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„Dann sind wir gezwungen zu reagieren“Zwei Aussagen Putins lassen Alarmglocken schrillen

Der russische Präsident Wladimir Putin spricht bei einer Sitzung des Waldai-Diskussionsforums.

Copyright: Pavel Bednyakov/AP/dpa

Der russische Präsident Wladimir Putin spricht bei einer Sitzung des Waldai-Diskussionsforums.

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Putin warnt den Westen vor dem „Punkt ohne Wiederkehr“ und droht wegen Kaliningrad mit Atomwaffen. Doch zwei andere Sätze aus seiner Rede sind laut US-Analyse viel gefährlicher.

„Können wir sicher sein, dass diese Waffen niemals eingesetzt werden? Nun, natürlich nicht.“

Das sagt Wladimir Putin am Donnerstag (1. Oktober 2026) in Moskau beim Waldai-Forum, einem Treffen internationaler Russland-Fachleute. Die Welt erlebe einen gefährlichen Moment, sagt der Kremlchef.

Er warnt den Westen davor, den Konflikt um die Ukraine anzuheizen. Laut Reuters ging es dabei vor allem um Kaliningrad, die russische Exklave zwischen Polen und Litauen.

Sollte es zu einem direkten Angriff kommen, so Putin weiter, würden „alle Waffen, die unserem Land zur Verfügung stehen“, auf die Tagesordnung kommen. Das sei „unausweichlich“.

Diplomatische Note an die Nato

Kurz zuvor hatte Moskau der NATO in einer diplomatischen Note mit Atomwaffen gedroht, falls das Bündnis versuchen sollte, Kaliningrad abzuschneiden. NATO-Generalsekretär Mark Rutte antwortete, die NATO sei ein Verteidigungsbündnis, und Atomdrohungen seien nicht hilfreich.

Putin sprach von einem Gegner, der „doppelt so groß ist wie wir“, und betonte: „Aber niemand sonst besitzt die Art von Waffen, die Russland heute hat.“ Zugleich warnte er: „Die Logik eskalierender, immer härterer Vergeltungsmaßnahmen führt zu einem fatalen Punkt ohne Wiederkehr.“

Zwei Sätze lassen die Alarmglocken schrillen

Die Atomdrohung ist für das US-Magazin „Newsweek“ allerdings nichts Neues. Gefährlicher seien zwei andere Sätze, heißt es in einer Analyse der Rede Putins. Der erste betrifft den Ukraine-Krieg: „Die Wahrheit ist, dass wir nicht kämpfen wollten und den Kampf nicht begonnen haben; der Krieg wurde gegen uns begonnen“, behauptet der Präsident. Eine bekannte Mär des Kremls, die auch schon bei der Invasion der Ukraine verbreitet wurde: Ein Angriff wird als Verteidigung verkauft. Und die Wahrheit verdreht.

Der zweite Satz von Putin soll zunächst beruhigend klingen: „Wir haben nicht die Absicht, irgendjemanden anzugreifen – nicht 2029, nicht 2030, nicht 2050. Aber wenn wir einer Aggression ausgesetzt sind, werden wir gezwungen sein zu reagieren.“ Zusammen aber ergeben beide Sätze Putins laut dem Magazin eine Art Fahrplan: Ein Angriff auf Russland könnte erfunden werden, um einen „defensiven“ Vorstoß in einen NATO-Staat zu rechtfertigen. 

Wie reagiert die NATO auf hybride Angriffe von Russland?

Europäische Regierungen werfen Moskau schon länger einen „hybriden Krieg“ vor. Russland bestreitet das. Laut Eurasia Group, einem weltweit führenden Beratungsunternehmen für geopolitische Risiken, gibt es drei Arten dieser Bedrohungen: Drohneneinsätze, Sabotageversuche, auch mittels Sprengstoff wie in Leipzig. Oder eine direktere Invasion Russlands, etwa durch „kleine grüne Männchen“. Gemeint sind Soldaten, die ohne Hoheitsabzeichen als verdeckte Einheiten operieren – wie jene, mit denen 2014 die Besetzung der Krim begann. Dieses Szenario aber wird als eher gering eingeschätzt.

Doch wie reagiert die NATO auf solche Angriffe? Darüber wird aktuell heftig diskutiert. Das Problem: Solche Angriffe können in einer Grauzone liegen, zwischen Artikel 4 und Artikel 5 des NATO‑Vertrags. Der eine sieht nur Beratungen vor, der andere den Bündnisfall. Europäische Verbündete warnen schon länger davor, Russland könnte die Verteidigungsbereitschaft der NATO weiter testen.

Putin räumte in seiner Rede weiter ein, dass ukrainische Angriffe auf Ölraffinerien Russland ein Prozent seiner Wirtschaftsleistung gekostet hätten. Europäische Waffenfabriken, die die Ukraine beliefern, wolle Moskau aber nicht „morgen“ angreifen. Zu einem Treffen mit Xi Jinping und Donald Trump sei er bereit, wenn vorher eine passende Tagesordnung ausgearbeitet werde. (mg)