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Bei diesem ThemaAmthor in Erklärungsnot: „Herr Lanz, das ist doch billig!“

Aktualisiert

Als es bei „Markus Lanz“ um die stockenden Reformen der Bundesregierung ging, versuchte CDU-Politiker Philipp Amthor vergeblich, die schwarz-rote Koalition in Schutz zu nehmen. Zwischen Rechtfertigungen und rhetorischen Ausflüchten wurde deutlich: Die großen Versprechen stehen auf wackligen Füßen.

Der jüngste Militärschlag der USA gegen Venezuela offenbarte einmal mehr: Donald Trump macht, was er will.

Auch Start-up-Investor Christian Miele zeigte sich deswegen bei „Markus Lanz“ besorgt. Am Donnerstagabend (8. Januar) forderte er ein starkes Auftreten der Europäischen Union und sagte: „Wir müssen selber wieder stark werden und unseren Platz auch an diesem Erwachsenentisch zurückverdienen.“

Deutschland muss sich dringend um eigenen Wirtschaftsstandort kümmern

Journalistin Eva Quadbeck konnte dem nur zustimmen und ergänzte, dass das Handeln von US-Präsident Donald Trump deutlich zeige, „dass das Völkerrecht nicht mehr diese Geltung hat, die es hatte und dass sich die Welt eben in Einflusssphären neu aufteilt“.

Gerade deshalb machte Christian Miele immer wieder deutlich, dass Deutschland sich dringend um seinen eigenen Wirtschaftsstandort kümmern müsse, denn: „Die Nachfrage nach Energie wird in den nächsten Jahrzehnten noch und nöcher zunehmen.“ Miele weiter: „Wir sind in einer Bredouille gefangen als deutscher Industriestandort. (...) Wir haben ein gigantisches Problem vor uns.“

CDU-Politiker Philipp Amthor redete sich bei „Markus Lanz“ um Kopf und Kragen, als er zur geplanten Staatsmodernisierung befragt wurde. (Bild: ZDF / Markus Hertrich)

CDU-Politiker Philipp Amthor redete sich bei „Markus Lanz“ um Kopf und Kragen, als er zur geplanten Staatsmodernisierung befragt wurde. (Bild: ZDF / Markus Hertrich)

Der Urenkel des Industriellen Carl Miele fügte mit ernster Miene hinzu: „Es ist jetzt an der Zeit, dass wir, wenn wir von diesem Kuchen noch was abhaben möchten, an dieser Transformation noch teilnehmen. Es geht - aber so wie es jetzt läuft, geht's eben nicht!“

Lanz wies in diesem Zusammenhang auf das Schreiben von Friedrich Merz an seine Koalitionspartner hin. In dem Brief erklärte Merz, dass die Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit in Deutschland zu niedrig seien.

„Nein, Stopp!“: Markus Lanz fährt Philipp Amthor beim Thema Reformen in die Parade

Wie kommt Deutschland bei Reformen schneller in Gang? Diese Frage spaltete am Donnerstagabend die Diskussionsrunde bei „Markus Lanz“. (Bild: ZDF / Markus Hertrich)

Wie kommt Deutschland bei Reformen schneller in Gang? Diese Frage spaltete am Donnerstagabend die Diskussionsrunde bei „Markus Lanz“. (Bild: ZDF / Markus Hertrich)

„Er mahnt und ruft dazu auf, 2026 nun die richtigen Entscheidungen zu treffen“, erklärte Journalistin Eva Quadbeck.

Dies brachte Lanz schließlich auf das Thema Reformen zu sprechen. Er wollte von CDU-Politiker Philipp Amthor wissen: „Sie haben sich im Herbst fast zerlegt wegen eines Prozentpunkts bei der Frage der Rente. Ist das der Herbst der Reformen?“

Während Amthor zunächst mit einem knappen „Nein“ antwortete, erläuterte er weiter, dass innerhalb der Regierung durchaus Selbstkritik angebracht sei: „Der Reformstau in diesem Land ist ja auch nicht nur in drei Jahren Ampel entstanden. Der ist auch in unserer Regierungsverantwortung entstanden und der ist größer, als wir ihn addressiert haben.“

