Tom war spielsüchtig, ließ Tausende Euros in der Spielothek und hatte am Ende sogar mit körperlichen Folgen seiner Sucht zu kämpfen. In der ZDF-Reportage „37°Leben: Comeback: Spielsucht“ erzählt er, wie er die Sucht hinter sich ließ und es schaffte, sein Leben neu zu ordnen.
„Angst, zu sterben“Tom (28) erzählt im ZDF, wie seine Spielsucht fast sein Leben ruinierte

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Seine Herzprobleme betrachtet Tom (28) als Warnsignal und als Weckruf: „Dass ich endlich angefangen habe, hinzuschauen: Was ist mir passiert?“ (Bild: ZDF/ Markus Haist)
Eine Spielsucht kann Betroffene in den finanziellen Ruin treiben - aber auch schwere psychische und körperliche Folgen mit sich bringen. Das musste Tom am eigenen Leib erfahren. Der 28-Jährige war süchtig nach Glücksspiel, verbrachte Stunden in der Spielothek und verzockte teils vierstellige Beträge. In der ZDF-Reportage „37°Leben: Comeback: Spielsucht“ spricht er offen über seinen Weg aus der Sucht.
„Am schlimmsten war es, als ich damals mit meiner Ex-Freundin zusammen gekommen bin und ihr Haus auf dem Weg zur Spielhalle lag, in der ich immer gespielt hab“, erinnert sich Tom. Er sei regelmäßig mitten in der Nacht aufgebrochen, unter dem Vorwand, dass es ihm nicht gut gehe, nur um in die Spielothek zu fahren. „Weil ich abends, anstatt mit meiner Freundin im Bett zu liegen, lieber zocken gegangen bin“, gibt er rückblickend zu. „Du kannst nicht in Ruhe schlafen, bis du deine Sucht befriedigst hast.“
Der 28-Jährige ließ sich mehrmals sperren, kehrte aber immer wieder an die Automaten zurück. Der Gang in die Spielhalle habe sich für ihn irgendwann angefühlt, wie nach Hause zu kommen. Schon auf der Hinfahrt habe er Dopamin-Schübe verspürt, „weil man wusste, man wirft gleich sein Geld da rein und es könnte was passieren, man könnte ja Geld gewinnen“.
Toms größter Gewinn an einem Automaten seien rund 1.600 Euro gewesen. Er erinnert sich, bis zu fünf Stunden an den Automaten verbracht zu haben, um sich das Geld auszahlen zu können. Doch befriedigt war die Sucht damit nicht.
„Diese Angst zu sterben, hatte ich so noch nie gehabt“

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„Am Anfang gehst Du mit 30 Euro in die Spielothek,“ sagt Tom (28). „Am Ende waren es jeden Abend 200 Euro.“ In vier Monaten verzockte er 7.000 Euro. (Bild: ZDF/ Markus Haist)
Heute weiß er: „Man verliert die Kontrolle über sein Geld, über seine Gedanken, über sich selbst.“ Das geschehe nicht plötzlich, sondern sei ein schleichender Prozess. „Am Anfang gehst du mit 30 Euro in die Spielhalle, dann irgendwann mit 50 und 100“, so Tom. Am Ende habe er jeden Abend 200 Euro mit in die Spielothek genommen.
2023 beginnt der heute 28-Jährige einen neuen Job. Dort lässt er sich von seinen Problemen nichts anmerken, fährt jedoch weiterhin nachts in die Spielothek. „Das war dann die Zeit September bis Ende des Jahres, wo ich wieder fast 6.000, 7.000 Euro verzockt habe und dann auch Kredite aufnehmen musste, weil ich einfach nicht mehr nachgekommen bin mit den ganzen Schulden“, berichtet er.
Die Sucht habe den 28-Jährigen völlig im Griff gehabt. Bis er eines Tages plötzlich Einschlafprobleme bekam und sogar Panikattacken erlitt. Tom erinnert sich, wie er einst vom Feiern nach Hause gekommen sei und extremes Herzrasen und Schwindel verspürte. Als ihm schließlich schwarz vor Augen wurde, bat er eine Freundin um Hilfe und rief einen Rettungswagen. „Ich hab noch nie so eine Angst gefühlt wie in dem Moment“, gibt Tom zu. „Diese Angst zu sterben hatte ich so noch nie gehabt.“
Heute ist Tom in der „besten Form seines Lebens“
Für den 28-Jährigen war klar: „An dem Punkt war für mich die Grenze erreicht.“ Er habe erkannt, dass hinter der Sucht vor allem „die Flucht vor mir selbst“ steckte. Er beschloss, sein Leben umzukrempeln, hörte auf zu rauchen, trank keinen Alkohol mehr und schwor dem Glücksspiel ab. Stattdessen konzentrierte er sich auf Sport und Meditation und verbrachte viel Zeit in der Natur.
Auf Instagram thematisiert er ebenfalls seinen Kampf gegen die Sucht, um aufzuklären und anderen Betroffenen zu helfen. Mittlerweile ist er seit fast einem Jahr suchtfrei, hat seine Schulden abbezahlt und sei in der „besten Form seines Lebens“. Rückblickend erklärt Tom: „Man realisliert das erst im Nachhinein, wie gefangen man eigentlich war in seinem eigenen Kopf.“
Das ZDF zeigt die Reportage „37°Leben: Comeback: Spielsucht“ im Streamingportal sowie am Sonntag, 6. September, um 9.03 Uhr, im linearen Programm. (tsch)
