„Das ist einfach falsch, das habe ich nie gesagt“ ZDF-Moderatorin nimmt Lauterbach in die Mangel

Karl Lauterbach nimmt im ZDF-"heute-journal" Stellung zur Corona-Impfung für junge Menschen: Gegenüber Moderatorin Marietta Slomka wehrt er sich am Dienstagabend (9. August) gegen Behauptungen, er habe Jungen eine vierte Impfung empfohlen.

ZDF-Moderatorin Mariette Slomka nimmt Gesundheitsminister Karl Lauterbach am Dienstabend (10. August) im „heute journal“ ordentlich in die Mangel.

Die Ständige Impfkommission empfiehlt das eine, wenn es um Corona-Impfungen geht, Gesundheitsminister Karl Lauterbach sagt etwas anderes. Jetzt muss auch der Minister im ZDF wieder zurückrudern – und sorgt für weitere Verwirrung, auch bei Moderatorin Marietta Slomka. Die nimmt Lauterbach ordentlich in die Zange. 

Der Herbst naht – und mit ihm die Sorge, dass sich die Corona-Lage in Deutschland wieder verschärft. Wochenlang haben Gesundheits- und Justizministerium um eine Einigung bei den Regeln gerungen. Am Ende ist ein Entwurf eines Infektionsschutzgesetzes herausgekommen, der einige Kompromisse enthält und am Ende viel Kritik von den Ländern einheimste. 

So ist bislang etwa geplant, dass Menschen in Restaurants und bei Kultur- und Sportveranstaltungen von der Maskenpflicht befreit werden sollen, wenn sie innerhalb der letzten drei Monate geimpft wurden – von „frisch Geimpften“ ist die Rede. Doch: Was heißt das?

Nicht nur Bayerns Gesundheitsminister appellierte an die Ständige Impfkommission (Stiko), eine Empfehlung vorzulegen, an der sich beim Erarbeiten der neuen Regeln orientiert werden könne. Auch Lauterbach forderte von der Stiko eine klare Ansage: Die Bevölkerung solle erklärt bekommen, ob sie einen Booster bekommen sollte oder nicht. Das wiederum sorgte für einigen Unmut bei der Stiko, die kritisiert, dass sich Lauterbach zu impfrelevanten Fragen äußert, bevor sich die Stiko damit befasst hat.

ZDF-„heute journal“: Lauterbach wird in die Mangel genommen

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Am Dienstagabend (9. August) dann musste Karl Lauterbach im ZDF-„heute journal“ Moderatorin Marietta Slomka Rede und Antwort stehen, die wissen wollte, was jetzt die Bürgerinnen und Bürger tun sollten: vierte Corona-Impfung oder nicht?

Der Minister hatte sich Mitte Juli in einem „Spiegel“-Interview zur vierten Impfung geäußert und gesagt, dass er „in Absprache natürlich mit dem Hausarzt auch Jüngeren die Impfung empfehlen“ würde. Die Stiko empfehle das im Allgemeinen, „aber die Entscheidung ist ja immer eine Entscheidung zwischen Hausarzt und dem Betroffenen.“

Im ZDF erklärte Lauterbach, ab dem Herbst erwarte er neue Corona-Impfstoffe, die nicht nur vor einem schweren Verlauf, sondern auch vor Ansteckung schützen. Moderatorin Marietta Slomka wollte wissen, warum er dennoch allen empfiehlt, sich mit einem älteren Vakzin ein viertes Mal impfen zu lassen. 

Lauterbach im ZDF: „Das wird immer wieder falsch dargestellt“

Lauterbach widersprach sofort, versuchte sich zu erklären: „Nein, das tue ich ja nicht. Das wird immer wieder falsch dargestellt. Ich rufe die älteren Menschen auf und die Menschen, die in Pflegeeinrichtungen sind…“ Slomka jedoch ließ nicht locker, nahm den Minister weiter in die Mangel: „Aber Sie haben doch gesagt, ‚für alle die vierte Impfung‘? Deshalb gab’s doch jetzt auch den Streit mit der Stiko.“

Lauterbach wiedersprach abermals: „Nein, ich habe das nicht gesagt. Ich habe nie gesagt, dass alle jüngeren Leute sich jetzt impfen lassen sollen. Das ist einfach falsch. Das wird immer wieder unterstellt. Das ist aber nicht richtig.“ Er habe darauf hinweisen wollen, dass es für verschiedene Altersgruppen eine klare Botschaft brauche.

Seiner Ansicht nach sollten Risikopatienten nicht auf die angepassten Impfstoffe warten: Abwarten sei „für diejenigen, die jetzt im Risiko stehen, einfach falsch“, sagte er weiter im ZDF. Bei jüngeren Menschen könne es aber durchaus Sinn machen, „dass man noch etwas zuwartet“ und sich mit den neuen Impfstoffen behandeln lasse.

ZDF-„heute journal“: „Das ist doch ein löchriger Käse“

Nachfrage von Moderatorin Marietta Slomka auch bei der geplanten angebotenen Befreiung von der Maskenpflicht im Herbst nur für „frisch Geimpfte“. „Wie soll denn das aussehen? Und vor allen Dingen: Warum diese willkürliche Zahl von drei Monaten? Steht da jemand am Restauranteingang und schaut sich meinen Impfausweis an? Was ist, wenn man einen Tag drüber ist? Das ist doch ein löchriger Käse, der da geschaffen wird.“

Lauterbach erwiderte, dass ja immer schon mit Grenzwerten gearbeitet werde. „Geplant ist, dass das Zertifikat in der Corona-Warnapp einfach eine andere Farbe hat, solange, wie die drei Monate noch nicht um sind. Das normale Zertifikat, das blau erscheint, würde dann möglicherweise grün erscheinen, sodass beim Eintreten jeder sofort sieht, das ist ein frisches Zertifikat.“ Das sei eine einfachere Lösung als die 2G- oder 3G-Regelungen im vergangenen Jahr.

Aktuell empfiehlt die Stiko noch eine vierte Impfung nur Menschen über 70 und Risikogruppen. Zuletzt haben Lauterbachs Ausführungen für Unmut bei der Kommission gesorgt, wie ein Mitglied jüngst erklärte. Lauterbach und Stiko-Chef Thomas Mertens hatten die Einrichtung einer Arbeitsgruppe vereinbart, um sich besser abzustimmen. Noch wurde aber nicht getagt. Stiko-Mitglied Dr. Rüdiger von Kries kritisierte, dass sich Lauterbach abermals Alleingänge unternimmt. „Es wäre besser, wenn Lauterbach seine Zunge etwas besser im Griff hätte“.

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