3

„Markus Lanz“Als es um WM geht, platzt Marcel Reif der Kragen: „Das ist Wahnsinn!“

Bei „Markus Lanz“ erinnerte sich Marcel Reif mit Freude an ehemalige Weltmeisterschaften in Italien, Mexiko oder auch Deutschland. (Bild: Cornelia Lehmann / ZDF)

Copyright: Cornelia Lehmann / ZDF

Bei „Markus Lanz“ erinnerte sich Marcel Reif mit Freude an ehemalige Weltmeisterschaften in Italien, Mexiko oder auch Deutschland. 

Aktualisiert:

Bei „Markus Lanz“ rechnete Sportjournalist Marcel Reif mit der aktuellen WM ab: zu groß, zu teuer, zu weit auseinandergezogen. Vor allem die Dimensionen des Turniers machten ihm Sorgen - sportlich wie kulturell. Reif warnte, dass Fans und Nachwuchs dabei auf der Strecke bleiben würden.

Die Fußballweltmeisterschaft läuft und zeigt, dass die Bedeutung längst über das Sportliche hinausgeht. Auch bei „Markus Lanz“ ging es am Mittwochabend nicht nur um Taktik und Turnierverlauf, sondern auch um die Frage, wie sehr ein Großereignis Stimmung, Gesellschaft und Politik beeinflussen kann. Zunächst aber echauffierte sich Sportjournalist Marcel Reif über die „Gigantomanie“, die seit rund zwei Wochen in Kanada, USA und Mexiko zu beobachten sei.

„Mir ist das alles zu viel, zu groß, zu gigantomanisch“, so Reif deutlich. Auch Fußballexpertin Gaby Papenburg fand klare Worte und gab zu, dass sich für sie etwas Grundsätzliches verändert habe: Das besondere Fußballgefühl von 2006 und 2014 sei „unwiederbringlich verloren“ gegangen und komme auch „nicht mehr zurück“.

„Das hat mit einer WM nichts zu tun“

Eine Einschätzung, der Reif sich anschließen musste. Der Kommentator kritisierte außerdem, dass die WM durch die Austragung in mehreren Ländern für viele Fans zur logistischen Zumutung werde. Die teils riesigen Distanzen und die notwendigen Flugreisen passten für ihn nicht zum Charakter eines Turniers. Sein Fazit: „Das hat mit einer WM nichts zu tun.“ Er fragte in dem Zusammenhang: „Wo hat das eine eigene Identität noch? (...) Da frisst sich das Ding selber.“

Journalist Robin Alexander erklärte, dass der Fußball für Politiker auch eine Art „Popularitätsressource“ sei. (Bild: Cornelia Lehmann / ZDF)

Copyright: Cornelia Lehmann / ZDF

Journalist Robin Alexander erklärte, dass der Fußball für Politiker auch eine Art „Popularitätsressource“ sei.

Auch die Preisentwicklung rund um das Turnier trieb Reif um. Besonders die Ticketpreise bezeichnete er als untragbar und wetterte: „Das ist obszön! Das ist Wahnsinn! (...) Unsere Kinder kriegen wir so nicht mehr ins Stadion.“ Für ihn gehe damit ein Stück Fußballkultur verloren.

Robin Alexander erklärt „Stimmungsumschwung in der Politik“ während der WM 2006

Reif formulierte seine Sorge so: „Es geht in Dimensionen, die nicht mehr zu greifen sind. (...) Das hat mit irgendeiner Normalität nichts mehr zu tun.“ Trotz der Kritik lenkte Markus Lanz die Diskussion auf eine andere Ebene und wollte wissen: Kann ein sportlicher Erfolg der deutschen Mannschaft auch die Stimmung im Land - und sogar politische Entscheidungen - beeinflussen? Journalist Robin Alexander reagierte schmunzelnd und verwies auf die Weltmeisterschaft 2006 - „das berühmte Sommermärchen“. Damals sei sogar „ein Stimmungsumschwung in der Politik“ messbar gewesen, so Alexander.

Mit Blick auf die Gegenwart bremste er jedoch jegliche Erwartungen. „Jetzt haben wir ja noch gar nicht die Reformen, die werden ja erst - wenn wir Glück haben - in der nächsten Woche beschlossen. (...) Deshalb glaube ich, dass dieser Effekt 1:1 nicht funktioniert.“ Lanz blieb hartnäckig und erinnerte an 2006 sowie an die damals durchgesetzte, „legendäre Steuererhöhung“. Er wollte wissen: „Ist das ein guter Moment, solche Dinge zu beschließen, wenn die Leute abgelenkt sind von Fußball? Und ist das auch sozusagen die direkte Linie, die zu den anstehenden Reformen jetzt führt?“

Robin Alexander über Politiker, die Fußball für sich nutzen: „Das ist eine Popularitätsressource“

Robin Alexander warnte davor, die Parallelen zu stark zu ziehen: „Man darf das jetzt nicht überstrapazieren.“ Gleichzeitig räumte er ein, dass derzeit „über die Rentenreform“ gesprochen werde. „Das erzählt sich schon zusammen“, meinte der Journalist - und lieferte Lanz damit den Übergang zur politischen Inszenierung rund um die Nationalelf. So kam auch ein Anruf von Bundeskanzler Friedrich Merz bei der deutschen Mannschaft zur Sprache.

Robin Alexander zeigte sich amüsiert: „Das ist eine Popularitätsressource und die wird professionell bewirtschaftet von der Politik.“ Gaby Papenburg wiederum verwies auf das Bedürfnis vieler Menschen nach Zusammenhalt - gerade in unruhigen Zeiten. Am Ende wünschten sich viele Bürger mehr Einigkeit, „weil es eben ablenkt (...) von diesen ganzen schlechten Dingen, die da gerade im Moment im Gange sind und auch von dieser Zwietracht und von dieser Uneinigkeit“. (tsch)

Vor genau 30 Jahren kam „Independence Day“ in die Kinos. Was wurde aus den Stars des Blockbustes, darunter Will Smith (links) und Jeff Goldblum? (Bild: Twentieth Century Fox Film Corporation)
30 Jahre nach Kinostart
Das wurde aus den „Independence Day“-Stars