Erkennen Sie sich wieder? Das sind die Eigenarten der Einwohner NRWs

Nordrhein-Westfalen

Nordrhein-Westfalen ist vielfältig – und irgendwie ganz schön eigenartig.

Wir Nordrhein-Westfalen leben im Herzen Europas. Und wir sind die Schmiede Deutschlands.

Im Ruhrgebiet kam der Druck auf den Kessel des Wiederaufbaus, in Bonn wurden unsere Demokratie gefestigt und Bündnisse für den Frieden geschlossen. Hier leben knapp 17,7 Millionen Menschen – mehr als in jedem anderen Bundesland.

Unser Land ist eine der stärksten Industrieregionen der Welt. NRW ist mit 18.760 internationalen Konzernen – wie etwa Ford in Köln – Spitzenreiter in Deutschland und erste Wahl, wenn es um Firmen-Niederlassungen geht.

„Operation Marriage“

Wir sind Vielfalt – was die Landschaften angeht und was uns Menschen angeht! Schließlich wurden wir aus ganz unterschiedlichen Regionen vor 70 Jahren zusammengefügt.

Am 17. Juli 1946 wurde die „Operation Marriage“, die Heirat der Provinzen Rheinland und Westfalen, verkündet und mittels Militärverordnung der Briten vom 23. August 1946 umgesetzt.

Mit Verordnung  vom 21. Januar 1947 kam noch Lippe hinzu. Aufgeteilt wurde das neue Bundesland in fünf Regierungsbezirke.

Was die einzelnen Regionen ausmacht, lesen Sie auf den folgenden Seiten!

Die Münsterländer

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Moderator und Entertainer Günther Jauch (60) kommt aus dem schönen Münsterland.

Das Regionalbewusstsein der Bevölkerung ist stark ausgeprägt, man blickt auf eine traditionsreiche Geschichte zurück.

Besonderheiten: Beliebtestes „Tatort“-Team, Fahrrad-Hauptstadt (meist genutztes Verkehrsmittel), 2004 zu einer der lebenswertesten Städte weltweit (bis 750000 Einwohner) gewählt.

Das muss man sehen: Historische Altstadt Münster, Aasee, 100-Schlösser-Route mit dem Fahrrad.

Das muss man hören: Mönsterlänner Platt, z. B. Döönkes (Scherze), Leeze (Fahrrad) – und die Gruppe Alphaville.

Fettnäpfchen: Sinn des Türmers bzw. der Türmerin von St. Lamberti in Frage stellen.

Fabelhaftes: Das Münsterland mit seinen Wäldern, Mooren und Schlössern ist Geisterland! Wer Geschichten von kopflosen Geistlichen (Emsdetten) oder Gespenstern, die Blut von Treppen wischen (Schloss Rhede), liebt, dem sei die „Sagenroute“ und der Wanderweg „Tecklenburger Hexenpfad“ empfohlen.

Eigenarten: Naturverbunden, zurückhaltend, selbstbewusst, katholisch, traditionell. Wählen zu 50 bis 60% konservativ, gute Kontaktmöglichkeiten am Aasee. Der Münsterländer ist ein Typ für tiefe Freundschaften.

Promis: Dichterin Annette von Droste-Hülshoff, Günter Jauch, Musical-Ikone Ute Lemper.

Spruch: Et is Drinkenstiet – Einladung auf ein Bier.

Geschichte: Der Westfälische Friede wurde 1648 in Münster und in Osnabrück geschlossen.

Rezept Münsterland

Pumpernickel-Turm: Fünf viereckige Scheiben des Brots (bestehend aus Roggenschrot, Wasser und Salz) erst dick mit Frischkäse bestreichen, dann frischen Schnittlauch darauf und eine Scheibe Hartkäse. Alle Scheiben aufeinanderstapeln, andrücken, kurz in den Kühlschrank. Turm dann in vier hohe Vierecke teilen. Rezept aus „Gote geht genießen - NRW und seine Spezialitäten“ (Becker Jost Volk, 37 €)

Die vom Niederrhein

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Römer-Festspiele in Xanten

Sie gehören zum Teil zum Rheinland, sind aber doch ein eigenes Völkchen. Am Niederrhein, an der Grenze zu den Niederlanden, um Heinsberg, Mönchengladbach oder Viersen findet man Industrie ebenso wie schöne Landschaften, etwa die Auen entlang des Rheins.

