WM-Albtraum Mexiko: Kartelle regieren, Regierung schweigt.
WM-Angst in MexikoIn einem WM-Spielort gab es erst kürzlich mehr als 70 Tote

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Der Kampf gegen die Kartelle. (Archivbild)
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Die Fußball-WM 2026 soll ein riesiges Fest werden. Doch die Realität in Mexiko ist brutal: Drogenbosse, Gewalt und Angst überschatten alles. An vielen Orten haben die Gangs sogar mehr Macht als der Staat selbst.
Fassungslosigkeit im argentinischen TV: Eine Nachrichtensprecherin konnte es kaum glauben, als sie die Nachricht verkündete. Ausgerechnet Culiacán, ein Ort, der als Inbegriff der mexikanischen Drogenkartell-Macht galt, wurde zur neuen sportlichen Station für Diego Armando Maradona. Im Jahr 2018 trat die Legende dort den Trainerjob bei den Dorados de Sinaloa an.
Genau der Maradona, der 1986 in Mexiko den WM-Titel geholt hatte. Seine Karriere und sein Privatleben waren jedoch schwer von seiner Kokainabhängigkeit gezeichnet. Völlig überraschend brachte Maradona den zuvor verhöhnten Zweitliga-Club in die höchste Spielklasse.

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Der legendäre Diego Armando Maradona als Trainer in Sinaloa.
Aber Sinaloa ist kaum für sportliche Glanzmomente bekannt, auch wenn der im November 2020 verstorbene Maradona oder Pep Guardiola (für ein halbes Jahr von Januar bis Ende Juni 2006) dort für die Dorados aktiv waren. Der westmexikanische Bundesstaat ist untrennbar mit dem Namen „El Chapo“ verbunden. Dieser einflussreiche Drogenboss war der Kopf des gefürchteten Sinaloa-Kartells.
Anfang 2016 wurde Joaquín Guzmán, so der bürgerliche Name eines der weltweit meistgesuchten Verbrecher, geschnappt. Er wurde 2017 an die USA überstellt und verbüßt dort eine lebenslängliche Freiheitsstrafe.
„Gemeinden, in denen die Kartelle regieren“
An der Vormachtstellung der Banden und Syndikate hat sich jedoch kaum etwas verändert. Federico Chávez Semerena, der Vorsitzende der mexikanischen Sportkommission des örtlichen Kongresses von Mexiko-Stadt, stellt in der ARD-Doku „Mexiko: WM im Schatten der Kartelle“ klar: „Heute ist es längst erwiesen, dass es Gemeinden gibt, in denen die Kartelle regieren“.
David Faitelson, ein Sportjournalist und Fußball-Kommentator, fügt hinzu: „Das Problem heute sind die Verbrechen der kriminellen Gruppen, der Drogenkartelle, die leider unseren Frieden und unser Leben an sich gerissen haben.“ An manchen Orfen, so Faitelson, besäßen diese Organisationen mehr Einfluss und Autorität als die Regierung Mexikos.
WM-Städte im Visier: Gewalt eskaliert kurz vor dem Turnier
Drei Austragungsorte sind für die WM im Land vorgesehen: Mexiko-Stadt, Guadalajara und Monterrey. Dies sind zugleich die drei größten Metropolen Mexikos. Das Bundesministerium für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit beschreibt die Lage so: „Das Vermögen ist zwischen den Landesteilen und Bevölkerungsgruppen äußerst ungleich verteilt.“
Mexiko-Stadt, das Herz des Landes mit über 20 Millionen Menschen in der Metropolregion, ist ein Ort der Gegensätze. Einerseits faszinierend und bunt, berühmt für den „Día de muertos“ Anfang November. Andererseits ist die Stadt nahe dem Vulkan Popocatépetl laut, die Luft auf über 2200 Metern Höhe oft stickig vom Verkehr und die Kluft zwischen Arm und Reich unübersehbar. Monterrey im Nordosten, nur rund 200 Kilometer von der US-Grenze, gilt als reiche Industriestadt und blieb zuletzt von massiven Gewaltausbrüchen der Kartelle meist verschont.

