Ohne Vorwarnung bricht bei schnellen Drohnen die Verbindung ab: Die Ukraine wirft SpaceX vor, Starlink für Militärgeräte gedrosselt zu haben. Ein Offizier vergleicht das mit einem Atomschlag.
Ukraine mit drastischer Warnung„Das ist vergleichbar mit einem Atomschlag“

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Rettungskräfte löschen einen Brand in einem mehrstöckigen Wohngebäude, das bei einem russischen Raketenangriff auf Kiew in der Ukraine beschädigt wurde. Die Ukraine beklagt eine Drosselung seitens Starlink in einer ohnhein prekären Lage.
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Im Südosten der Ukraine fliegen die Hornet-Drohnen nicht mehr. Sonst greifen die in den USA gebauten Fluggeräte russsiche Ziele in bis zu 150 Kilometern Entfernung an. Jetzt stehen sie still.
„Das ist vergleichbar mit einem Atomschlag gegen uns. Alle Einsätze liegen auf Eis. Das wird viele von uns das Leben kosten“, sagte ein erfahrener ukrainischer Offizier dem Magazin „Politico“. Er führt eine Einheit, die Angriffe mit Mittelstrecken-Drohnen fliegt.
Begrenzung für Starlink- und Starshield-Geräte
Grund für den Stillstand ist das Satelliten-Internet Starlink von Elon Musks Raumfahrtfirma SpaceX. In der Nacht zu Mittwoch (14. Oktober) wurde der Dienst für sich schnell bewegende Militärgeräte offenbar eingeschränkt. „Seit letzter Nacht gilt für alle Starlink- und Starshield-Empfangsgeräte unserer Streitkräfte eine Geschwindigkeitsbegrenzung von 100 Kilometern pro Stunde“, sagte der Offizier. Starshield ist der militärische Zweig von Starlink.

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Ein satellitengestütztes Starlink-Breitbandsystem, das von der ukrainischen Armee genutzt wird. (Archivbild) Die Ukraine wirft Starlink vor, die Geschwindigkeit zu drosseln.
Musk selbst wies die Verantwortung von sich. Auf der Plattform X schrieb er: „Starshield-Systeme gehören der US-Regierung und werden von ihr kontrolliert. Jegliche Beschränkungen von Geschwindigkeit oder Nutzung werden vom US-Militär und letztlich vom US-Präsidenten entschieden.“
Weißes Haus und Pentagon äußerten sich zunächst nicht. US-Präsident Donald Trump setzt die Ukraine massiv unter Druck, keine russischen Ölraffinerien mehr anzugreifen. Zuvor hatte er mit Kremlchef Wladimir Putin einen Deal geschlossen, russischen Diesel auf den Weltmarkt zu bringen. Er will damit vor den Zwischenwahlen im November die Spritpreise senken.
„Wir können nicht mehr wirksam kämpfen“
Wie heftig die Einschränkungen ausfallen, darüber gibt es unterschiedliche Angaben. Quellen im ukrainischen Verteidigungsministerium erklärten der BBC: Sobald ein Fahrzeug oder Gerät eine bestimmte Geschwindigkeit überschreitet, verliere das Gerät die Verbindung zum Netz.
Betroffen seien vor allem Drohnen, aber die Aufklärung und die Weiterleitung von Funksignalen an der Front seien betroffen. Eine einzige Drohne mit Starlink-Empfänger leitet die Signale an andere Drohnen weiter, die über ein Funknetz miteinander verbunden sind. So können sie Ziele tief im russisch besetzten Gebiet treffen, etwa in der Region Donezk, auf der Krim oder an der Straße von Kertsch.

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Tech-Milliardär Elon Musk hat die Verantwortung für jegliche Drosselung seines Satelliteninternetsystems Starlink zurückgewiesen. (Archivbild)
„Wir können nicht mehr wirksam kämpfen, um unsere Infanterie auf dem Schlachtfeld zu unterstützen. Wir können keine Mehrfachraketenwerfer mehr angreifen, keine von Nordkorea gelieferte schwere Selbstfahr-Artillerie tief hinter den feindlichen Linien, keine Munitionsdepots, Kommandozentralen und andere Ziele“, sagte ein ukrainischer Offizier.
Er befürchtet, dass Russland die Probleme ausnutzen wird: „Ab heute wird der Feind seine Nachschubwege auf die Krim ausbauen, um seine Truppen dort zu verstärken.“ Eine Truppe der ukrainischen Luftlandetruppen in der Region Saporischschja musste nach eigenen Angaben bereits geplante Einsätze absagen. „Die Drohnen flogen weiter, aber die Unterbrechungen machten sie schwerer zu steuern“, teilte die Einheit mit.
„Wir sind ziemlich abhängig von amerikanischen Weltraumfähigkeiten“
Scharfe Kritik kommt auch aus Polen. Außenminister Radosław Sikorski schrieb an Musk gerichtet: „Hey, @elonmusk, großer Mann, spielst du wieder Politik mit deinen Produkten? Als deine europäischen Kunden beobachten wir dich.“
EU-Verteidigungskommissar Andrius Kubilius räumte ein: „Wir sind ziemlich abhängig von amerikanischen Weltraumfähigkeiten.“ Seine Schlussfolgerung: „Die Antwort auf diese Situation ist, unsere eigenen Fähigkeiten zu entwickeln.“
Die Drosselung trifft die Ukraine in einer ohnehin dramatischen Lage. Laut Selenskyj waren nach russischen Raketen- und Drohnenangriffen in der Nacht zu Mittwoch mindestens 600.000 Menschen ohne Strom. In Kiew starben nach Angaben örtlicher Behörden drei Menschen.
Bereits zum zweiten Mal in Folge schlugen Raketen in der Hauptstadt ein, bevor die Sirenen heulten. Die Ukraine ist darauf angewiesen, dass US-Satelliten russische Raketenstarts erkennen und Warnungen weitergeben. Trump bestritt, Informationen zurückzuhalten: „Wir helfen ihnen, und wir teilen Geheimdienstinformationen.“
Selenskyj räumte in einem Interview mit dem britischen Moderator Piers Morgan ein, dass er sich von den USA verraten fühle. „Ich meine, unser Land muss überleben“, sagte er. Und: „Es ist schade, dass wir einen starken Partner verlieren.“ (mg)