Besonderheiten: Die „Seiden“-Stadt Krefeld und Mönchengladbach, das im 19. Jahrhundert wegen der Textilindustrie das „Rheinische Manchester“ genannt wurde.

Das muss man sehen: Das Amphitheater in Xanten, Textilmuseum in Krefeld, Naturpark Maas–Schwalm–Nette – per Rad erkunden.

Das muss man hören: Dialekt (Plattdeutsch), der ans Niederländische erinnert, wie z. B. „Hier hör ik t’hüs“.

Fettnäpfchen: „Borussia“ mit „Dortmund“ ergänzen.

Fabelhaftes: Erd-Zwerge hüteten einst das Vieh. Sie tarnten sich unter Hüten, tranken aber Milch, wenn man ihnen ein Schälchen über Nacht hinstellte.

Eigenarten: Feiert gerne, z.B. Schützenfeste, ist offenherzig, humorvoll, legt sich ungerne fest.

Spruch: „Der Niederrheiner an sich weiß nichts, kann aber alles erklären!“ (Hüsch)

Promi: Autor und Kabarettist Hanns Dieter Hüsch

Geschichte: Römerkastelle in Xanten

Rezept Niederrhein

Püfferkes: 250 g Zucker, 250 g Quark , 4 Eier, 400 g Mehl , 8 EL Milch , 1 TL Natron, Rosinen, Zucker
Zubereitung: Zucker, Quark und Eier verrühren. Mehl unterrühren. Milch und Natron mischen. Unter den Teig rühren. Die Rosinen waschen und unter den Teig rühren. Den Teig teelöffelweise in heißem Frittierfett ausbacken. Die Püfferkes noch heiß in Zucker wälzen.

Die Rheinländer

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Beliebte Tourismus-Region, hier der Rothaarsteig.

Die Wiege der Nachkriegs-Demokratie in Deutschland. Konrad Adenauer holte den Regierungssitz an den Rhein. Der erste Bundeskanzler wusste, warum:

Die Menschen hier sind herzlich, aber kritisch gegenüber Obrigkeiten. Die Region bietet den größten Strom Europas, eine unvergleichliche Landschaft zwischen Eifel, Kölner Bucht und Bergischem Land sowie UNESCO-Welterben in Köln, Brühl und Aachen.

Besonderheiten: Das touristische Highlight Deutschlands – der Kölner Dom. Dazu Karneval und Kölsch – und Alt! Die längste Theke (Düsseldorfer Altstadt) und Edel-Shopping auf der Kö. Düsseldorf ist Sitz der Landesregierung.

Das Rheinland ist mit Köln und Düsseldorf zudem die Kreativ-Schmiede NRWs, bietet Süßes vom Feinsten (Haribo, Schokolade, dazu Printen aus Aachen), hat das schnellste Internet mit Kölns Glasfasernetz, schickt die deutschen Astronauten ins All und ist in Bonn Sitz von UNO-Organisationen und Weltkonzernen wie Telekom, DHL oder Solarworld.

Das muss man sehen: Grandioser Blick vom Drachenfels, malerische Dörfer im Naturpark Eifel, das Neandertal bei Düsseldorf, Museen und Musical in Köln, Bundeskunsthalle und Wasserwerk in Bonn, Rhein in Flammen.

Das muss man hören: „Mer stonn zo dir, FC Kölle“ (Höhner) vor dem Spiel – Gänsehaut garantiert! Wenn der Rheinländer an der Theke philosophiert. Und: Tote Hosen, Heino, Caroline Kebekus, Willi Ostermann, Rapper Kollegah.

Fettnäpfchen: „Helau“ in Köln, „Alaaf“ in Düsseldorf.

