichte mit Bands wichtig, irgendwann alles auf eine Karte zu setzen und die volle Kontrolle zu haben. Und das künstlerisch wie inhaltlich.
teleschau: Warum?
Bredehorn: Damals habe ich gemerkt, dass ich viele Leute überfordert habe, als ich sagte, die Musik soll mein Leben werden und ich werde alles dafür geben. So sehr das auch ein Traum von mir war, zu erwarten, dass alle das genauso sehen, es wäre unrealistisch gewesen. Deshalb war mir immer wichtig, alleine loszulegen und die Kontrolle selbst zu behalten. Andere Leute können einfach nicht über meine Kunst entscheiden. Am Ende des Tages stehe ich auf der Bühne, alle sehen mein Gesicht, und ich trage die Verantwortung für alles, was ich tue. Ich will diese Verantwortung, und ich mag sie sogar.
teleschau: Vermissen Sie es manchmal, einem „normalen Job“ nachzugehen?
Bredehorn: Ja, es gibt Tage, an denen vermisse ich es, keine Verantwortung zu tragen oder dass mir morgens jemand sagt, was ich tun und lassen soll. Als Selbstständige ist es manchmal echt hart, sich aufzuraffen und die eigenen Fehler auszubaden. Was ich aber besonders vermisse, ist das Gefühl, dass etwas wirklich fertig ist. Kunst ist nie fertig. Musik ist nie fertig. Es gibt immer den nächsten Schritt. In der Mechanik hingegen gibt es Bauteile, die abgeschlossen sind, Projekte, die man abschließen kann. Aber genau das macht die Kunst auch spannend.
teleschau: Gibt es auch Dinge, die Sie so gar nicht vermissen?
Bredehorn: Das Stempeln.
„Die Menschen geben mir so viel mehr, als ich ihnen gebe“
teleschau: In Ihrem Song „Freaks“ singen Sie: „Schön schräg und daneben, scheiß drauf was die Leute reden“. Ist das für Sie tatsächlich so einfach?
Bredehorn: Ich glaube, jeder Mensch, der sagt, er könne zu 100 Prozent unabhängig von dem sein, was andere erwarten oder von ihm halten, lügt - das ist egozentrische Kack-Scheiße. Natürlich ist mir nicht egal, was Freunde und Familie von mir denken. Die Menschen, die mir wichtig sind, bitte ich sogar um ihre Meinung. Ich will, dass sie mir sagen, wenn sie denken, dass ich etwas Dummes mache. Aber es gibt diese Oberflächlichkeit, Leute, die dir ungefragt sagen, was sie für richtig halten oder wo dein Weg hingehen sollte. Gerade im Zeitalter von Social Media und Internet ist es extrem wichtig, sich ein gesundes Netzwerk und einen Freundeskreis aufzubauen, bei dem klar ist: Das ist mein Kern, mein Zuhause, meine Familie. Was die anderen sagen, ist mir egal. Darum geht's. Deine Cousine und auch Ina treffen die Kommentare im Internet nicht mehr.

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In der 13. Staffel „Sing meinen Song“ sind wieder prominente Musiker zu Gast (von oben links nach unten rechts): Mark Forster, Johannes Oerding, Giovanni Zarrella, Deine Cousine, Frida Gold, Tream und Der Graf von Unheilig. (Bild: RTL / Markus Hertrich)
teleschau: An wen geht dieser virtuelle Stinkefinger?
Bredehorn: An die Leute, die nicht an meinen Weg geglaubt haben. Und an alle, die mir als Kind gesagt haben, ich sei zu laut oder zu „Junge“. Mittlerweile bin ich an einem Punkt meiner Karriere, an dem ganz viele Menschen zu meinen Konzerten kommen und in der ersten Reihe stehen. Eine bessere Therapie für mich selbst hätte ich mir nicht wünschen können. Ich denke mir jetzt: Ey, hier kommen Leute zu meinen Shows. So falsch kann ich gar nicht sein.
teleschau: Wollten Sie schon immer Botschaften mit ihren Songs vermitteln?
