Wie kann das sein? Kurioser RKI-Wert sorgt für reichlich Verwirrung

Zahlreiche Reisende steigen an Heiligabend am Hauptbahnhof in Bremen in einen IC der Deutschen Bahn (DB) ein. Die jüngst angegebene Rekordimpfquote aus dem kleinsten Bundesland ist verwirrend.

Zahlreiche Reisende steigen an Heiligabend am Hauptbahnhof in Bremen in einen IC der Deutschen Bahn (DB) ein. Die jüngst angegebene Rekordimpfquote aus dem kleinsten Bundesland ist verwirrend.

Keine Frage: Bremen ist ein Beispiel dafür, wie ein gutes Impfkonzept in Deutschland aussehen kann. Kein anderes Bundesland hat bessere Quoten. Doch der jüngste Wert, der vom RKI veröffentlicht wurde, wirft Fragen auf.

Bremen wird schon seit längerem für seine Corona-Impfkampagne gelobt, ist hier bundesweit der absolute Spitzenreiter. Einladungsbriefe, Impftrucks, Aufklärung in ärmeren Stadtteilen – das kleinste Bundesland hat gezeigt, wie es gehen kann. In Bremen liegen nicht nur die Impfquoten bei Erst- und Zweitdosen höher, auch bei den Drittimpfungen ist Bremen im oberen Drittel. 

Doch ein neuer Wert aus dem Impfquotenmonitoring des Robert Koch-Instituts (RKI) wirkt unlogisch – so gut die Impfkampagne sein mag: Demnach sollen inzwischen 100,2 Prozent der Erwachsenen in Bremen mindestens einmal geimpft sein. Wie geht das denn?

Dieser kurios hohe Wert ist auf die Meldebürokratie in Deutschland zurückzuführen.

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Wie es zu dieser Prozentzahl kommt, erläutert das RKI selbst. „Die regionale Zuordnung aller durchgeführten Impfungen erfolgt anhand des Ortes der impfenden Stelle und nicht anhand des Wohnortes der geimpften Person“, so die oberste Seuchenbehörde. „Nur die Angabe des Ortes der impfenden Stellen ist in allen Datenquellen enthalten.“

Kurioser RKI-Wert aus Bremen sorgt für Verwirrung: Das ist der Grund

Heißt also: Eine Impfung wird statistisch nicht dem Heimatbundesland der geimpften Person zugeordnet. Sondern dem Bundesland, in dem die Impfung erfolgte. Wenn sich also Menschen im benachbarten Niedersachsen in Bremen impfen lassen, erhöht sich nicht etwa die Impfquote in Niedersachsen, sondern eben in Bremen. „Da diese regionalisierten Impfdaten zur Berechnung einer Impfquote auf die jeweilige Wohnbevölkerung bezogen werden, können dabei rechnerisch auch Anteile von über 100 Prozent kalkuliert werden.“

Schuld daran ist ein Kompromiss beim Meldeverfahren. Je nachdem, ob eine Impfung in einem Impfzentrum oder einer Arztpraxis verabreicht wurde, erfahre das RKI auf unterschiedlichem Wege davon und erhalte unterschiedlich detaillierte Informationen, berichtet der „Spiegel“.  Kassenärztinnen und Kassenärzte nämlich nutzten nicht das Verwaltungstool des RKI, sondern ein eigenes, welches den Wohnort nicht übermittelt. „Nur die Angabe des Ortes der impfenden Stellen ist in allen Datenquellen enthalten“, schreibt das RKI.

Corona: Warum belastbare Quoten für Städte und Landkreise schwierig sind

Das führt mitunter zu Problemen, denn belastbare Quoten für viele Städte und Landkreise gibt es genau aus diesem Grund bis heute nicht. Denn zu oft lassen sich Menschen an einer anderen Stelle als an ihrem Wohnort impfen.

Das dürfte insbesondere für Regionen außerhalb von Stadtstaaten wie Bremen oder auch Berlin und Hamburg der Fall sein. Manche Menschen, die außerhalb der Stadt wohnen, könnten ihren Hausarzt oder ihre Hausärztin innerhalb der Stadtgrenze haben. Die tatsächliche Impfquote der Bundesländer bleibt unklar.

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