Fabelhaftes: Am Drachenfels besiegte Siegfried den Drachen. Und in Köln gab es im 19. Jahrhundert fleißige Helferchen: „Wie war zu Cöln es doch vordem – mit den Heinzelmännchen so bequem!“

Eigenarten: Weltberühmt ist der rheinische Frohsinn, die Toleranz, die Kneipenkultur, die Kontaktfreudigkeit. Aber auch der (kölsche) „Klüngel“, die rheinische Schlitzohrigkeit und das Fünfe-gerade-sein-Lassen.

Das Rheinland ist nach wechselvoller Geschichte der Schmelztiegel vieler Kulturen – mancher sagt gar, von allem das Beste.

Promis: Die Liste wäre zu lang. Nur wenige Namen: Karl der Große, David Garrett (Aachen), Heinrich Böll, Willi Millowitsch, Caroline Kebekus (Köln), Heinrich Heine, Joseph Beuys (Düsseldorf), Ludwig van Beethoven, Johannes B. Kerner (Bonn).

Spruch: Jeder Jeck es anders.

Geschichte: Schon den Römern gefiel es, Köln, Bonn waren bedeutende Standorte und Handelsstädte. Einst, 1923, wollten die Rheinländer sogar eine „rheinische Republik“ gründen.

Rezept Rheinland

Rheinischer Sauerbraten: 1000-Gramm-Fleisch-Stück eingelegt kaufen, aus der Marinade nehmen, abtupfen. Den Sud durch ein Sieb geben. Fleisch stark von allen Seiten anbraten, mit dem Sud ablöschen. Bei niedriger Temperatur ca. 2,5 Stunden schmoren lassen. Rübenkraut, Rosinen und Kräuterprinten je nach Geschmack dazugeben. Mit Rotkohl und Klößen servieren.

Die Sauer- und Siegerländer

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Iris Berben kommt aus Ostwestfalen.

Der höchste Berg NRWs liegt im Rothaargebirge. Der Langenberg ist 843 Meter hoch. Skilaufen kann man auch am Kahlen Asten. Berge, Seen, weite Wälder – die Region begeistert durch ihre wundervolle Natur.

Besonderheiten: Wisente konnten bei Wittgenstein angesiedelt werden. Bier (u. a. Veltins, Krombacher, Warsteiner) sprudelt in dieser Region üppig.

Das muss man sehen: Rothaarsteig, Möhnesee, Lichtturm Arnsberg, Kattenturm in Soest, Sommerrodelbahn Willingen, Biggesee, Bobbahn Winterberg, Dechenhöhle.

Das muss man hören: „Sauerland“ der Gruppe Zoff. „Woll“ – als Satzende im Sauerland. „Schibbelich“ gelacht im Siegerland und „net“ statt nicht.

Fettnäpfchen: Über den vielen Regen schimpfen.

Fabelhaftes: Die Dilldappen sind fröhliche Kautze, die Mensch und Natur beschützen und zu gerne mal Kartoffeln vom Feld klauen, um Bäckel zu backen.

Eigenarten: Sauerländer, Siegerländer und Wittgensteiner sind durchaus unterschiedlich. Sie eint aber Naturverbundenheit, Bescheidenheit und Ehrlichkeit.

Promis: Peter Paul Rubens (Siegen), Politiker Franz Müntefering (SPD, Arnsberg).

Spruch: Was ist schlimmer als verlieren? Siegen! Gemeint ist die Stadt.

Geschichte: Bereits vor circa 2500 Jahren wurde im Siegerland Eisenerz gefördert. In der keltischen Welt Westeuropas war das Siegerland daher bedeutend.

Das märkische Sauerland verfügte seit dem 11. Jahrhundert über Verfahren zur Eisengewinnung und -verarbeitung. Das Zusammengehen dieser Regionen, die früher konkurrierten – der märkische Teil war zudem protestantisch – fiel schwer.

Rezept Siegerland

Bäckel (Kartoffelbrot): 1000 g Mehl, 1000 g Kartoffeln, 2 Eier, ½ Liter Milch, 1 EL Salz, 1 Würfel Hefe, etwas Zucker.
Zubereitung: Hefe mit dem Zucker und etwas Milch ansetzen. Salz und Mehl dazu. Kartoffeln schälen, reiben, Eier dazu und mit heißer Milch brühen. Die Zutaten unterrühren und im Backofen bei 50 Grad gehen lassen (ca. 30 min). Teig in Kastenform füllen und bei 195 Grad (Heißluft 185°) eine Stunde auf der untersten Schiene backen. Mit Butter und Marmelade servieren.

