Kommentar Weg vom Putin-Gas – doch Habecks Lösung ist ein schlechter Scherz

Dass sich Deutschland vom russischen Gas lösen möchte, finden viele Deutsche gut. Dass sich Deutschland nun allerdings ausgerechnet Katar als Alternative sucht, stößt auf wenig Freude. Ein Kommentar.

Deutschland hat einen neuen Energie-Partner: In Zukunft sollen Gas-Lieferungen aus der Öl-Hochburg Katar kommen. Keine gute Lösung, findet unsere Autorin in ihrem Kommentar.

In den vergangenen Tagen war Habeck zu Gesprächen im neuen Partnerland. Mithilfe von LNG-Terminals soll Flüssiggas nach Europa gelangen und damit die Abhängigkeit von russischem Gas beenden.

Wieso Katar als neuer Energie-Partner?

Die Alternativen sind überschaubar, vielleicht kann man sogar sagen: Sie sind nicht vorhanden. Es musste ein Energie-Versorger gefunden werden, der schnell liefern kann, sodass in Deutschland ein beheizter Winter gesichert wird. Eine kurzfristige und schnelle Lösung. So schien das Ziel hinter der neuen Beziehung.

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Warum aber wird von einer langfristigen Energiepartnerschaft gesprochen? Nach Russland kommt Katar? Eine erneute, dauerhafte Abhängigkeit von einem Land, das kaum mit den demokratischen und moralischen Werten Deutschlands übereinstimmt.

Ein Deal mit einem Land, welches vor Menschenrechtsverletzung nicht zurückschreckt und schon länger in der internationalen Kritik steht. Nicht zuletzt aufgrund der Skandale rund um die Fußballweltmeisterschaft in diesem Jahr gab es auch seitens Deutschlands harsche Kritik. Außenministerin Annalena Baerbock (41) sprach sich sogar für eine Absage des Turniers aus. Und jetzt wird dieses Land der zukünftige Energie-Partner der Bundesregierung?

„Einerseits will er (Habeck, Anm. d. Red.) eine Atmosphäre schaffen, die die dringend notwendigen Energiegeschäfte ermöglicht, andererseits muss er die Menschenrechte ansprechen. Das hat er wohl auch getan, aber wohl nicht allzu deutlich, denn das würde wieder die Geschäfte gefährden“, sagt ZDF-Korrespondent Karl Hinterleitner. Das scheint also die neue Realität zu sein.

Viele Fragen zu Robert Habecks Katar-Deal, aber wenige Antworten

Auch nach den Statements der politischen Führung bleiben Unklarheiten. Zum einen hat Katar menschenunwürdige Arbeitsbedingungen bewiesen, was die Frage aufwirft, wer am Bau der Terminals beschäftigt sein wird? Zusätzlich ist klar, dass der Ausbau Jahre dauern wird. Zum anderen ist die Art des Gas-Transfers, bei dem die Agrarzustände verändert werden müssen, ein riesiger Klima-Killer.

Die Frage, die sich stellt: Wie wird diese CO2-Sünde ausgeglichen?

Was in der Vergangenheit hätte besser laufen können

Das Dilemma, in dem die Bundesregierung und Vize-Kanzler Habeck sich befinden, hat einen weiteren bitteren Beigeschmack. Wären erneuerbare Energien schon vor Jahren ausgebaut worden, wäre es womöglich zu keiner Abhängigkeit besagter Länder gekommen. Auch aktuell fehlt jede Spur vom schnellen Ausbau nachhaltiger Energien.

Habeck, der nicht nur aus der Grünen-Fraktion kommt, sondern auch Minister für Klimaschutz ist, äußerte sich nur am Rande dazu. Geplant sei auch der Ausbau von Wasserstoff. Konkrete Pläne diesbezüglich wurden aber nicht genannt. Das ist extrem schade, denn Transparenz und Offenheit ist beim Thema Klimawandel schon länger überfällig.

Was wirklich gebraucht wird, sind langfristige Lösungen und Dialoge, die einen positiven Einfluss auf unser Klima und auf die Umsetzung von globalen Menschenrechten haben. Aktuell sieht man ein Zusammenrücken von Europas Staaten – aufgrund des Ukraine-Krieges. Ein solches Miteinander wird auch in Zukunft bei Energie-Fragen wichtig sein.

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