„Ermüdend“ Virologe Streeck kritisiert „dauerhaften Alarmzustand“ und plädiert für neuen Corona-Kurs

Virologe Hendrik Streeck (hier im Oktober 2021) hat sich für einen neuen Corona-Kurs ausgesprochen.

Virologe Hendrik Streeck (hier im Oktober 2021) hat sich für einen neuen Corona-Kurs ausgesprochen.

Die Omikron-Welle sorgt weiter für Diskussionen im Umgang mit der Corona-Pandemie. Hendrik Streeck sprach sich für einen neuen Umgang mit dem Virus aus.

Der Bonner Virologe Hendrik Streeck warb für einen „pragmatischen Umgang“ mit der Pandemie, „um mit dem Virus leben zu lernen“. „Dagegen ist der dauerhafte Alarmzustand ermüdend und nicht erfolgreich“, sagte er der „Bild“ (Montag). Streeck mahnte jedoch an, die Belastung in den Krankenhäusern „weiterhin aufmerksam zu beobachten und notfalls mit Maßnahmen zu reagieren“. Dazu gehöre es aber auch, die „Hospitalisierungsinzidenz valide zu erfassen“.

Auch gegenüber dem RND hatte sich Streeck für einen moderateren Kurs im Umgang mit Omikron ausgesprochen. „Klar ist jedoch, wir werden alle Kontakt mit dem Virus machen und wir müssen verstehen, dass dieses Virus nicht wieder aus der Gesellschaft herausgehen wird.“

Der Virologe warnte in dem Zusammenhang allerdings auch vor einer Verharmlosung des Virus. Auch an der Corona-Variante erkrankten nach wie vor Menschen schwer. Doch auf den Intensivstationen müssten deutlich weniger Patienten behandelt werden. Streecks Schlussfolgerung: „Das erlaubt uns, mehr Infektionen zuzulassen.“

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Hendrik Streeck: Im Frühjahr beginnt „die harte Arbeit“

Statt eines einzigen Befreiungsschlags prognostiziert Hendrik Streeck einen schrittweisen Ausweg aus der pandemischen Corona-Situation. „Das wird ein schleichender Übergang sein“, sagte Streeck bereits am Donnerstagabend (6. Januar) in der ZDF-Sendung „Markus Lanz“. Es werde nicht den einen Tag der Befreiung von dem Virus geben. Streeck sagte für das Frühjahr einen Abfall der Infektionszahlen voraus. „Dann beginnt die harte Arbeit“, betonte der Virologe.

Das Gesundheitssystem müsse krisenfester gemacht und die Impfkampagne fortgeführt werden. Dann gebe es möglicherweise einen angepassten Impfstoff. Streeck bezeichnete die Debatte über eine allgemeine Impfpflicht als „ein bisschen fehl am Platze“. Er begründete dies unter anderem damit, dass jetzige Impfstoffe bei der Omikron-Variante nur kurz Schutz vor einer Infektion bieten.

Omikron sei Studien zufolge übertragbarer, es gebe aber nicht mehr so viele schwere Verläufe, sagte Streeck. Die Variante dringe auch nicht mehr so gut in die Lunge ein, sondern befalle vor allem die oberen Atemwege. Man werde aber mit einer „enormen Welle“ von Infektionen rechnen müssen, auch bei zweifach Geimpften. Streeck warb daher für Auffrischungsimpfungen. (jv/dpa)

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