Merkel verteidigt Merz und gesteht überraschend Fehler ein
Merkel springt Merz zur SeiteAltkanzlerin kontert Kritik an der aktuellen Regierung

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Die frühere Bundeskanzlerin Merkel nimmt die derzeitige Bundesregierung in Schutz. (Archivfoto)
Ex-Kanzlerin Angela Merkel nimmt das Kabinett von Friedrich Merz (beide CDU) in Schutz und wehrt sich gegen Vorwürfe der Trägheit. „Diese Regierung ist vor gut einem Jahr ins Amt gekommen“, erklärte sie der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“.
Das Kabinett habe Etats verabschiedet und grundlegende Beschlüsse in Sachen Rüstung und Infrastruktur gefasst. Merkel nannte auch neue Aspekte im Pensionssektor, wie die „Frühstartrente“. Ihr klares Statement: Es sei „einfach nicht richtig, dass nichts passiert sei“.
Merkel mahnt: Keine überzogenen Hoffnungen
Auf die Nachfrage, ob sie der Administration zutraue, nötige Neuerungen umzusetzen, antwortete sie mit einem deutlichen „Ja“ und nannte als Beispiel die ihrer Meinung nach gut fortschreitende Debatte zur Gesundheitsreform. Die aktuelle schwarz-rote Koalition sah sich jüngst mit wachsendem Verdruss in der Wählerschaft und historisch miesen Umfragewerten für den Kanzler konfrontiert.
Gleichzeitig mahnte Merkel aber, keine überzogenen Ansprüche zu fördern. „Schon zu meiner Zeit ist die gesamte politische Debatte vor allem durch die sozialen Medien hektischer geworden“, führte sie aus. „Gerade in einer solchen Stimmung ist es ein Fehler, Erwartungen zu wecken, die sich nicht erfüllen. Diesen Fehler habe ich selbst auch schon gemacht.“
Überraschung: Merkel gesteht eigene Fehler ein
Mit Blick auf ihre eigene Kanzlerschaft zeigte sich Merkel auch selbstkritisch. Bei den Ausgaben für die Landesverteidigung habe es zwar kontinuierlich Erhöhungen gegeben, doch „rückblickend betrachtet waren wir dabei aber nicht schnell genug“.
Auch bei einem anderen Thema wurde sie deutlich: „Ich bin sehr unzufrieden gewesen mit der Geschwindigkeit der Digitalisierung.“ Man habe sich weitaus mehr vorgenommen, die Durchsetzung sei jedoch „im Rahmen unserer föderalen Strukturen extrem schwierig“ gewesen.
Eiskalter Ratschlag für Kanzler Merz
Kanzler Merz hatte sich vor Kurzem darüber beschwert, dass kein Vorgänger im Amt derartigen Angriffen in den sozialen Netzwerken standhalten musste. Merkel antwortete darauf mit einem Verweis auf Helmut Kohl: „Ich habe mich immer an Helmut Kohl orientiert. Der hat gesagt, dass ihn keiner gezwungen hat, diese Arbeit zu machen.“
In der „Arbeitsbeschreibung“ für einen Regierungschef seien großartige Erfahrungen enthalten, aber eben auch „Sachen, die man ertragen muss“. Für den Posten brauche es eine „innere Zufriedenheit, eine gewisse Standfestigkeit und ein weites Herz“. (dpa/red)
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