Bredehorn: Ich sehe das immer anders. Die Leute sprechen mich an. Ich sende meine Botschaft raus, und sie sagen: „Ach, cool, wir sehen das genauso.“ Dann fühle ich mich verstanden und merke, dass es völlig in Ordnung ist, was ich denke und dass ich damit nicht allein bin. Die Menschen geben mir so viel mehr, als ich ihnen gebe. Eine Bestätigung für meine Musik ist gleichzeitig eine Bestätigung für mich als Person. Das ist das schönste Gefühl und die beste Selbsttherapie, die ich mir hätte aussuchen können.
„Chefin für andere zu sein war eigentlich nicht der Plan“
teleschau: Was ist die größte Herausforderung dabei, eine Rockmusikerin zu sein?
Bredehorn: Das Schwierigste ist, dass man auch teilweise Chefin wird, und Chefin wollte ich eigentlich nie sein (lacht). Klar, meine eigene Chefin bin ich gern, aber Chefin für andere zu sein war eigentlich nicht der Plan. Es ist eine große Verantwortung, die ich ernst nehmen möchte. Das ist die größte Herausforderung, weil ich eigentlich ein wildes kleines Etwas bin, das gerne herumspringt, und dann plötzlich denke ich: Ah, warte, ich bin ja Chefin, okay, cool.
teleschau: Sind Sie in solchen Momenten stolz auf sich?
Bredehorn: Stolz auf mich selbst zu sein fällt mir sehr, sehr schwer. Ich glaube, vielen, vor allem Künstlerinnen, geht es ähnlich, dass sie nicht einfach sagen können, dass sie stolz und zufrieden sind mit dem, was sie erreicht haben. Ich bin glücklich, wenn Menschen mir das Gefühl geben, dass wir gerade an einem schönen Ort zusammen sind. Dieses Konstrukt, das entsteht, wenn es für alle ein schöner Ort ist, kann ich gut annehmen.
teleschau: Was können Sie noch gut annehmen?
Bredehorn: Ich bin auch nach dem Abschluss einer Tour stolz, wenn wir sie gemeinsam gemeistert haben. Ab Oktober gehen wir ja wieder auf Tour, und wenn dann alles läuft, sitze ich manchmal nachts im Bus und denke, boah, ist das schön. Aber stolz ist nicht das richtige Wort. Ich genieße einfach das Leben.
„Diese Welt in der wir leben wurde für Männer gebaut“
teleschau: Wie ist es für Sie in einem Bereich zu arbeiten, der so männerdominierend ist?
Bredehorn: Ich glaube, als Frau erlebe ich das gar nicht so anders als in der Gesellschaft insgesamt. Es fällt sehr stark auf, dass diese Welt, in der wir leben, für Männer gebaut wurde. Diese Mauern möchte man nach und nach einreißen. Ich glaube, als Künstlerin begegnet mir das gar nicht anders als anderen Frauen im Alltag.

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Deine Cousine performt bei „Sing meinen Song“. (Bild: RTL / Markus Hertrich)
teleschau: Was würden Sie Frauen mit auf den Weg geben, die in einem anderen Bereich genau diese Mauern einschlagen möchten?
Bredehorn: Sich nicht an den Karren pissen zu lassen, sich nicht kleinmachen zu lassen. Das habe ich sowohl in meinem alten Job als auch in der Musikbranche oft erlebt. In meinem alten Job sogar noch viel stärker, weil es einfach andere Zeiten waren.
teleschau: Inwiefern?
Bredehorn: Mir wurden Ratschläge gegeben, dass ich gewisse Türen lieber nicht öffnen sollte, weil ich es mir damit nur schwer machen würde. Auch meine Mutter sagte: „Ach Kind, mach es dir noch nicht so schwer.“ Ich glaube, mein ganzes Glück lag immer hinter den Türen, die ich am Ende doch eingetreten habe. Ich dachte mir: „Ihr meint, ich mache es mir schwer? Dann mache ich es mir eben schwer.“
teleschau: Das Leben ist so aber bestimmt nicht immer ganz einfach ...