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In der Nähe des Akron-Stadions in Zapopan wurde vor der WM ein Massengrab entdeckt.
Ganz anders Guadalajara, etwa 500 Kilometer westlich von der Hauptstadt. Die Stadt ist die Wiege der berühmten Mariachi-Musik und reich an Kultur. Doch Guadalajara ist auch eine Bastion des Cártel Jalisco Nueva Generación (CJNG). Die Ereignisse dort erst im Februar schürten massive Zweifel, ob das Land für die WM sicher genug ist.
Gefahrenzone Guadalajara: Blutige Machtkämpfe und Reisewarnung
Nachdem ihr Anführer Nemesio Oseguera Cervantes, bekannt als „El Mencho“, getötet wurde, machte man das Kartell für eine Welle brutaler Gewalt im Februar mit über 70 Todesopfern verantwortlich. Die Lage ist so ernst, dass das deutsche Auswärtige Amt von Reisen in den Bundesstaat Jalisco abrät. Die einzige Ausnahme: „mit Ausnahme der Metropolregion Guadalajara bei Anreise per Flugzeug und Puerto Vallarta bei Anreise per Flugzeug oder Schiff“.
Schon in den späten 1970er-Jahren gründete sich in der WM-Stadt das Guadalajara-Kartell. Es war Mexikos erstes großes Verbrechersyndikat und kooperierte eng mit Kokain-Dealern aus Kolumbien. Als Drogenboss Miguel Ángel Félix Gallardo 1989 verhaftet wurde, zerbrach die Organisation. Es entstanden konkurrierende Gruppen, darunter das Sinaloa-, Tijuana-, Golf- und Juárez-Kartell. Einer der aufsteigenden Sterne war „El Chapo“ Guzmán, und der Drogenkrieg, der Mexiko seit Jahrzehnten im Griff hat, begann.
Verdienen die Kartelle an der WM sogar mit?
Experten für Sicherheit glauben nicht, dass die Kartelle die Weltmeisterschaft gezielt als Schauplatz für Gewalt missbrauchen werden. Der Grund ist erschreckend pragmatisch. „Sie möchten sich keinen weiteren Ärger einhandeln“, zitierte die auf Drogenkriminalität fokussierte Nachrichtenseite CrashOut einen Polizeichef aus Jalisco. „Sie gehen bei ihren Aktionen klug vor und werden vorsichtig sein.“ Die Forscherin Ana María Cifuentes erklärte gegenüber der Zeitschrift „Proceso“, dass ein solches Turnier auch für die Syndikate profitabel sei. Es geht um Geschäfte mit Drogen, Prostitution und dem Schwarzmarkt für Eintrittskarten.

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Die Sombreros dürfen bei einer WM natürlich nicht fehlen.
Die Weltbühne der WM wollen jedoch die „Guerreros buscadores“ nutzen – die suchenden Krieger. Der Name klingt kämpferisch, doch der Hintergrund ist zutiefst tragisch. Mehr als 130.000 Personen werden in Mexiko offiziell vermisst. Amnesty International schreibt in einem WM-Bericht: „Befeuert wird dieses massenhafte Verschwindenlassen durch organisierte Kartelle, korrupte Behörden und die fortschreitende Militarisierung“. Ein Detail, das Gänsehaut verursacht: In der Nähe des Stadions von Guadalajara wurden Massengräber mit den Überresten von mindestens 500 Menschen gefunden.
Drogen, Schutzgeld, Produktpiraterie: Das Milliardengeschäft der Unterwelt
Längst dreht sich in Mexikos Unterwelt nicht mehr alles nur um den Handel mit Drogen. Das war bei der WM 1986 vor 40 Jahren noch anders. Heute haben die kriminellen Machenschaften viele weitere Felder erobert. Die Organisationen sind massiv in Benzindiebstahl und Schmuggel involviert, ein Geschäft in Milliardenhöhe. Auch Schutzgelderpressung ist ein riesiger Geschäftszweig der Kartelle, der vom Avocado-Bauern bis zum kleinen Kioskbesitzer jeden trifft. Produktfälschungen gehören ebenfalls zu den Haupteinnahmen. Im Herzen von Mexiko-Stadt gibt es gestohlene Medikamente, gefälschte Uni-Abschlüsse und nachgemachte Trikots der Nationalelf „Tri“ – alles verkauft in einem Land, in dem die Kartelle mitregieren. (dpa/red)
Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.