Die Ruhrpottler

Die „Metropole Ruhr“ bzw. „der Pott“ ist mit mehr als fünf Millionen Einwohnern in elf Städten der drittgrößte Ballungsraum Europas. Herne ist übrigens die genaue Mitte des lebhaften Schmelztiegels.

Besonderheiten: Mehr als 600.000 Ausländer leben hier aus ca. 200 Nationen, Strukturwandel von der größten Montan-Region Europas hin zur „Technologie-Region“, Leibgericht: Currywurst mit „Pommes Schranke“.

Das muss man sehen: Zeche Zollverein in Essen und Shopping in Dortmund.

Das muss man hören: „Bochum“ von H. Grönemeyer.

Fettnäpfchen: Alles erlaubt, Hauptsache ehrlich.

Fabelhaftes: Das Musical „Starlight-Express“ läuft seit 1988 in Bochum.

Eigenarten: ehrlich, deftige Sprache, trockener Humor, direkt, bodenständig.

Promis: die Krupps, die Hoeschs, die Thyssens, Hannelore Kraft, Manuel Neuer

Spruch: „Komma bei mich bei!“, „Glück auf!“

Geschichte: Erste Hütte war St.-Antony-Hütte in Oberhausen-Osterfeld (1782). Der industrielle Kohlebergbau wurde ab Anfang des 19. Jahrhunderts betrieben.

Innerhalb weniger Jahrzehnte entstanden Tausende Zechen, Kokereien, Hochöfen – Herz des Wirtschaftswunders.

Die Ostwestfalen

Ist keine gewachsene Region, sondern ein Verwaltungskonstrukt aus den Regionen um Bielefeld, Paderborn und Lippe. Mit „Ostwestfale“ dürfte sich hier aber jeder angesprochen fühlen.

Besonderheiten: OWL ist Windrad-Land (470 allein im Kreis Paderborn), Bielefeld ist Sitz großer Unternehmen wie Bertelsmann und Dr. Oetker.

Das muss man sehen: Alter Markt in Bielefeld, die Historische Altstadt Rheda-Wiedenbrück, Hasenfenster am Dom Paderborn, Hermannsdenkmal Detmold, Porta Westfalica, Westfälische Mühlenstraße, Kloster Corvey, Gestüt Warendorf, Teutoburger Wald.

Das muss man hören: OWL-Grammatik wie „Ich bin angefangen“, „Wo bist du wech?“ oder „Ich fahr’ nach Tante Else“ und Begriffe wie „Gedöns“, „Pöter“ (Po) oder „noch ’n Tucken“ (ein bisschen).

Fettnäpfchen: „Gibt es Bielefeld überhaupt?“

Fabelhaftes: Der „Spökenkieker“ sagt Ereignisse voraus. Bis ins 19. Jahrhundert wurde sogar in Kirchen gebetet, dass die Vorhersage abgewendet werden möge – nicht immer mit Erfolg.

Eigenarten: Eher wortkarg, misstrauisch, leicht grantig, stur, trockener Humor, feier-freudig (Verein, Grillen), einmal Freund, immer Freund.

Promis: Iris Berben, Oliver Welke, Gerhard Schröder, Ex-WDR-Intendant Fritz Pleitgen und Rapper Casper.

Spruch: „Was für ein Wetter!“ – „Na, besser als gar keins!“

Geschichte: Arminius der Cherusker vereinte Germanenstämme und schlug die Römer vernichtend in der Varusschlacht.

Rezept Ostwestfalen

Möpkenbrot

Zutaten: Möpkenbrot-Stange vom Metzger), Zwiebel, Äpfel, Pfeffer, Salz.
Zubereitung: Möpkenbrot (aus Blut, Schrot und Gewürzen) in ca. 1 cm dicke Scheiben schneiden, in der Pfanne gut durchschmoren. Derweil Äpfel und Zwiebeln schälen und mitschmoren, würzen. Am besten noch warm zu Bratkartoffeln servieren.

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