Sorge nach Raketen in Polen Bericht über wichtigen russischen General ist „verstörend“

Auf diesem vom Pressedienst des russischen Verteidigungsministeriums am 26. Oktober veröffentlichten Foto sind der russische Verteidigungsminister, Sergei Schoigu (links), und der Chef des Generalstabs, General Waleri Gerassimow, zu sehen. Nach Berichten des US-Generalstabschefs war sein russischer Amtskollege nach dem Raketeneinschlag im polnischen Grenzgebiet nicht erreichbar.

Auf diesem vom Pressedienst des russischen Verteidigungsministeriums am 26. Oktober veröffentlichten Foto sind der russische Verteidigungsminister, Sergei Schoigu (links), und der Chef des Generalstabs, General Waleri Gerassimow, zu sehen. Nach Berichten des US-Generalstabschefs war sein russischer Amtskollege nach dem Raketeneinschlag im polnischen Grenzgebiet nicht erreichbar.

Nach dem Raketeneinschlag in Polen sind noch immer viele Fragen offen. Die Ermittlungen dauern weiterhin an, mittlerweile wird davon ausgegangen, dass es sich um ein ukrainisches Abwehrgeschoss handelte. Derweil sorgen die Ausführungen des US-Generalstabschefs über seinen russischen Amtskollegen für große Sorgen unter den Militärexperten und -expertinnen.

Was genau ist im Osten Polens passiert? Zwei Menschen sind dort gestorben, als eine Rakete russischer Bauart in einen Bauernhof in Przewodow einschlug – keine zehn Kilometer von der Grenze zur Ukraine entfernt. 

Wer die Rakete abgefeuert hat, darüber gibt es noch keine endgültigen Erkenntnisse. Vieles spricht wohl dafür, dass es sich um ein ukrainisches Abwehrgeschoss handelte. Der ukrainische Präsident Selenskyj bezweifelt das allerdings.

Polen: Neuer Bericht nach Raketeneinschlag „verstörend“

Doch nicht nur der Raketeneinschlag auf Nato-Gebiet bereitet Sorgen – sondern auch, wie Russland kurz nach dem Einschlag reagierte. Der oberste US-Militäroffizier, US-Generalstabschefs Mark Milley, sagte der Nachrichtenagentur AP, er habe nach den Raketenexplosionen in Polen versucht, seinen russischen Amtskollegen zu erreichen. Doch er habe den Chef des russischen Generalstabs, Waleri Gerassimow, nicht erreichen können.

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Expertinnen und Experten nennen dieses Verhalten inmitten eines ernsten Krisenfalles nun „verstörend“.

Denn die fehlende Kommunikation zwischen den USA und Russland gibt Anlass zur Besorgnis: Funktioniert der Austausch noch im Falle einer Krise? Ein Angriff auf Polen, ein NATO-Mitglied, hätte schließlich einen gewaltigen Konflikt nach sich ziehen können, wenn sich herausgestellt hätte, dass Russland den Angriff gestartet hatte.

Die USA und andere hochrangige Politiker gehen inzwischen davon aus, dass der Angriff wahrscheinlich von der ukrainischen Luftabwehr zur Abwehr eines russischen Raketenbeschusses durchgeführt wurde. Doch die Ungewissheit kurz nach der Meldung aus Polen hielt noch stundenlang an. Mehrere US-Verteidigungsbeamte sagten nun, es sei nicht ungewöhnlich, dass Gerassimow für einen Anruf nicht erreichbar sei.

Rakete in Polen: „Die Ukraine hat sich entsprechend gewehrt“

Vor allem angesichts der möglichen Folgen sei dieser Mangel an Kommunikation besorgniserregend, sagte John Tierney, Direktor des Zentrums für Waffenkontrolle und der Nichtverbreitung von Kernwaffen in Washington. Offene Kommunikationswege seien  „unerlässlich, wenn wir das Risiko eines Konflikts aufgrund von Missverständnissen, Fehleinschätzungen oder Irrtümern vermeiden wollen“, so Tierney weiter. „Es ist beunruhigend, von General Milley zu erfahren, dass sein Amtskollege nicht erreichbar oder nicht bereit war, sich einzulassen, als es in Polen zu einer Explosion kam.“

Unabhängig davon, von wem die Rakete am Ende stammt, sind sich Beobachterinnen und Beobachter einig darüber, dass Russland mit seinem Angriffskrieg gegen die Ukraine auch für den Einschlag in Polen letztendlich die Verantwortung trägt. Die Rakete sei im Rahmen der „größten Raketen-Welle, die wir seit Beginn des Krieges gesehen haben“, abgeschossen, sagte US-Verteidigungsminister Lloyd Austin. Am Tag des Einschlags in Polen feuerte Russland bis zu 100 Raketen auf die Ukraine ab, nachdem Moskau seine Luftangriffe nach erheblichen Verlusten am Boden intensiviert hatte. Dutzende seien auch bei Lwiw heruntergekommen, rund 70 Kilometer von der polnischen Grenze entfernt.

Auch die Vorsitzende des Bundestags-Verteidigungsausschusses, Marie-Agnes Strack-Zimmermann, erklärte im ZDF-Morgenmagazin am Donnerstag, es sei ihr wichtig, „dass wir hier nicht die Opfer zum Täter oder Täter zu Opfern machen“. Die Ukraine habe sich gewehrt. „Das ist die Realität und die sollte man jetzt nicht aus dem Auge verlieren.“

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