Nach dem historischen AfD-Sieg in Sachsen-Anhalt nimmt der 91‑jährige Komiker Dieter Hallervorden den Kanzler und seine CDU ins Visier – und fordert von der Partei ein Umdenken.
Wahl-Debakel im OstenTV-Legende wütend: „Kanzler wird nicht mehr Merz heißen“

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Schauspieler und Kabarettist Dieter Hallervorden (Mitte) beobachtet mit CDU-Anhängern die Prognose für die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt.
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Er ist der Mann, der Millionen Deutsche über Jahrzehnte zum Lachen gebracht hat. Doch an diesem Wahlabend hatte er keine witzige Pointe parat. Im Gegenteil. Dieter „Didi“ Hallervorden (91), gebürtiger Dessauer, wirkte sehr niedergeschlagen, als er nach der Wahl in Sachsen-Anhalt, seiner Heimat, vor die Kamera trat.
Er hatte wochenlang für die CDU getrommelt – und musste in der ARD auf der Wahlparty der Partei das Debakel irgendwie erklären. Sichtlich bedrückt und gleichzeitig wütend sagte er: „Der Bundeskanzler wird bald nicht mehr Merz heißen, das ist ganz sicher.“
Wahl-Debakel für die CDU in Magdeburg
Ein Satz, der in den kommenden Tagen vermutlich nicht das letzte Mal zu hören sein wird. Merz habe viel Schuld daran, dass man der CDU bundesweit nichts mehr zutraue, so Hallervorden weiter. Das habe auch eine „schlechte Begleitmusik“ für Sachsen-Anhalt ergeben. „Aber ich bin auch Demokrat und habe das Wahlergebnis zu akzeptieren“, so der Komiker.
Und zu akzeptieren gibt es viel. Die AfD hat die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am Sonntag mit gewaltigem Abstand gewonnen und kommt laut ARD-Hochrechnung auf 44 Prozent – 2021 waren es 20,8 Prozent. Es ist das beste Ergebnis, das die Partei jemals bei einer Landtagswahl erreicht hat. Die CDU von Ministerpräsident Sven Schulze halbiert sich nahezu und landet bei rund 17,5 Prozent.

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TV-Legende Dieter Hallervorden bei der Wahlparty der CDU in Magdeburg.
Später am Abend wurde Hallervorden bei Maybrit Illner im ZDF zugeschaltet. Dort stellte er zunächst eines klar: „Ich bin niemals Mitglied einer Partei gewesen und vergebe meine Gunst mal so, mal so. Ich bin bekannt dafür, auch öffentlich meine Meinung zu sagen.“
Das tat er dann auch. Auf die Frage, ob mit einem Ministerpräsidenten Schulze eine Regierung gegen die AfD zu bauen sei, antwortete Hallervorden: „Ich halte den Unvereinbarkeitsbeschluss mit den Linken für absolut antiquiert, das muss man schnellstens überdenken.“ Wenn man eine Chance haben wolle, gehe das nur mit den Linken. Die Lage in dem Bundesland ist kompliziert: Eine Mehrheit gegen die AfD wäre nur mit einem breiten Bündnis aus CDU, SPD, Grünen, Linken und BSW zu holen.
Hallervorden: Was eine AfD-Regierung für die Kultur bedeuten würde
Hallervorden stellt klar: Eine AfD-geführte Regierung in seiner Heimat wäre eine Katastrophe. Nicht nur für ihn, sondern für alle Kulturschaffenden. Er hat das Mitteldeutsche Theater in Dessau gegründet, ist Ehrenbürger seiner Heimatstadt. Fielen Fördermittel mit einer AfD weg, gerieten Kulturschaffende unter massiven wirtschaftlichen Druck, warnte er. Und machte klar: „Das ist eine todtraurige Situation für mich. Schuld ist nicht nur Sven Schulze. Schuld daran sind CDU und SPD, die die Politik der AfD so möglich gemacht haben. Sie hätten eine Politik machen können, die die Menschen erwarten. Eine Politik, die das Leben der Menschen erleichtert.“
Als Negativbeispiel nannte er die Zuckersteuer. „Das ist das, wie man Menschen verprellt.“ Man habe die Belange der Bürgerinnen und Bürger zu wenig ernst genommen.
Zum Schluss wurde Hallervorden im ZDF noch einmal deutlich in puncto AfD und Kultur: „Ich bin ein sehr freiheitsliebender Mensch. Diese Partei wird dazu beitragen, das Vertrauen in die Demokratie weiter zu unterhöhlen. Und sie wird in meinem Bereich schweren Schaden anrichten durch ihre Zensurbestrebungen.“
Wegziehen wolle er trotzdem nicht. Er werde in Sachsen-Anhalt bleiben und dort weiterarbeiten. Schon vor der Wahl hatte er gesagt: „Ich bleibe hier im Land und werde weiter kämpfen. Ich verlasse das sinkende Schiff auf keinen Fall“. Für die Bundes-CDU dürfte das ein schwacher Trost sein. (mg)
