Das Interview von ZDF-Satiriker Jan Böhmermann mit Wolodymyr Selenskyj sorgt international für Aufsehen.
Selenskyj attackiert MilliardärMusk und Moskau reagieren auf Böhmermann-Interview

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Wolodymyr Selenskyj (l.) sitzt neben Jan Böhmermann auf einer Couch. Böhmermann hat für die Sendung „ZDF Magazin Royale“ den ukrainischen Präsidenten interviewt.
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Für den ZDF-Satiriker Jan Böhmermann war es ein echter Coup: Am Mittwoch stellte sich der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj in einem Interview den Fragen Böhmermanns. Dort äußerte sich der Staatschef nicht nur erstmals zu den zu diesem Zeitpunkt noch ganz frischen Ergebnissen der Zwischenwahlen in den USA, sondern kritisierte auch US-Techmilliardär Elon Musk.
„Wir sind SpaceX dankbar dafür, dass sie uns die Verbindung zur Verfügung stellen. Das war zu Beginn des Krieges sehr hilfreich. Aber wir müssen da ganz klar sein: Natürlich gefällt uns seine Haltung zu diesem Krieg nicht“, sagte Selenskyj mit Blick auf Musk und den von SpaceX angebotenen Internetdienst Starlink, der in einer militärischen Variante von den ukrainischen Streitkräften genutzt wird, zuletzt jedoch in seiner Leistung kurzfristig gedrosselt worden war.
Wolodymyr Selenskyj kritisiert Elon Musk: „Konzentration der Macht ist etwas Gefährliches“
Der Tech-Milliardär fordert immer wieder ein sofortiges Kriegsende. Bereits 2025 schrieb Musk, er habe das jahrelange „Schlachten“ satt. Die Ukraine werde am Ende ohnehin verlieren, hieß es weiter. Daher sei es nötig, sofort Frieden zu schließen. Zuletzt forderte Musk schließlich, dass es für Selenskyj an der Zeit wäre, abzutreten.
„Gott sei Dank verlieren sie Soldaten auf fremdem Territorium und nicht im eigenen Land“, sagte Selenskyj nun mit Blick auf Musks mehrmalige Klagen über viele Todesopfer in den Reihen der russischen Armee. Wären die russischen Truppen nicht an ihrem Vormarsch gehindert worden, wären sie „weiter nach Europa vorgerückt“, betonte Selenskyj zudem.
Der Ukrainer äußerte jedoch auch grundsätzliche Kritik an Musk. „So viel Macht bei einer sehr reichen Person – diese Konzentration der Macht ist etwas Gefährliches“, erklärte Selenskyj. „Der Einfluss von Elon Musk, was er in seinen Botschaften ausspricht, wer in der Ukraine an der Macht sein soll – das sind nicht nur Worte. Wenn sie von einem sehr reichen Menschen kommen, dann ist das auch ein Einfluss – und er hat nicht das Recht, so etwas zu beeinflussen“, führte der Ukrainer aus. Der Tech-Milliardär sei lediglich der Staatsbürger eines anderen Staates – „für mich sind das Risiken“, so Selenskyj.
Elon Musk reagiert indirekt auf Kritik von Wolodymyr Selenskyj
Musk reagierte indirekt auf die Worte des Ukrainers. Im sozialen Netzwerk X verbreitete der Milliardär den Beitrag eines anderen Nutzers. „Rückblickend kann gesagt werden, dass SpaceX einen Fehler begangen hat, als es zu Beginn des Krieges Tausende kostenloser Starlink-Antennen schickte und kostenlose Dienste im Wert von mehreren Millionen Dollar pro Monat zur Verfügung stellte“, hieß es dort. Somit sei eine „Grundlage für autonome Killerdrohnen“ geschaffen worden, hieß es weiter in dem von Musk verbreiteten Beitrag.
Am Freitag kommentiert schließlich auch Moskau die im Böhmermann-Interview getätigten Aussagen Selenskyjs. Der russische Hardliner und frühere Kremlchef Dmitri Medwedew meldete sich in seinem Telegram-Kanal zu Wort. Musk habe seinen „Fehler spät erkannt und eingestanden“, schrieb der langjährige Wegbegleiter von Kremlchef Wladimir Putin dort und ließ schrille Theorien folgen.
Moskau springt Elon Musk zur Seite
„Elon hat das alles von Anfang an verstanden. Obwohl natürlich selbst ein Billionär vom Weißen Haus und dem ‚Deep State‘ abhängig ist“, so Medwedew, der Musk zudem vorwarf, durch die Lieferung von Starlink an die Ukraine ein „Teil des Krieges“ geworden zu sein. „Allerdings ist es immer besser, Einsicht zu gewinnen und Buße zu tun, als bis zum Ende als Judas zu leben“, fügte der Moskauer Scharfmacher hinzu.
Das Böhmermann-Interview mit Selenskyj soll derweil im „ZDF Magazin Royale“ am Freitag (23 Uhr) im linearen Fernsehen ausgestrahlt werden. Online ist es bereits in der Mediathek des Mainzer Senders abrufbar.
Der ukrainische Staatschef hatte sich in dem Gespräch auch zum Ausgang der Midterms in den USA geäußert – und hofft nach dem Sieg der Demokratischen Partei bei den US-Zwischenwahlen auf mehr Hilfe für sein von Russland angegriffenes Land. Er sei auch den Republikanern dankbar, sagte Selenskyj, fügte jedoch hinzu: „Aber die Demokraten sprechen sehr klar von einer Unterstützung der Ukraine, von Hilfe an die Ukraine. Sie sprechen von der Erneuerung der Verbindung zwischen den USA und Europa.“ (red)
