3

Letzte Frau am GalgenNach fast 70 Jahren spricht König Charles ein Machtwort

König Charles III. salutiert.

Copyright: Kirsty Wigglesworth/AP/dpa

König Charles III. hat im Fall Ruth Ellis ein Machtwort gesprochen. (Archivbild)

Aktualisiert:

In Großbritannien endete ihr Leben am Galgen – als letzte Frau überhaupt. Beinahe 70 Jahre danach wird ihr Fall neu bewertet.

Eine fast 70 Jahre alte Ungerechtigkeit soll nun korrigiert werden: König Charles hat der posthumen Begnadigung von Ruth Ellis zugestimmt. Sie war 1955 als letzte Frau im Vereinigten Königreich hingerichtet worden. Ellis wurde wegen des Mordes an ihrem Geliebten David Blakely verurteilt und im Londoner Holloway Prison durch den Strang hingerichtet. Das berichtet „BBC News“.

Ihre Angehörigen kämpften jahrelang dafür, das Mordurteil aufzuheben. Ihre Begründung: Ellis sei selbst ein Opfer gewesen – sie habe unter körperlicher und psychischer Gewalt durch Blakely gelitten. Vize-Premierminister David Lammy teilte nun mit, dass der Monarch der Begnadigung zugestimmt habe. Damit wird die damalige Todesstrafe symbolisch in eine lebenslange Freiheitsstrafe umgewandelt.

Eine tödliche Affäre voller Qualen

Das Leben von Ruth Ellis war von Anfang an ein Drama. Die damals als Hostess in einem Nachtclub arbeitende Mutter zweier Kinder im Alter von drei und zehn Jahren erschoss Blakely nach einer stürmischen Affäre. Die Tat ereignete sich vor dem Pub „The Magdala“ in London. Die Beziehung der beiden war von gegenseitigen Seitensprüngen, Konflikten und Vorwürfen von Gewalt überschattet.

Ruth Ellis mit ihrem Geliebten David Blakely.

Copyright: imago stock&people

Ruth Ellis (r) mit ihrem Geliebten David Blakely. Ellis erschoss Blakely 1955 nach einer stürmischen Beziehung und wurde als letzte Frau im Vereinigten Königreich hingerichtet. (Archivbild)

Nur zehn Tage vor dem tödlichen Schuss im April 1955 verlor Ellis ihr ungeborenes Kind. Ursache soll ein Schlag in den Bauch gewesen sein, den ihr Blakely, der Vater des Kindes, versetzt habe. Trotz dieser Vorgeschichte wies der vorsitzende Richter die Jury an, die von Ellis geschilderten Misshandlungen bei der Urteilsfindung nicht zu berücksichtigen. Nach nur 14 Minuten stand das Urteil fest: schuldig.

Familiendrama über Generationen

Die Begnadigung bedeutet für die Angehörigen eine späte Form der Wiedergutmachung. „Der Schatten von Ruths Hinrichtung lastete auf zwei Generationen. Wir trugen eine Schande, die nie unsere war“, sagte ihre Enkeltochter Laura Enston.

Die Folgen des Urteils waren für die Familie laut der BBC verheerend: Ellis’ Sohn beging Suizid, und ihre Tochter war nach dem Trauma so schwer belastet, dass sie ihren Kindern nicht die Mutter sein konnte, die sie sich gewünscht hätten.

Laura Enston betonte, dass es zum Zeitpunkt des Prozesses kaum ein Bewusstsein für häusliche Gewalt und Misshandlungen gegeben habe. Heute hätte das Justizsystem ihrer Großmutter ihrer Ansicht nach möglicherweise eine ganz andere Behandlung zukommen lassen. Die Geschichte von Ruth Ellis wurde 1985 unter dem Titel „Dance with a Stranger“ verfilmt, in der Hauptrolle spielte Miranda Richardson.

Die Parlamentarierin Pam Cox brachte den Fall im britischen Unterhaus zur Sprache. Sie bezeichnete ihn als eine „gespenstische Erinnerung an eine Zeit, in der unser Justizsystem die Realitäten von häuslicher Gewalt und Nötigung ignorierte“. Daraufhin verkündete Lammy die Begnadigung und betonte, dass damit ein „tiefes Unrecht in diesem außergewöhnlichen Fall“ anerkannt werde.

Katy Colton, die juristische Vertreterin der Familie, bezeichnete die Entscheidung als einen „Meilenstein“. Sie setze ein deutliches Zeichen dafür, dass die Justiz die Folgen von Misshandlungen ernst nehmen müsse. Im Vereinigten Königreich wurde die Todesstrafe für Morddelikte 1965 abgeschafft; die letzten Hinrichtungen fanden bereits 1964 statt.

Der Fall Ellis löste damals eine landesweite Debatte aus und ereignete sich nur zwei Jahre vor der Einführung der sogenannten verminderten Zurechnungsfähigkeit als juristische Verteidigungsstrategie. (jag)

Dank ihrer Oberweite hat sich die Britin Summer Robert eine lukrative Karriere aufgebaut. Der Nachteil: Sie findet keinen Mann für eine echte Beziehung.
Pornodarstellerin enthüllt Dating-Albtraum
„Männer sind bei mir nur von einer Sache besessen“