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Tausende Deutsche sitzen in Nahost festWadephul-Aussage dazu macht nicht nur Miosga fassungslos: „Absurd!“

Aktualisiert

Mehrere tausend Deutsche sitzen in der Golfregion fest. Es sind Geschäftsleute und Touristen, aber auch Urlauber und Urlauberinnen, die gar nicht dort zwischenlanden wollten. Dass die Bundesregierung für ihre Rücktransporte sorgen müsse, glaubt Johann Wadephul allerdings nicht, wie er nun bei „Caren Miosga“ kundtat.

Es beginnt am Samstagmorgen um kurz nach sieben Uhr deutscher Zeit. Da greifen Israel und die USA den Iran an, töten den ältesten Diktator der Region, den iranischen Revolutionsführer Ali Chamenei.

Es soll Menschen gegeben haben, die dessen Tod feiern. Caren Miosga will in einer Sondersendung am Sonntagabend mit ihren Gästen über die Zukunft des Iran diskutieren. Denn klar ist: Das Mullah-Regime ist geschwächt.

„Wir machen das, was wir machen können“

Doch dann kommt es zu einer Äußerung, mit der so wohl niemand gerechnet hat. Nachdem sich die Gäste in einer ersten Fragerunde zu dem Tod des iranischen Präsidenten geäußert haben, spielt Miosga ein Interview ein, das sie vor der Sendung mit Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) geführt hat.

Der wirkt cool, nordisch trocken, solange es um den Tod des iranischen Revolutionsführers geht. Der Iran habe eine Gefahr für die Sicherheit in Europa und für Deutschland dargestellt, daran habe sich nichts geändert, betont Wadephul. „Wenn diese Gefährdung bekämpft wird, wenn diese Gefährdung sich relativieren könnte, wäre das für uns alle gut.“

Ob die gezielte Tötung Chameineis, den US-Präsident Donald Trump als „einen der bösesten Menschen der Welt“ bezeichnet habe, in seinen Augen gerecht sei, fragt Miosga den Außenminister. Wadephul ist Diplomat, beantwortet die Frage nicht.

Der Iran greife Ziele außerhalb des Landes an, bedrohe Zivilisten, sagt er. Das sei ruchlos. „Wenn das ein Ende hat, dann ist das mit Sicherheit gut.“ Mit dem Angriff auf den Iran habe Israel sich schützen wollen, das habe man nicht zu kritisieren, unterstützt Wadephul Bundeskanzler Friedrich Merz, der dies bereits am Nachmittag gesagt hatte.

Aktuell befindet sich eine unbekannte Zahl von Deutschen in der Golfregion. Sie sind beruflich dort, aber auch als Touristen. Und viele sind dort nicht freiwillig. Ihre Flugzeuge mussten dort zwischenlanden, weil mehrere Länder in der Golfregion kurzfristig ihren Luftraum gesperrt hatten. Es seien zu viele, um ihnen helfen zu können, hatte Bundeskanzler Merz am Nachmittag bedauert.

Omid Nouripour sah die Äußerungen des Außenministers kritisch. (Bild: NDR/Thomas Ernst)

Copyright: NDR/Thomas Ernst

Omid Nouripour sah die Äußerungen des Außenministers kritisch. (Bild: NDR/Thomas Ernst)

Wadephul relativiert diese Aussagen zunächst. „Wir machen das, was wir machen können“, verspricht er. „Das heißt, wir versorgen sie tagtäglich mit Informationen über das, was möglich ist in dieser Situation.“

Und weiter: „Das ist eine schwierige Situation. Wir tun in der Situation, was möglich ist. Wir sind mit unseren Partnern im Gespräch, vor allem sind wir mit allen Reiseverkehrsunternehmen in einem engen Gespräch.“ Das Auswärtige Amt evaluiere jetzt vor allem Möglichkeiten.

„Dass sich jetzt die deutschen Touristen mit den russischen Touristen in Dubai darum prügeln, wer welches Auto mieten kann, damit man mit welchen Visum auch immer nach Riad kommen kann, ist absurd“, beklagte Omid Nouripour (rechts). (Bild: NDR/Thomas Ernst)

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„Dass sich jetzt die deutschen Touristen mit den russischen Touristen in Dubai darum prügeln, wer welches Auto mieten kann, damit man mit welchen Visum auch immer nach Riad kommen kann, ist absurd“, beklagte Omid Nouripour (rechts). (Bild: NDR/Thomas Ernst)

Allerdings erklärt Wadephul auch: „Das Auswärtige Amt hat seit vier oder sechs Wochen gewarnt, darauf hingewiesen, dass die Lage in der Region sich verschärft. Jeder hat das ja auch in den Nachrichten verfolgen können.“

Kommerziell verantwortlich für den Rücktransport von Menschen, die in der Golfregion festsäßen, seien die Reiseunternehmen. „Aber alle Mitarbeitenden des Auswärtigen Amtes tun alles Menschenmögliche, um das auch zu gewährleisten.“

„Das ist staatliche Aufgabe!“

Ob auch das Außenministerium Evakuierungsflüge plane, wenn dies wieder möglich sei, will Miosga wissen. „Ich will noch mal festhalten: Es sind die Reiseunternehmen dafür verantwortlich, auch den Rücktransport zu ermöglichen. Wir unterstützen selbstverständlich, das ist unsere Aufgabe.“

Irgendwann seien auch irgendwelche Charterverbindungen wieder möglich, so Wadephul. Aber es scheint so, als seien vor allem Touristen aktuell auf sich allein gestellt. „Zum jetzigen Zeitpunkt muss man versuchen, auf dem Landweg ein Nachbarland zu erreichen, wo noch geflogen wird“, fordert Wadephul die Urlauber auf. „Ich kann nicht sagen, wann das - ein Flug - wieder möglich ist, denn wir alle müssen uns darauf einstellen, dass dieser Konflikt länger dauert.“

„Also ein Stück weit sind die auch selbst für sich verantwortlich, wenn ich sie richtig verstehe. Sie haben eine Warnung ausgesprochen, und wer dann da hinfährt - bitte schön“, kontert Caren Miosga ungläubig. „In der Tat: Es war nicht ganz unbekannt, dass das gefährlich werden könnte“, antwortet der Diplomat. „Ich will hier auch keine Vorwürfe erheben“, lenkt der Minister dann doch schnell ein. Sein Ministerium helfe, und: „Wir sind guten Mutes, dass wir in den nächsten Tagen viele davon nach Hause bringen.“

Kopfschütteln bei Omid Nouripour. Der stellvertretende Bundestagspräsident kann die Aussagen des Ministers nicht nachvollziehen, „weil es in der Vergangenheit auch immer wieder passiert ist, dass zum Beispiel der Landweg, den der Außenminister gerade bemüht hat, organisiert worden ist, auch von der Bundesregierung. Sie haben als Bundesregierung einen Eid geschworen, den Leuten auch in einer solchen Situation zu helfen. Und da hilft es nicht, viermal zu sagen: 'Ich habe euch doch gewarnt, Pech gehabt.'“

Nouripour fordert das Außenministerium auf, Menschen zu unterstützen, funktionierende Flughäfen auf dem Landweg zu erreichen. „Dass sich jetzt die deutschen Touristen mit den russischen Touristen in Dubai darum prügeln, wer welches Auto mieten kann, damit man mit welchen Visum auch immer nach Riad kommen kann, ist absurd“, sagt der Grünen-Politiker. „Das ist staatliche Aufgabe.“ (tsch)

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