Bredehorn: Am Ende war das für mich die bessere Entscheidung. Ich verstehe aber auch Menschen, die nicht die Kraft haben, diesen Kampf zu kämpfen, denn es ist auch wirklich ein Kampf. Ich würde den Menschen immer raten, sich niemals mit dem zufriedenzugeben, was andere für einen vorgesehen haben. Du musst dich mit dem zufriedengeben, was du selbst willst - und dafür kämpfen.
„Heulen denn jetzt wirklich alle?“
teleschau: Sie sind eine der neuen Stimmen von „Sing meinen Song“. Wie kam es dazu?
Bredehorn: Das ist eine gute Frage, das weiß ich auch nicht. Ich habe mir schon seit Jahren gewünscht, dabei zu sein. Es ist einfach künstlerisch ein sehr spannendes Format. Und ich wollte wissen, heulen die denn jetzt wirklich alle? Irgendwie wollte ich schon immer hinter die Kulissen schauen, und irgendwann kam der Anruf. Ich habe mich riesig gefreut.
teleschau: Haben dann wirklich alle geheult?
Bredehorn: Ich bin mir nicht mehr ganz sicher, ob alle geheult haben, aber ich weiß, dass ich geheult habe (lacht).
teleschau: Was war Ihr Highlight?
Bredehorn: Es gibt viele Highlights. Es ist einfach ein einzigartiges Format. Und unabhängig vom Dreh kann ich schon sagen, dass die ganze Vorbereitung, die Lieder zu erarbeiten und sich damit auseinanderzusetzen, eines der großen Highlights für mich war. Künstlerisch ist das ja für fast alle Neuland. Du hast eine Blaupause, aus der du etwas machen musst. Ich habe meine Stimme als Künstlerin ganz neu für mich entdeckt und mich auch als Sängerin neu kennengelernt.
teleschau: Was macht das Projekt für Sie so besonders?
Bredehorn: Es ist alles super aufregend. Man fliegt nach Südafrika, trifft Künstlerinnen und Künstler aus Genres, mit denen man selbst keine Berührungspunkte hat. Mark Forster wäre vermutlich an mir vorbeigegangen, und ich an ihm. Und jetzt haben wir uns innerhalb kürzester Zeit aufeinander eingelassen. Das ist auch gesellschaftlich ein sehr spannendes Projekt. So etwas müsste einfach viel öfter passieren, dass Menschen aus unterschiedlichen Bubbles aufeinandertreffen und sich unter friedlichen Bedingungen näherkommen.
„Ich bin aufgeräumt in meinem Kopf“
teleschau: Sie haben im April ihren 40. Geburtstag gefeiert. Macht das was mit Ihnen?
Bredehorn: Ich kann es mit den Worten des Grafen sagen: „Ach geil, dann wirst du ja im selben Alter super erfolgreich wie ich.“ Ich kann einfach sagen, dass ich meinen 30. Geburtstag viel schlimmer fand. Da habe ich gehadert und gedacht, jetzt werde ich alt. Aber ehrlich gesagt stimmt alles, was mir meine älteren weiblichen Freundinnen gesagt haben. Ich habe das Gefühl, dass ich die beste Version meiner selbst bin. Ich weiß, was ich will, finde mich unfassbar heiß, liebe mein Leben, habe kaum noch Ängste und kann Dinge, die ich früher nicht konnte.
teleschau: Zum Beispiel?
Bredehorn: Ich kann kommunizieren und Probleme ansprechen. Ich bin aufgeräumt in meinem Kopf, und das Leben macht einfach Spaß. Daher bedeutet mir diese Zahl gar nichts. Es ist einfach eine verdammt gute Phase in meinem Leben.
teleschau: Also wünschen Sie sich für die Zukunft, dass alles so weitergeht?
Bredehorn: Nein, das ist nie meine Antwort, weil ich nie dort bleiben möchte, wo ich bin. Aber ich hoffe, dass ich es schaffe, weiterhin hungrig, wach und aufgeräumt zu bleiben. Die Welt verändert sich einfach zu schnell, als dass alles so bleiben könnte, wie es ist. Ich hoffe, dass ich meinen Kompass nicht verliere und nicht egozentrisch werde. (tsch)
