„Jedes Mädchen hat seine Geschichte in Berlin“. Von K.-o.-Tropfen bis zu sexuellen Übergriffen zeigt eine neue ZDF-Reportage, wie groß die Angst vieler Frauen im Alltag ist. Mit innovativen Ideen sollen Städte sicherer gemacht werden.
„Da waren K.o.-Tropfen drin“ZDF-Doku zeigt den Kampf um die Sicherheit junger Großstädterinnen

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Varvara Borodkina ist Teil des Teams von „think SI3“. (Bild: ZDF/Felix Korfmann)
„Es sind teilweise aggressive Leute“, klagt eine Passantin am Berliner Bahnhof Zoo. Zwischen Reisenden halten sich hier auch zahlreiche wohnungslose Menschen auf. Mitten in diesem Umfeld ist Varvara Borodkina regelmäßig als Bahnhofsläuferin im Einsatz. Gemeinsam mit ihrem Team setzt sie auf Präsenz, Gewaltprävention und persönliche Gespräche, um Menschen seelisch zu unterstützen und für mehr Sicherheit zu sorgen. Die neue ZDF-Reportage „plan b: City vibes -Wie machen wir unsere Städte sicherer?“ begleitet sie bei ihrer Arbeit.
Varvara ist Teil des Berliner Unternehmens „think SI3“. Die junge Frau ist nicht nur am Bahnhof unterwegs, sondern gehört auch zum Awareness-Team im Berliner Mauerpark. Besonders junge Frauen und Jugendliche werden dort immer wieder belästigt. „Jedes Mädchen hat eine Geschichte in Berlin“, erzählt ein Mädchen dem ZDF-Team.
Eine andere junge Frau kann das bestätigen. Sie berichtet, dass sie in einem anderen Berliner Park unter Drogen gesetzt wurde. Sie habe nicht auf ihre Eltern gehört und Getränke „von irgendwelchen Fremden“ angenommen. „Da waren K.o.-Tropfen drin. Dementsprechend kann man sich schon denken, was passiert ist“. Was genau sie damit meint, verrät sie dem Team nicht. Obwohl sich der Vorfall in der Öffentlichkeit abspielte, habe „keiner was bemerkt“. Varvara und ihr Team wollen dazu beitragen, dass solche Situationen künftig verhindert werden.
Souleymane Sow ist Geschäftsführer und Gründer von „think SI3“. Besonders stolz ist er auf die Vielfalt seines Teams. Insgesamt werden dort 27 verschiedene Sprachen gesprochen, was die Kommunikation mit Menschen unterschiedlichster Herkunft erleichtert. Doch auch die Teammitglieder geraten immer wieder selbst in schwierige Situationen und erleben Rassismus.
Im vergangenen Jahr registrierte die Berliner Polizei rund 500.000 Straftaten. Bundesweit waren es etwa 5,5 Millionen. Den größten Anteil machten Diebstähle mit 32 Prozent aus, gefolgt von Betrugsdelikten mit 12,4 Prozent.
„Ob eine kleine Beleidigung, Catcalling oder Anfassen - passiert leider viel zu oft“

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Tilman Rumland ist Gründer von „SafeNow“. (Bild: ZDF/Luca Zanner)
Doch auch in München fühlen sich viele Frauen unsicher. Eine junge Frau berichtet dem ZDF-Team, dass sie nur mit Freunden in den Club gehe, mit denen sie sich „gut verstehe“ und die immer für sie da seien. „Ich pass da sehr auf, dass ich mich immer auf die Leute verlassen kann. Ob eine kleine Beleidigung, Catcalling oder Anfassen - passiert leider viel zu oft“. Eine andere Frau schildert ähnliche Erfahrungen. Sie habe ihr Getränk „immer im Blick“, um sich davor zu schützen, unbemerkt unter Drogen gesetzt zu werden.
Dass selbst Security-Personal nicht jeden Vorfall verhindern kann, zeigt der tragische Fall von Tilman Rumland. Seine damalige Freundin wurde in einem Club Opfer eines Übergriffs und konnte keine Hilfe holen. „Ich war fassungslos. Und dachte: Dafür muss es im 21. Jahrhundert doch eine Lösung geben“, erinnert sich Tilman.
Daraufhin entwickelte er ein Alarmsystem, das über das Smartphone ausgelöst werden kann. Wer Hilfe benötigt, kann einen Alarm senden. Die Security erhält diesen direkt auf ihr Handy und kann gleichzeitig den genauen Standort der betroffenen Person sehen. „SafeNow“, so heißt die App, kann kostenlos heruntergeladen werden.
Wie wirksam diese App sein kann, zeigte sich auf dem vergangenen Oktoberfest. Dort gelang es den Sicherheitskräften deutlich schneller und gezielter einzugreifen und Betroffenen zu helfen. Gleichzeitig konnten angespannte Situationen frühzeitig entschärft werden. Gerade während des Oktoberfests kommt es immer wieder zu Übergriffen. Im vergangenen Jahr wurden rund 800 Anzeigen registriert. Darunter befanden sich 72 Sexualdelikte und fünf Vergewaltigungen.
KI gegen Gewalt in Bremen
Auch in Bremen ist die Entwicklung besorgniserregend. Die Zahl der Gewalttaten in Bus und Bahn hat sich seit der Corona-Pandemie mehr als verdreifacht. Im Jahr 2025 wurden bis zu 256 Übergriffe erfasst. Um diesem Problem entgegenzuwirken, wurde eine Künstliche Intelligenz entwickelt, die Gefahrensituationen erkennen soll.
Registriert das System auffällige Szenen, schlägt es Alarm. Die KI analysiert Kamerabilder und informiert die Leitstelle der Verkehrsbetriebe. Die endgültige Bewertung übernimmt jedoch weiterhin ein Mensch. Das Nachrüsten einer Bahn kostet rund 10.000 Euro, wovon etwa 80 Prozent durch das Bundesverkehrsministerium übernommen werden.
Auch in Wien wird aktiv gegen das Unsicherheitsgefühl in Städten vorgegangen. Die Architektursoziologin Julia Girardi-Hoog setzt sich dafür ein, bedrohlich wirkende Plätze freundlicher zu gestalten. Mehr Licht an dunklen Orten soll dazu beitragen, dass Menschen sich auf ihrem Heimweg sicherer fühlen.
Ob Lichtkonzepte, Apps oder Künstliche Intelligenz unsere Städte tatsächlich sicherer machen? Hoffentlich. Leider steht fest: Den eigentlichen Ursachen von Gewalt können diese Maßnahmen jedoch nicht auf den Grund gehen.
„plan b: City vibes - Wie machen wir unsere Städte sicherer?“ ist bereits in der Mediathek verfügbar und läuft am Sonntag, 5. Juli, um 15.30 Uhr im ZDF. (tsch)
