Seit Wochen hat die US-Armee den Iran nicht mehr angegriffen. Doch laut einem US-Magazin lässt Donald Trump neue Angriffsoptionen ausarbeiten. Sie könnten noch vor den Zwischenwahlen am 3. November zum Einsatz kommen.
Eskaliert er jetzt völlig?Trump erwägt wohl Plan für einen Angriff

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US-Präsident Donald Trump spricht während seiner Ankunft am Weißen Haus mit Reportern.
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Seit mehreren Wochen sind keine amerikanischen Bomben mehr auf den Iran gefallen. An den Tankstellen in den USA zahlen die Menschen trotzdem im Schnitt 4,37 Dollar für eine Gallone Benzin. Vor dem Krieg waren es knapp unter drei Dollar.
Und in Washington wird nach Informationen von „The Atlantic“ schon über die nächsten Ziele gesprochen. Gut drei Wochen vor einer Wahl, die für Trumps Republikaner zum Desaster werden könnte. Seine Zustimmungswerte liegen bei 33 Prozent, dem Rekordtief seiner zweiten Amtszeit.
Trump lässt Angriff auf den Iran vor den Zwischenwahlen prüfen
Laut zwei Regierungsvertretern habe das Weiße Haus das Pentagon gebeten, Angriffsoptionen gegen Ziele im Iran auszuarbeiten. Sie sollen sich noch vor den Zwischenwahlen umsetzen lassen. Die Pläne entwickelt das US-Zentralkommando, das den Krieg koordiniert. Entschieden sei dem Bericht nach aber noch nichts: Wie groß die Angriffe sein sollen, was getroffen werden soll und ob es überhaupt dazu kommt, werde noch diskutiert.
Was treibt Trump zu diesen Überlegungen? Dazu muss man auf die Stimmung in den USA schauen. Bei den Zwischenwahlen geht es um die Mehrheiten im Repräsentantenhaus und im Senat. Der Krieg gegen den Iran begann Ende Februar mit Angriffen der USA und Israels. Er ist inzwischen in seinem achten Monat und gilt als zutiefst unpopulär.
Die hohen Spritpreise ziehen republikanische Zustimmungswerte im ganzen Land nach unten. Ken Paxton, republikanischer Senatskandidat in Texas, sagte laut dem Nachrichtenportal „Axios“ vor Spendern, die gestiegenen Benzin- und Dieselpreise seien „mit Abstand unser größtes Problem“.
Ein „Sieg“ vor dem Wahltag?
Trump könnte versuchen, nach monatelangem unruhigem Frieden erneut Stärke zu zeigen – und womöglich eine Art Sieg verkünden zu wollen. Das würde den Republikanern dringend benötigten Rückenwind für den Endspurt geben. Ein Republikaner, der mit den Beratungen vertraut ist, sagte dem Magazin: „Es würde den Präsidenten so aussehen lassen, als hätte er einen Sieg errungen und als würden die Benzinpreise anfangen zu sinken.“ Nach den Wahlen könnte dann ein deutlich größerer Militäreinsatz folgen.
Trump selbst hat mehrfach angedeutet, dass die Kämpfe wieder aufflammen könnten. Im vergangenen Monat drohte er in einer Rede vor den Vereinten Nationen, „die Islamische Republik zu vernichten“, falls der Iran keinem Abkommen zustimme. Dem Magazin „Time“ sagte er: „Wir haben in den letzten sechs Monaten aufgestockt.“ Vergangene Woche erklärte er, die USA würden den Krieg „gleich nach der Wahl“ gewinnen. Dann fügte er hinzu: „Vielleicht vor der Wahl.“
Trump ist öffentlich wütend darüber, dass der Krieg kein Ende nimmt. Menschen aus seinem Umfeld glauben, dass er sich insgeheim gedemütigt fühlt. Doch selbst Befürworter des Krieges räumen ein: Begrenzte Angriffe allein würden den Iran nicht an den Verhandlungstisch bringen. Sie würden die Straße von Hormus nicht wieder sicher machen und die Benzinpreise vor dem Wahltag nicht senken.
Experte: „Wie soll das Sinn ergeben?“
Die Risiken sind dagegen enorm. Rund 50.000 US-Soldaten in der Region und die Verbündeten am Golf könnten zum Ziel iranischer Vergeltung werden. Die ohnehin knappen Munitionsvorräte würden weiter schrumpfen. Und laut der US-Energiebehörde sind die Rohölpreise bisher meist gestiegen, wenn die USA ihre Angriffe nach einer Pause wieder aufgenommen haben.
Will Walldorf, Professor für internationale Beziehungen an der Wake Forest University, arbeitet für die Denkfabrik Defense Priorities. Er teilte seine Zweifel gegenüber dem Magazin: „Militärische Gewalt hat nichts dazu beigetragen, die Ölpreise zu senken; tatsächlich hat sie das Gegenteil bewirkt.“ Und weiter: „Wenn das ein Versuch ist, die republikanischen Wähler zu mobilisieren – wie soll das Sinn ergeben, wenn man bedenkt, wie unpopulär dieser Krieg ist?“
Ein Vertreter des Weißen Hauses betonte gegenüber dem Magazin, Trump habe „jederzeit alle Optionen zur Verfügung“. Er fügte hinzu: „Die Dinge werden auf eine von zwei Arten laufen: auf die leichte Tour oder auf die harte Tour.“ Fragen zum Zeitpunkt möglicher Angriffe beantwortete er nicht. (mg)

