Es sind Szenen, die unter die Haut gehen: Vor Tagen schon hat die russische Armee die südukrainische Stadt Cherson eingenommen. Doch wo die ukrainische Armee den Panzern weichen musste, treten nun jene Menschen den Besatzern entgegen, die hier wohnen. Obwohl geschossen wird, legen sie sich vor Panzer und demonstrieren.
Dramatische SzenenMenschen klettern auf russische Panzer, legen sich auf die Straße – Schüsse fallen

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Ein Kind sieht zu, wie die Bewohner der Stadt Irpin, nordwestlich von Kiew, am 5. März während schwerer Bombenangriffe evakuiert wird. Im Süden des Landes leisten unzählige Ukrainerinnen und Ukrainer Widerstand gegen die russische Besatzung.

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Mit Cherson ist vor zwei Tagen die erste Großstadt an die russische Armee gefallen. Russische „Besatzer“ seien in allen Stadtteilen der südlichen Hafenstadt und „sehr gefährlich“, erklärten die dortigen Behörden.
Doch kaum haben die russischen Panzer die ukrainischen Soldatinnen und Soldaten verdrängt, versammeln sich die Menschen auf den Straßen und Plätzen der Stadt, die hier wohnen. Und zeigen auf friedliche Weise: Das hier ist unsere Stadt.
Der Krieg in der Ukraine – er ist auch ein Krieg, der in den sozialen Medien stattfindet. Das zeigt sich auch am Samstag (5. März), als zahlreiche Videos auf Twitter unzählige Menschen im Süden der Ukraine zeigen, die entschlossen den russischen Besatzern entgegentreten.
Hunderte gehen gegen die Invasoren auf die Straße, schwenken ukrainische Flaggen und zeigen Widerstand. Auf dem zentralen Freiheitsplatz versammeln sie sich und rufen „Cherson gehört der Ukraine!“, wie die ukrainische Nachrichtenagentur berichtet.
Der „Wall Street Journal“-Journalist und Deutschland-Korrespondent Bojan Pancevski teilte auf Twitter Aufnahmen, die unbewaffnete Ukrainerinnen und Ukrainer zeigen, die russische Besatzungstruppen zurückdrängen. Andere Videos zeigen, wie sogar ein fahrender Schützenpanzer bestiegen wird.
Ukraine: Dramatische Szenen auf der Straße – „Wir haben keine Angst“
Während Schüsse zu hören sind – vermutlich Sperrfeuer – ruft eine Frau namens Valentina Maganova, in eine ukrainische Flagge gehüllt: „Wir haben keine Angst. Veröffentlichen Sie dies auf der ganzen Welt. Bitte unterstützen Sie uns. Cherson gehört der Ukraine!“
Ein weiterer Journalist teilt auf Telegram ein Video von Demonstranten in Cherson, die sich buchstäblich mit ihren Körpern den russischen Besatzungstruppen in den Weg stellen. Selbst als ihnen Lastwagen entgegenkommen und Schüsse in die Luft abgegeben werden, rühren sie sich nicht. Ein Mann legt sich gar vor ein russisches Militärfahrzeug auf die Straße und hindert es so am Weiterkommen.
Ähnliche Szenen waren bereits am Freitag im ostukrainischen Nowopskow zu sehen: Demonstranten gingen auch hier auf die Straße, die Menge rief „Ukraine, Ukraine“.
Der Bürgermeister von Cherson, Igor Kolykhaev, sagte der „New York Times“, dass russische Streitkräfte in die Luft geschossen hätten, um die Menge zu zerstreuen. Die Demonstranten seien an Ort und Stelle geblieben. Berichte über Opfer seien nicht bekannt, sagte der Bürgermeister. Er schätzte, dass etwa 2.000 Menschen an dem Protest teilnahmen.
Ukraine: Menschen zeigen Widerstand, Putin erhöht den Druck
Während die Ukrainerinnen und Ukrainer zivilen Widerstand leisten und mit friedlichen Mitteln um ihre Freiheit kämpfen, erhöht Putin weiter den militärischen Druck auf die Großstädte des Landes. Russland steht vor der Einnahme der Hafenstadt Mariupol. Auch in und um Kiew wurden die intensiven Bombenangriffe fortgesetzt. AFP-Journalisten berichteten von augenscheinlich wahllosen Angriffen auf Wohngebiete der nahe Kiew gelegenen Stadt Irpin.
Um den Widerstand innerhalb der Bevölkerung zu brechen, hat Putin zuletzt seine Strategie verschärft und greift vermehrt auch zivile Ziele an. Dass die Menschen trotz dieser Lebensgefahr auf die Straßen gehen und gegen die Besatzung demonstrieren, zeigt, wie tapfer sie sich weiterhin wehren. Und wo die Frontlinie in Europa derzeit verläuft: zwischen Freiheit und Autokratie.