Start-up-Investor Christian Miele prognostizierte am Donnerstagabend, dass die schwarz-rote Koalition das Jahr 2026 nicht überleben werde. (Bild: ZDF / Markus Hertrich)

Start-up-Investor Christian Miele prognostizierte am Donnerstagabend, dass die schwarz-rote Koalition das Jahr 2026 nicht überleben werde. (Bild: ZDF / Markus Hertrich)

Die Selbstkritik hielt jedoch nicht lange an, denn Amthor sinnierte stattdessen weiter über die positiven Dinge, die die schwarz-rote Koalition bereits umsetzen konnte. Lanz unterbrach den Politiker jedoch streng: „Nicht ablenken, Herr Amthor.“ Der ZDF-Moderator machte deutlich: „Wenn das alles so sensationell wäre, würden Sie nicht bei 13 Prozent stehen (...) in Umfragen.“ Philipp Amthor stichelte prompt zurück: „Was heißt denn sensationell? Wo würden wir denn stehen, wenn wir unsere Versprechen brechen würden?“

Lanz konterte irritiert: „Nein, Stopp! (...) Wo würden Sie stehen, wenn Sie Ihre Versprechen halten würden? Das wäre ein Knaller!“ Als Philipp Amthor beteuerte, dass die Koalition durchaus auch Versprechen halte, hakte Lanz hartnäckig nach: „Welche? Schuldenbremse? Herbst der Reformen?“

Markus Lanz weist Philipp Amthor in die Schranken: „Das ist ja Quatsch!“

Diese Stichelei wollte sich Philipp Amthor nicht gefallen lassen. Er echauffierte sich über den ZDF-Moderator: „Herr Lanz, das ist doch jetzt billig!“ Lanz hielt unbeeindruckt dagegen: „Sie haben reihenweise Versprechen gebrochen. Deswegen stehen Sie doch da, wo Sie stehen!“

Eindeutige Antworten konnte Markus Lanz (links) seinem Gast Philipp Amthor nur selten entlocken. (Bild: ZDF / Markus Hertrich)

Eindeutige Antworten konnte Markus Lanz (links) seinem Gast Philipp Amthor nur selten entlocken. (Bild: ZDF / Markus Hertrich)

Ähnlich pessimistisch blickte Christian Miele auf das politische Geschehen. Er teilte die finstere Prognose: „Ich persönlich bin der Meinung, dass diese Koalition 2026 nicht überstehen wird. (...) Ich habe den Glauben daran verloren.“ Philipp Amthor sah das naturgemäß anders und beklagte: „Es nervt mich, dass wir eine öffentliche Diskussion haben, (...) wo nur noch über Stimmungen im Land gesprochen wird. (...) Das ist eine Entpolitisierung der Diskussion.“ Lanz konterte daraufhin genervt: „Das ist ja Quatsch!“

Social-Media-Verbot bis 16 Jahre? Amthor drückt sich um klare Aussage

Er lockte den CDU-Politiker auch aus der Reserve, als es um das viel diskutierte Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige ging. Der Staatssekretär des Digitalministeriums entgegnete schwammig: „Ich finde, wenn es technisch solide umsetzbar ist, kann man darüber nachdenken.“ Dennoch warnte er, dass die vielen Probleme im Netz nicht „rein durch Verbote“ gelöst werden können. „Das war alles nicht die Antwort auf meine Frage“, ermahnte Lanz ihn. Philipp Amthor widersprach: „Doch, das war die Antwort auf Ihre Frage.“

Der ZDF-Moderator blieb jedoch bei seiner Meinung und sagte: „Nein, an keiner Stelle. Das war die klassische Politiker-Antwort, die ich an der Stelle immer kriegen würde. Ich würde gerne von Ihnen wissen: Sind Sie dafür, Social Media bis 16 zu verbieten? Ganz einfache Frage - Ja oder Nein?“ Doch Amthor drückte sich erneut: „In einem Abwägungsprozess würde ich im Moment sagen: Die Altersschwelle sollte wahrscheinlich anders, geringer sein.“ (tsch)