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Nach Schüssen auf TrumpÜberraschende Forderung: Präsident will jetzt seinen Ballsaal

Medien-Dinner der Washingtoner Hauptstadtpresse

Copyright: Alex Brandon/AP/dpa

Trump spricht nach den Schüssen zur Presse.

Schießerei bei Trump: Stärkt der Anschlag ihn politisch?

Nach der Schießerei bei einem Abend-Event mit Donald Trump hat das Ringen um die Deutungshoheit der Vorkommnisse voll begonnen. Der US-Präsident gibt sich direkt nach der Tat als unerschütterlicher Anführer, während seine republikanischen Parteikollegen die Gelegenheit ergreifen, die Demokraten unter Zugzwang zu setzen. Quer durch alle politischen Lager ist man schockiert, aber auch voller Dank für die Arbeit der Sicherheitsleute.

Für Trump kommt der Zwischenfall zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Der Treibstoff wird immer teurer, eine rasche Lösung im Iran-Konflikt ist nicht absehbar und seine Beliebtheit ist so niedrig wie nie zuvor in seiner zweiten Amtsperiode. Das stellt für die Republikaner eine enorme Gefahr dar, da sie bei den anstehenden Zwischenwahlen im November ihre hauchdünne parlamentarische Mehrheit behaupten müssen.

Spezialistin: Anschlag könnte Trump Auftrieb geben

„Wie in vergangenen Fällen ist auch diesmal vorstellbar, dass Trump politisch gestärkt aus dem Attentat hervorgeht“, erklärte Laura von Daniels, eine Amerika-Spezialistin von der Stiftung Wissenschaft und Politik, gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. Insbesondere die MAGA-Bewegung rund um Ex-Fox-Moderator Tucker Carlson war laut von Daniels im Begriff, sich aufgrund des Iran-Konflikts und der miesen Konjunktur von Trump zu distanzieren.

Wegen des Iran-Konflikts hatte Carlson den Präsidenten kürzlich heftig attackiert. Zahlreiche Unterstützer der „Make America Great Again“-Bewegung (MAGA) hegten die Erwartung, er würde sich stärker auf innere Angelegenheiten konzentrieren. Bei dem festlichen Abendessen mit Journalisten aus der Hauptstadt hatte am Samstagabend (Ortszeit) ein schwer bewaffneter Mann eine Sicherheitskontrolle durchbrochen, wurde aber von Einsatzkräften gestoppt. Dabei fielen Schüsse, woraufhin die Bodyguards den Präsidenten umgehend außer Gefahr brachten.

Parallelen zu Anschlagsversuch während der Kampagne

Medien-Dinner der Washingtoner Hauptstadtpresse

Copyright: Tom Brenner/AP/dpa

Am Samstag fielen Schüsse beim Dinner mit Trump.

Es ist nicht das erste Mal, dass Trump aus einer Attacke politisches Kapital ziehen könnte. Vor ungefähr zwei Jahren feuerte bei einem Anschlagsversuch in Butler (Pennsylvania) ein 20-Jähriger auf Trump, verletzte ihn am Ohr und tötete einen Zuschauer. Umringt von Agenten des Secret Service und mit blutüberströmtem Gesicht ballte Trump anschließend die Faust gen Himmel – eine Geste, die seine Fans als legendär feierten und seine Popularität im Wahlkampfduell mit Joe Biden spürbar nach oben trieb.

Trump gibt sich furchtlos – und schlägt versöhnliche Töne an

Trump reagierte auch am Samstag prompt. Nur ungefähr 30 Minuten nach der Schießerei verlangte er, das Abendessen fortzusetzen. „Lasst die Show weiterlaufen“, ließ er verlauten. Im weiteren Verlauf des Abends präsentierte sich Trump dann als eine Figur der Einigkeit: „Angesichts der Ereignisse dieses Abends rufe ich alle Amerikaner dazu auf, sich von Herzen dafür einzusetzen, unsere Differenzen friedlich beizulegen.“

Das „Wall Street Journal“ schrieb in einem Kommentar, Trump habe am Samstag seine Rolle als Präsident voll ausgefüllt. Die Anerkennung für den Secret Service und die Anweisung, weiterzumachen, seien Belege dafür: „Er hat erneut bewiesen, dass er in gefährlichen Situationen am besten zur Geltung kommt.“

Anschlag auf Trump 2024

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Trump triumphiert nach missglücktem Attentat in Butler. (Archivbild)

Weniger als 24 Stunden danach äußerte sich Trump schon wieder deutlich schärfer. Auf die wachsende politische Gewalt angesprochen, meinte er, so etwas habe es schon immer gegeben. „Ich glaube allerdings, dass die hasserfüllte Rhetorik der Demokraten weitaus gefährlicher geworden ist. Ich halte das wirklich für sehr gefährlich für das Land.“ Jedoch steht Trump selbst wiederholt in der Kritik, mit seinen mitunter radikalen Aussagen die Spaltung der Nation zu befeuern.

Unerwarteter Schachzug: Trump instrumentalisiert Attacke für seinen Ballsaal

Viele Beobachter waren verblüfft, als Trump den Zwischenfall für sein favorisiertes Bauvorhaben instrumentalisierte: den gigantischen Ballsaal beim Weißen Haus. „Mit dem derzeit am Weißen Haus im Bau befindlichen, militärisch streng geheimen Ballsaal wäre dieses Ereignis niemals passiert“, postete Trump. „Er kann gar nicht schnell genug fertiggestellt werden.“

Das ambitionierte Vorhaben droht jedoch zu stocken, weil Denkmalschützer rechtliche Schritte dagegen eingeleitet haben. Ihre Befürchtung: Der Neubau könnte das benachbarte Weiße Haus optisch herabsetzen. Daraufhin publizierte der amtierende Justizminister Todd Blanche am Sonntag einen Brief, in dem er die Klägerseite zum Rückzug ihrer Klage drängt – und begründete dies direkt mit der Schießerei vom Abend zuvor.

Neue Informationen zum wahrscheinlichen Motiv des Schützen

Zusätzliche Munition für Trumps Parteikollegen liefern womöglich Einzelheiten über den Verdächtigen. Medien melden, dass es sich um einen 31-Jährigen aus Kalifornien handelt, der bei den Trump-feindlichen „No Kings“-Demonstrationen aktiv war. Darüber hinaus soll er 2024 eine kleine Geldsumme an die damalige Präsidentschaftsanwärterin der Demokraten, Kamala Harris, überwiesen haben.

In dem Brief des Justizministeriums an die Denkmalschützer wird der Druck enorm gesteigert. Falls die Klage nicht zurückgenommen wird, so heißt es, werde die Regierung die Einstellung des Verfahrens aufgrund von „außergewöhnlichen Umständen“ beantragen. „Einfach ausgedrückt: Ihre Klage bringt das Leben des Präsidenten, seiner Familie und seiner Mitarbeiter in große Gefahr“, argumentierte Blanche, wie die „dpa“ berichtet. (dpa/bearbeitet durch Gemini 2.5 Pro)

Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.

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