Flucht wirft Fragen auf Erneuter Ausbruch aus Psychiatrie – bereits der fünfte in kürzester Zeit

Nach einem erneuten Klinikausbruch aus einer Weinsberger Klinik musste die Polizei erneut anrücken.

Nach einem erneuten Klinikausbruch aus einer Weinsberger Klinik musste die Polizei erneut anrücken.

Erneut gelang einem Patienten die Flucht aus einer psychiatrischen Klinik im Kreis Heilbronn. Bisher fehlt von dem Flüchtigen jede Spur. Der Ausbruch sorgt für politische Diskussionen. 

Weinsberg. Diese Flucht wirft Fragen auf. Wenige Wochen nach einem Gruppenausbruch aus der psychiatrischen Klinik in Weinsberg, kam es in der Einrichtung erneut zu einem Zwischenfall.  Ein Mann flüchtete am Samstagabend aus einem offenen Bereich, bisher haben die Behörden keine Spur von ihm. Die Flucht des 40-Jährigen sorgt für Diskussionen im Kreis Heilbronn.

Der Patient, ein verurteilter Einbrecher, war bis zu seiner Flucht auf einer offenen Station untergebracht. Der 40-Jährige steht seit 1985 in den behördlichen Akten. Insgesamt 17 Einträge gibt es, darunter auch Körperverletzung.

Flucht aus Weinsberger Klinik: Wie konnte das passieren?

Ein Sprecher der Klinik erklärt: „Offen geführt bedeutet, dass die Station nicht rund um die Uhr verschlossen ist“. Dennoch gehöre eine engmaschige Überwachung zum Sicherheitskonzept, damit auch beispielsweise Regelverstöße schnell erkannt werden.

Zwischen dem Ausbruch aus einer geschlossenen Abteilung und der „Entweichung“ aus einer offenen Station sollte allerdings streng getrennt werden.

Erneut flüchtete ein Patient aus dem Klinikum.

Erneut flüchtete ein Patient aus dem Klinikum.

Anscheinend war es dem Patienten gestattet die Klinik aufgrund von Lockerungsmaßnahmen zu verlassen. Dies nutzte der verurteilte Einbrecher zur Flucht und kehrte nicht in die Klinik zurück. Genauere Details zum Ausbruch des 40-Jährigen wurden bisher weder von der Polizei, noch vom Klinikum selbst bekanntgegeben. 

Sozialminister Manne Lucha (Grüne) erklärt: „Diese Lockerungen sind mit den Gerichten fest vereinbarte Stufen im Rahmen des therapeutischen Konzepts mit dem Ziel der Wiedereingliederung in die Gesellschaft“.

Filmreife Flucht aus dem Klinikum

Bereits vor zwei Wochen gelang es vier Männern, darunter drei verurteilten Straftätern, aus der Klinik zu fliehen. Anders als im aktuellsten Fall befanden sich die Männer in einer geschlossenen Abteilung.

Immer noch ist unklar, wie ihnen die Flucht gelingen konnte, das Klinikum selber hält sich entschieden bedeckt, verweist auf die immer noch laufenden Ermittlungen der Behörden.

Bisher gelang es der Polizei nur einen der vier Flüchtigen festzunehmen. Bereits am Tag nach seiner Flucht wurde der 37-Jährige von der Polizei gefunden. Doch von den übrigen dreien fehlt weiterhin jede Spur.

Mithilfe von Fahndungsfotos, Öffentlichkeitsfahndungen und dem Einsatz eines Hubschraubers versucht die Polizei neue Spuren zu finden, um die Straftäter schnellstmöglich zu fassen.

Immer wieder gelingt Patienten die Flucht aus Kliniken

Die Flucht von Patienten aus Psychiatrien ist in Baden-Württemberg kein unbekanntes Vorkommen. Im vergangenen Jahr gab es bei landesweit 1252 Patienten rund 47 ähnliche Vorfälle, so laut Angaben des Gesundheitsministeriums. In Weinsberg selber soll es seit 2005 keinen Ausbruch mehr gegeben haben.

Vorfall löst harte Diskussionen in der Politik aus

Besonders die Sicherheit der Einrichtung ist Streitpunkt Nummer eins. Bereits nach dem Vorfall vor zwei Wochen verlangte die SPD vor Ort, die landesweit fünf Maßregelvollzugsanstalten einer strengen Prüfung zu unterziehen. Nun stellen sie diese Forderung erneut.

Doch das Sozialministerium stellt sich dagegen, wirft der SPD vor die Vorfälle zu benutzen um aus „Oppositionsreflexen heraus und wider besseres Wissen“ die Bevölkerung zu verunsichern. Sozialminister Lucha geht sogar soweit, der SPD vorzuwerfen, sich "leider nicht wirklich mit dem Thema beschäftigt" zu haben. 

Die Polizei warnte die Bevölkerung bereits nach der letzten Flucht, nun wiederholte sie ihr Vorgehen. Autofahrern wird geraten keine Anhalter mitzunehmen außerdem sollen sich die Menschen nicht in Gefahr begeben, sondern direkt die Polizei rufen, falls sie die Männer sehen sollten. (dpa)

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