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80er-PopstarWas macht eigentlich Jimmy Somerville?

Mit Bronski Beat und den Communards eine der bekanntesten Stimmen 80er-Jahre: Jimmy Somerville (Bild aus der Doku „Jimmy Somerville - Smalltown Boy“) feiert am 22. Juni seinen 65. Geburtstag. (Bild: ARTE/Pop Films/13 Prods)

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Mit Bronski Beat und den Communards eine der bekanntesten Stimmen 80er-Jahre: Jimmy Somerville (Bild aus der Doku „Jimmy Somerville - Smalltown Boy“) feiert am 22. Juni seinen 65. Geburtstag. (Bild: ARTE/Pop Films/13 Prods)

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Mit „Smalltown Boy“ und seiner unverwechselbaren Falsettstimme wurde er in den 80ern zur Stilikone und zum offenen Sprachrohr der Schwulenbewegung: Jimmy Somerville feiert am 22. Juni seinen 65. Geburtstag - und hat immer noch viel zu sagen.

Seine Stimme erkennt man sofort, dieses unverwechselbare Falsett, das Songs wie „Smalltown Boy“, „Why?“ oder „Don't Leave Me This Way“ zu Pop-Klassikern der 80er-Jahre machte.

Die großen Chart-Erfolge von Jimmy Somerville liegen zwar Jahrzehnte und sein letztes neues Album „Homage“ (2015) auch schon länger zurück, doch von der Bildfläche verschwunden ist der schottische Sänger, der am 22. Juni 65 Jahre alt wird, keineswegs.

„Ich gegen den Rest der Welt“

Wer dieser Tage auf Jimmy Somervilles Facebook-Seite schaut, findet keinen alternden Popstar, der sich in Nostalgie suhlt. Stattdessen ein kurzes Video, darunter der Kommentar: „I'm a proud woke anti-fascist..! Jimmy x.“ Somerville lebt heute abwechselnd in London und Brighton.

Noch immer arbeitet er als Musiker, kümmerte dabei aber zuletzt - etwa mit mehreren Wiederveröffentlichungen seiner (Solo-)Alben - vor allem um sein musikalisches Erbe. Jenes ist lebendiger denn je: Derzeit ist in Großbritannien die Show „The Age of Consent“ zu sehen, die das gleichnamige Bronski-Beat-Debüt mit Trans- und Queer-Künstlern auf die Bühne bringt.

Bis heute tritt Jimmy Somerville immer wieder mit seinen Hits der 80er-Jahre auf. (Bild: Matthias Rietschel/Getty Images)

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Bis heute tritt Jimmy Somerville immer wieder mit seinen Hits der 80er-Jahre auf. (Bild: Matthias Rietschel/Getty Images)

Der Weg zu queeren Ikone war jedoch weit: Jimmy Somerville wird am 22. Juni 1961 im Glasgower Arbeitermilieu geboren - Mutter Fabrikarbeiterin, Vater Dachdecker, der stirbt, als Jimmy 13 ist. Für einen jungen, schwulen Mann aus der Arbeiterklasse ist das schottische Glasgow ein feindseliges Pflaster. Mit 17 flieht er nach London. „Ich war ein junger schwuler Mann, der ein bisschen verloren war“, erzählte er dem „Independent“. „Es war ich gegen den Rest der Welt.“

Die ersten Jahre sind hart: Malerjobs, Spott von Kollegen, Gewichtsverlust. Bis ein Arzt ihm und einem Freund Zimmer anbietet - ohne Gegenleistung. In einer besetzten Künstlerwohnung singt er bei einem Videodreh spontan ein Gedicht. Mitbewohner Richard Coles fällt seine ungewöhnliche Stimme auf. „Ich hatte vorher noch nie geübt, und es kam einfach so heraus“, erzählte er dem „Independent“. Über die Kunst- und Musikszene lernte er weitere Gleichgesinnte kennen. Schließlich gründete er gemeinsam mit Steve Bronski und Larry Steinbachek die Band Bronski Beat.

Seit jeher politisch engagiert: Jimmy Somerville (vierter von links) unterstützte in den 80er-Jahren die britische Labour Party. (Bild: Keystone/Getty Images)

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Seit jeher politisch engagiert: Jimmy Somerville (vierter von links) unterstützte in den 80er-Jahren die britische Labour Party. (Bild: Keystone/Getty Images)

1984 erscheint „Smalltown Boy“ - autobiografisch, direkt, mutig. Der Song erzählt von einem jungen Homosexuellen, der homophobe Gewalt erlebt und seine Heimat verlässt. Platz drei in den britischen Charts. Somerville ist 22. „Komischerweise würde ich sogar sagen, dass mir meine politischen Anliegen damals wichtiger waren als die Musik“, sagt er rückblickend.

Die Musik- und Klatschpresse verfolgte viele Schritte von Jimmy Somerville (Bild aus der Doku „Jimmy Somerville - Smalltown Boy“) in der Öffentlichkeit.  (Bild: ARTE/Pop Films/13 Prods)

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Die Musik- und Klatschpresse verfolgte viele Schritte von Jimmy Somerville (Bild aus der Doku „Jimmy Somerville - Smalltown Boy“) in der Öffentlichkeit. (Bild: ARTE/Pop Films/13 Prods)

Mit The Communards, gegründet zusammen mit Pianist Richard Coles, folgt 1986 der nächste Welthit: Ihre Coverversion von „Don't Leave Me This Way“ hält sich vier Wochen auf Platz eins und wird zur meistverkauften Single des Jahres in Großbritannien. Elton John urteilt: „Technisch und musikalisch sind sie die beste Band der Gegenwart, zusammen mit Dire Straits.“

Somerville überwand seine Alkoholsucht

Neben den Charterfolgen engagiert sich Somerville im Kampf gegen AIDS. 1987 verliert er seinen besten Freund Mark Ashton, Aktivist und Mitglied der Kommunistischen Partei Großbritanniens, an die Krankheit und schreibt ihm zu Ehren den Song „For a Friend“. Ashtons Geschichte wird später im Kinofilm „Pride“ erzählt - dessen Soundtrack Titel von Bronski Beat enthält. Für Somerville sind Musik und politisches Engagement nie zu trennen gewesen.

Star mit Haltung: Jimmy Somerville (zweiter von links, Bild aus der Doku „Jimmy Somerville - Smalltown Boy“) machte sich auch als Aktivist auf dem „Gay Rights March“ in London für die Rechte von Homosexuellen stark.  (Bild: ARTE/Andre Camara/Reuters/Bridgmean Images)

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Star mit Haltung: Jimmy Somerville (zweiter von links, Bild aus der Doku „Jimmy Somerville - Smalltown Boy“) machte sich auch als Aktivist auf dem „Gay Rights March“ in London für die Rechte von Homosexuellen stark. (Bild: ARTE/Andre Camara/Reuters/Bridgmean Images)

1988 lösen sich The Communards auf. Somerville kämpft mit dem Ruhm. „Ich durchlebte einen sehr intensiven Prozess der Selbstzerstörung“, gestand er. „Glücklicherweise hatten meine schweren Alkoholprobleme keinen Einfluss auf meine Stimme.“

Sporadisch veröffentlicht er Soloalben, das große Comeback gelingt 2015 mit „Homage“, seiner Hommage an den Disco-Sound, aufgenommen mit einer Band und echten Streichern. „In den letzten Jahren war ich in Entzug und bin nun geheilt. Ich fühle mich zum ersten Mal frei“, sagte er damals. „Es ist meine erste Platte, die ich mir von A bis Z anhören kann.“ (tsch)

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