Krieg im eigenen Schlafzimmer Junge Ukrainerinnen zeigen uns Szenen, die sich niemand vorstellen kann

Die 20-jährige Ukrainerin Marta Vasyuta ist eine der vielen jungen Menschen, die via Tiktok von ihrem Kriegsalltag im Land berichten.

Die 20-jährige Ukrainerin Marta Vasyuta ist eine der vielen jungen Menschen, die via TikTok von ihrem Kriegsalltag im Land berichten.

In Europa herrscht Krieg. Und es ist nicht nur der erste Krieg seit vielen Jahrzehnten – es ist auch der erste TikTok-Krieg. Die Kriegserlebnisse werden von den Menschen selbst ins Netz gestellt. Auch von Marta Vasyuta und „Valerisssh“. So bringen sie den Krieg auch zu uns.

Seitdem russische Panzer in die Ukraine einrollen, spielen die sozialen Netzwerke eine riesige Rolle. Verwackelte Handyvideos zeigen, wie Putins Raketen Gebäude treffen. Sie zeigen, wie ein Feuerwerk von Bombardements über der Hauptstadt Kiew zu sehen ist.

Während die Soldatinnen und Soldaten zu den Waffen greifen, um ihr Land zu verteidigen, greifen viele junge Ukrainerinnen und Ukrainer zu den Handys, um den schrecklichen Kriegsalltag zu dokumentieren. Der Krieg vom eigenen Schlafzimmer aus – gewissermaßen. Auch die 20-jährige Ukrainerin Marta Vasyuta gehört zu den Menschen, die das Leben während des Kriegs zeigen.

Es sind faszinierende – und zugleich zutiefst beklemmende Eindrücke, die den Menschen, die das Glück haben, weit weg von den Bomben in Sicherheit zu sein, den Krieg gewissermaßen zu uns bringen. Szenen, die sich niemand von uns vorstellen kann.

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Ukraine: Eben noch Tanz-Videos, jetzt Krieg

Vor einigen Tagen noch lebte Marta das normale Leben einer jungen Frau: Auf der Video-Plattform TikTok postete sie Videos, in denen sie ihre Lippen zu ihrer Lieblingsmusik bewegt. Witzige Videos, Tanzvideos, Videos, in denen sie singt.

Doch dann kam der Krieg. Und Marta filmte die russischen Bomben, die auf Kiew fielen. Sie zeigte die russischen Panzer, die das Land überfielen. Dicke Rauchschwaden, die nach Explosionen den Himmel verdunkeln. „Die Ukraine im Augenblick“, schreibt sie dazu. Alles hinterlegt mit einer dramatischen Popmusik.

Zig Millionen Mal wurde das Video angesehen, innerhalb kürzester Zeit. Marta wurde über Nacht zu einer Influencerin und zu einer wichtigen Quelle für Nachrichten aus einem Kriegsgebiet – nicht nur für junge Menschen.

„Ich möchte, dass die Leute verstehen, dass die Ukraine nicht nur ein Problem der Ukrainer ist, sondern das Problem aller“, erklärte sie kürzlich in einem BBC-Interview. Seitdem melden sich unzählige Ukrainerinnen und Ukrainer bei ihr und schicken ihr Videos.

Sie erklärt, dass viele Menschen in der Ukraine lieber den Nachrichten in den sozialen Netzwerken vertrauen als den traditionellen Nachrichten. Marta ist fest davon überzeugt: TikTok-Videos helfen vor allen Dingen den jungen Menschen, diesen Krieg zu verstehen. Und zu sehen, was in dem Land passiert.

In einem ihrer jüngsten Videos ist ein Mann zu sehen, der Piano spielt. An einem Bahnhof in Kiew. „Für die Ukrainer, die das Land verlassen und nicht wissen, wann sie zurückkommen“, schreibt sie.

Auch die TikTok-Nutzerin, die sich „Valerisssh“ nennt, nimmt die User mit in ihren Kriegsalltag. Sie nimmt uns mit auf eine Tour zum Atombunker, in dem sie mit ihrer Familie ausharrt. Es gibt hier Fitnessgeräte, einen Kühlschrank, eine abgelaufene Avocado.

Ukraine: Junge Menschen berichten aus ihrem Kriegsalltag

Sie erzählt uns von einem typischen Tag während des Krieges, vom „Bombenfrühstück im Luftschutzkeller“ (eine grässlich gefärbte Suppe) bis zu jenem Moment, in dem sie wieder ins Bett geht und lächelnd im Spiegel bemerkt, dass sie abgenommen hat. „Weil mich Russland nervös macht“.

Sie zeigt uns, was sie im Supermarkt während des Krieges einkauft (Donuts, weil sie nach einer Folge „Simpsons“ so Lust darauf hatte). Und was sie nicht bekommt, weil viele Regale in den Läden bereits leer sind. Und wenn sie den Bunker verlässt, zeigt sie die zerbombten Häuser ohne Fenster, Menschen, die immer bereit sind, schnell einen Unterschlupf zu suchen, wenn die Sirene ertönt.

Ukraine: „Jacuzzi für die heißen Mädels“

Doch trotz der Schrecken dieses Kriegs: „Valerisssh“ lässt sich ihre gute Laune in den Videos nicht nehmen. In einem ihrer jüngsten Posts zeigt sie einen kleinen Zinkzuber, der mit Wasser gefüllt ist. Dazu schreibt sie „Jacuzzi für die heißen Mädels.“

Ein Krieg, verpackt in kurze, amüsante Clips mit lockerer Musik – vielleicht ist das ein guter Weg für die jungen Menschen in der Ukraine, um mit dem Schrecken der vergangenen Tage fertig zu werden.

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