Fischer warnt: Deutschlands Aufrüstung schürt alte Ängste.
„Das weckt alte Ängste“Joschka Fischer warnt vor Aufrüstung der Bundeswehr bei Nachbarn

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Ex-Außenminister Joschka Fischer warnt davor, dass die deutsche Aufrüstung bei den europäischen Nachbarn alte Ängste wecken dürfte (Archivbild).
Fischer schlägt Alarm: Deutschlands Aufrüstung macht Nachbarn panisch!
Klare Worte von Ex-Außenminister Joschka Fischer (78, Grüne): Die militärische Stärkung der Bundeswehr sorgt bei Deutschlands Nachbarn für große Unruhe. „Das weckt alte Ängste“, warnte der Politiker bei einem Besuch in Köln gegenüber der Deutschen Presse-Agentur.
Fischer nimmt dabei vor allem Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) ins Visier. Dessen lauthalse Ankündigung, Deutschland wolle das konventionell stärkste Militär in Europa aufbauen, sei nicht gut beraten gewesen. „Bei Franzosen, Polen, Niederländern, Belgiern, Luxemburgern“, zählte Fischer die besorgten Nachbarn auf.
Kanzler Merz will „stärkste Armee Europas“
Zur Erinnerung: Kanzler Merz hatte in seiner Regierungserklärung am 14. Mai 2025 im Bundestag angekündigt, die Verteidigungsfähigkeit Deutschlands massiv auszubauen. „Die Bundesregierung wird zukünftig alle finanziellen Mittel zur Verfügung stellen, die die Bundeswehr braucht, um konventionell zur stärksten Armee Europas zu werden“, so Merz damals.
Für Fischer kommen solche Ansagen zur Unzeit. Gerade weil sich die USA von Europa abwenden, würden solche Pläne historisch bedingte Sorgen schüren. Der Rückzug Amerikas verändere die Lage in Europa fundamental.
„Die Amerikaner drinnen, die Deutschen unten“
„Die amerikanische Präsenz nach dem Zweiten Weltkrieg hat eben nicht nur unsere Sicherheit gewährleistet, sondern auch die Sicherheit vor uns“, erklärte Fischer. Das habe es den Europäern leichter gemacht, ein wiedererstarktes Deutschland zu akzeptieren und die deutsche Einheit später hinzunehmen.
Er zitierte den ersten Nato-Generalsekretär, Lord Ismay, mit einem berühmten Satz: Die Nato sei geschaffen worden, „to keep the Russians out, the Americans in and the Germans down“. Also: die Russen draußen, die Amerikaner drinnen und die Deutschen unten halten. „Im Prinzip gilt das bis heute“, so Fischer. „Aber jetzt sind die Amerikaner praktisch weg, und gleichzeitig rüstet Deutschland auf.“
„Spinnen die Deutschen jetzt wieder?“
Diese Entwicklung werde im Ausland noch kritischer gesehen, weil gleichzeitig die AfD in den Umfragen immer stärker werde. Sollte die Partei bei der Wahl in Sachsen-Anhalt sogar die absolute Mehrheit holen, würde die Besorgnis weiter zunehmen. „Dann wird man sich im Ausland fragen: Spinnen die Deutschen jetzt wieder?“
Fischer rät den Deutschen daher, angesichts ihrer Geschichte sehr feinfühlig vorzugehen. Aufrüstung sei zwar nötig, dürfe aber nicht mit „großspuriger Rhetorik“ einhergehen. Stattdessen brauche es Fingerspitzengefühl und einen engen Austausch mit den Nachbarn. „Deshalb haben mich die Äußerungen von Merz leicht erschrocken“, gab Fischer zu.
Auch Grenzkontrollen und Kampfjet-Aus sorgen für Kritik
Auch das Aus für den geplanten deutsch-französischen Kampfjet bezeichnete der Ex-Minister als „schwerwiegend“ und „fatal“ für das Verhältnis der beiden Länder. Zudem untergrüben die ständigen deutschen Grenzkontrollen den europäischen Gedanken. Diese seien rechtlich auf Dauer nicht haltbar. Fischer war in Köln, um beim Festival Phil.Cologne sein neues Buch „Wer sind wir? Deutschland auf der Suche nach seiner Identität“ (Verlag Kiepenheuer & Witsch) vorzustellen. (dpa/red)
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