Und Geschichte wiederholt sich doch! 1980 fragte Reporter Bruno Moravetz verzweifelt nach Langläufer Jochen Behle. Jetzt, bei der Langlauf-Entscheidung in der Nordischen Kombination, kam Vinzenz Geiger abhanden. „Wo ist er? Ich finde ihn nicht“, barmte Reporter Torsten Püschel.
ARD-Reporter erlebt „Behle-Moment“ bei Olympia„Wo ist Geiger? Ich finde ihn nicht?“

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Vinzenz Geiger, hier bei der Nordischen Ski-WM 2025 in Trondheim, brach bei der Langlauf-Entscheidung in der Nordischen Kombination ein und sorgte für einen echten „Behle-Moment“. (Bild: 2025 Getty Images/Christophe Pallot/Agence Zoom)
Aktualisiert
„Wo ist Behle?“ Bruno Moravetz wurde wegen seiner verzweifelten Suche nach Jochen Behle 1980 bei den Olympischen Spielen in Lake Placid zur Reporter-Legende. Marius Müller-Westernhagen machte aus „Wo ist Behle?“ sogar ein Lied. Auch Jochen Behle selbst wurde ein Langlauf-Evergreen und später zu einem der erfolgreichsten deutschen Langlauf-Trainer.
Ob das den Protagonisten der heutigen Langlauf-Entscheidung in der Nordischen Kombination der Männer auch so gehen wird? Die sportliche Voraussetzung bot - leider - Vinzenz Geiger. Der Titelverteidiger (Olympiasieg 2022) war auf der letzten der vier 2,5 Kilometer langen Runden durch den schweren, pappigen Schnee in Tesero plötzlich verschwunden. Zuvor waren sieben Favoriten gemeinsam durchs weiße Geläuf gehastet. Dann fehlte Geiger von jetzt auf gleich im bis dahin gewohnten Siebener-Korso.
Torsten Püschel machte den Moravetz. „Wo ist er? Ich finde ihn nicht!“ Und dann, fast verzweifelt flüsternd: „Er ist stehen geblieben am Anstieg.“ Das war's mit den deutschen Medaillenchancen, denn Johannes Rydzek und Julian Schmid waren von Haus aus mit letztlich zu großem Rückstand in die Loipe gegangen.
Vinzenz Geiger geht im „Gemetzel“ von Tesero unter

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Nach dem Springen konnte sich der Nordische Kombinierer Vinzenz Geiger noch Medaillenchancen ausrechnen. (Bild: 2026 Getty Images/Alex Pantling)
„Das ist wildes Skifahren hier“, seufzte Püschel, als vorne auf dem letzten Kilometer die Post abging. Entschieden sei noch nichts, meinte Püschel, denn: „Wie schnell man explodieren kann, hat man ja gesehen. An Vinzenz Geiger, der urplötzlich stehen blieb.“
Die Strecke in Tesero heißt „Blue“ - und Geigers Muskeln wurden blau. Traurig, aber wahr. Geiger hatte nichts mehr zuzusetzen. Am Ende kam er erschöpft als Zehnter rein, noch zwei Plätze hinter Johannes Rydzek und gleichauf mit Akito Watabe, dem „großen Japaner“ (O-Ton Püschel) - der schlanke neun Jahre älter ist als der 28-jährige Geiger. Der dritte deutsche Starter, Julian Schmid, wurde 14. Schmid hatte schon vorher geahnt, dass es schlimm werden würde: „Das wird ein Gemetzel heute“, sagte er vor dem Start.
Die meisten Körner auf der Ziellinie hatte der Norweger Jens Luras Oftebro, der vor dem Österreicher Johannes Lamparter Gold holte. Bronze, und damit die erste finnische Medaille seit 24 Jahren, ging an Eero Hirvonen. Es gab also auch wahr gewordene Märchen.
Warum es für Geiger nicht klappte? „Ich hab mich heute nicht so gut gefühlt. Es war hart heute und um da zu gewinnen, hätte ich schon in Topform sein müssen - und das war ich definitiv nicht“, gestand er im ARD-Interview. „Das gibt's, dass man mal nicht so'n guten Tag hat.“ Aber er blickte gleich nach vorn: „Ich habe ja noch zwei Chancen. Da greif ich noch mal an.“
Dann ist er hoffentlich auch bis zum Schluss im Bild. (tsch)

